GO EAST - 3. Festival des mittel- und osteuropäischen Films Wiesbaden (26. März bis 2. April 2003)

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Bereits zum dritten Mal findet dieser Tage in Wiesbaden das Festival des mittel- und osteuropäischen Films statt. GoEast - unter diesem Motto wollen die Veranstalter dazu anregen, über das Kino einen Einblick in die kulturelle, politische, soziale und psychologische Situation der mittel- und osteuropäischen Länder zu gewinnen.

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Bereits zum dritten Mal findet dieser Tage in Wiesbaden das Festival des mittel- und osteuropäischen Films statt. GoEast - unter diesem Motto wollen die Veranstalter dazu anregen, über das Kino einen Einblick in die kulturelle, politische, soziale und psychologische Situation der mittel- und osteuropäischen Länder zu gewinnen. Vertreten sind sowohl Filme bekannter Regisseure aus dieser Region, die sich bereits einen Namen gemacht haben - wie etwa Emir Kusturica -, als auch solche jüngerer, noch unbekannter Filmschaffender.

Ungeachtet der unterschiedlichen Situation in den einzelnen Ländern sowie verschiedener Sujets ist den neuen Filmen aus Mittel- und Osteuropa eines gemeinsam, meint Festival-Leiterin Claudia Dillmann:

"Was auffällt, ist ein bestimmter Ton, eine bestimmte Haltung gegenüber Randgruppen, gegenüber sozial Deklassierten, gegenüber den sozialen und politischen Problemen vor allem in den Städten. Diese Haltung scheint mir gemeinsam zu sein in den Filmen besonders der jüngeren Generation aus unterschiedlichen Ländern Mittel- und Osteuropas. Diese Haltung ist sehr warmherzig, sehr verständnisvoll, eine Art Hinwendung. Die Figuren sind alle sehr sympathisch gezeichnet, sie werden nie diffamiert. Das ist ein sehr schönes junges mittel- und osteuropäisches Kino, das in der Tradition des europäischen Autorenfilms steht."

Unter den diesjährigen Gästen von goEast ist auch der tschechische Regisseur und Oscar-Preisträger Jiri Menzel, Vorsitzender der internationalen Jury des Festivals. Mit dem neuen tschechischen Film, der auf dem Festival durch einige Streifen jüngerer Regisseure präsentiert war, zeigte er sich im Gespräch mit Radio Prag sehr zufrieden:

Jiri Menzel: Heimat, süße Heimat
"Die tschechischen Filme sind sowohl von der professionellen Seite gut gemacht, zudem haben sie einen Inhalt, einen Sinn. Und - sie haben Zuschauer. In den meisten anderen mittel- und osteuropäischen Ländern sind die Regisseure leider zwar sehr ambitiös, aber sie machen Filme vielfach nur für das Auge und für einen engen Zuschauerkreis. Und sie berücksichtigen zuwenig, dass man für die Filme auch etwas bezahlen muss. Aber die tschechischen Filme haben etwas zu sagen und sind gleichzeitig für die Zuschauer attraktiv. Und deshalb bin ich auf den tschechischen Film stolz."

Neben Filmvorführungen und Preisverleihungen gab es bei goEast aus aktuellem Anlass am Samstag eine Diskussion zum Irak-Krieg. Unter den Diskutanten war u.a. der Prager Journalist Petr Safarik. Festival-Leiterin Claudia Dillmann resümiert:

"Es wurde stark betont, dass die öffentliche Meinung eher gegen den Krieg eingestellt ist. Es ging vor allem um die Frage, ob die Diktatur mit anderen Mittel hätte beseitigt werden können. Über diesen Punkt gab es Auseinandersetzungen, aber eben vor dem historischen Hintergrund der eigenen politischen Erfahrungen. Der Prager Journalist Petr Safarik hat sich aber auch dagegen gewarnt, zu vorschnell historische Parallelen - z.B. zum Münchener Abkommen - zu ziehen. Sein Standpunkt war ganz klar, dass jetzt eine andere weltpolitische Konstellation herrscht. Etwa auf diesem Niveau hat sich die Diskussion bewegt, und das war für uns sehr interessant."