Geschichte der Haushaltstechnik im Nationalen Technik-Museum (II)

Foto: Martina Schneibergová

Vor mehr als einem Jahr wurde das nationale Technik-Museum in Prag nach einer Generalsanierung wieder geöffnet. Einige der neu gestalteten Dauerausstellungen haben wir bereits vorgestellt. Seit etwa einem Monat wird nun die Geschichte der Haushaltstechnik dokumentiert. Im Oktober haben wir bereits über einen Teil dieser Ausstellung berichtet. Sie ist chronologisch gestaltet – die Besucher fangen beim Eingang in den Museumssaal mit der Besichtigung der neuesten Geräte an und können allmählich ihre historischen Vorgänger kennen lernen. Die Führung durch die Ausstellung setzen wir heute fort, wir beginnen mit den technischen Errungenschaften aus den 1920er und 1930er Jahren.

In der neuen Dauerausstellung der Haushaltstechnik wird die Nutzung von Gas- und Elektrogeräten in den tschechischen Haushalten dokumentiert. Jiří Hulák leitet die Abteilung für Industriedesign des Technik-Museums und hat sich an der Zusammenstellung der Dauerausstellung beteiligt. Hinter dem Titel „Elektrisches Haus“ verbirgt sich Haushaltstechnik aus der zweiten Hälfte der 1920er Jahre. Damals wurden in den Haushalten hierzulande die ersten Elektrogeräte genutzt. Jiří Hulák:



„Beim Bau neuer Häuser wurde schon in den 1920er Jahren mit elektrischen Haushaltsgeräten gerechnet. Zur Illustration dieses Trends wird in der Ausstellung die Küche der Prager Villa Müller gezeigt. Es handelt sich um die so genannte ´Frankfurter Küche´, diese wurde 1926 in Frankfurt am Main präsentiert und gilt als Urtyp moderner Einbauküchen. Sie war wie ein Labor entworfen, in dem die Hausfrau keine überflüssigen Bewegungen machen musste. Zur Ausstattung gehörten auch spezielle Behälter sowie Schubladen und Fächer für Gewürze und andere Zutaten. Die Küche war mit Gas- und Elektrogeräten ausgestattet.“

Neben Küchengeräten gehörten damals auch bereits Ventilatoren, Bügeleisen oder Haartrockner in die Häuser. Einige Exemplare davon sind im Technik-Museum zu sehen. Zudem tauchten Ende der 1920er, Anfang der 1930er Jahre die ersten Kühlschränke in den tschechischen Haushalten auf, so der Experte:

„Die Form der Kühlschränke oder Kältemaschinen, wie sie einst genannt wurden, hat sich während der Jahre weiter entwickelt. Wir zeigen hier aber auch einige Exemplare, die fast wie die heutigen Kühlschränke aussehen, außer dass sie auf Füßen stehen. Und im oberen Teil befand sich damals nicht die Tiefkühltruhe, sondern der Kompressor. Bei den ältesten Kühlschränken war der Kompressor nicht mit einer Platte überdeckt.“

Auch ein weiterer Teil der Dauerausstellung konzentriert sich auf die Zeit der Ersten Republik. Er trägt den Titel ´Made in Czechoslovakia´. Jiří Hulák:

„Die Bezeichnung ‚Made in Czechoslovakia’ entstand im Jahr 1920. Unmittelbar nach der Gründung der Tschechoslowakei im Jahre 1918 benutzten die hiesigen Hersteller erst einmal noch die Bezeichnung Made in Austria, damit man sie im Ausland identifizieren konnte. ‚Made in Czechoslovakia’ setzte sich aber schnell durch und erhielt einen guten Ruf. In den ersten Jahren der Tschechoslowakischen Republik entstand beispielsweise die Firma Lada, die Nähmaschinen herstellte. Damals wurde auch das Unternehmen Frigera Kolín gegründet, das Kühlsysteme produzierte. Zudem gab es die Firma Karma Český Brod, die bis heute Heizungen und Wasserboiler fertigt. Die Bezeichnung ´karma´ war die Abkürzung von Karel Macháček, er hat als einer der ersten hierzulande Gasgeräte hergestellt.“

Mit dem Wort „karma“ bezeichnet man bis heute in Tschechien alle möglichen Arten von Wasserboilern. Ebenso nennen die meisten Tschechen den Staubsauger anstelle der richtigen tschechischen Bezeichnung „vysavač“ einfach nur „lux“. Dieser Name wurde schon vor Jahrzehnten vom Hersteller Elektrolux abgeleitet.

Die ältesten Exponate der neuen Dauerausstellung stammen aus der Sammlung des tschechischen Ethnologen und Philanthropen Vojta Náprstek. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte er - vorwiegend aus den USA - die modernsten Geräte und Erfindungen nach Böhmen.

„Zu sehen sind hier mehrere kleine Geräte, die zum Apfelschälen, für das Mahlen von Nüssen, das Würzen oder fürs Kartoffelschälen benutzt wurden. Es gibt aber auch eine primitive Vorrichtung zur Herstellung von Eis. Diese mechanischen Geräte stammen meist aus den USA. Sie sollten die Arbeit den Hausfrauen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erleichtern. Einige davon sind jedoch Produkte der englischen Firma Kent, die als eine der ersten derartige mechanische Haushaltsgeräte herstellte.“

Die USA waren Hulák zufolge Ende des 19. Jahrhunderts bei der Entwicklung technischer Neuheiten Europa weit voraus. Vojta Náprstek gründete 1862 das Böhmische Industriemuseum in Prag, dem er später seine Sammlungen schenkte. Diese Stücke befinden sich heute im Nationalen Technik-Museum.

Ebenfalls in der neuen Dauerausstellung zu sehen ist auch der erste Toaster, der von der Firma General Electrics schon 1908 hergestellt wurde. Weitere historische Elektrogeräte stammen von den Firmen AEG, Siemens, Bosch, Braun und der schwedischen Elektrolux. Alle diese Firmen hatten in der Ersten Republik auch Vertretungen in der Tschechoslowakei.

Die Ausstellung über die Geschichte der Haushaltstechnik ist in der ersten Etage des Nationalen Technik-Museums untergebracht. Das Museum ist täglich außer montags von 9 bis 17.30 Uhr und am Wochenende von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Fotos: Martina Schneibergová