Goldrausch in Tschechien: In Zlaté Hory soll Gold abgebaut werden – doch nicht alle sind begeistert
Der tschechische Staat will am Fuße des Altvatergebirges Edelmetalle abbauen. Denn wie Experten herausgefunden haben, sind die Goldvorkommen in der Region vermutlich größer als bisher gedacht. Doch nicht alle befürworten die Abbaupläne.
Die Gemeinde Zlaté Hory, die früher Cukmantl / Zuckmantel hieß, trägt das Edelmetall schon im Namen. Denn „Zlaté Hory“ heißt auf Deutsch in etwa „Goldberge“. Die Stadt am Fuße des Altvatergebirges und an der Grenze zu Polen war seit Jahrhunderten ein Bergbauort, am 17. Dezember 1993 wurde der Abbau von Edelmetallen dort aber beendet.
Ab 2021 führte der Staatsbetrieb Diamo allerdings Untersuchungen am Berg Příčný vrch durch. Gesucht wurden Zink, Kupfer, Gold und weitere Edelmetalle. Milan Rác (Nezávislí 2022) ist der Bürgermeister des 3000-Seelen-Ortes. In den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks informierte er, dass der Staat die Goldvorkommen nun abbauen möchte. Denn in der Erde lagert mehr Gold als ursprünglich angenommen:
„Man geht von dreieinhalb bis vier Tonnen Gold aus. Es soll über eine Dauer von zehn Jahren gefördert werden.“
Doch nicht alle begrüßen den Goldabbau. Alexandra Plevačová betreibt ein Sanatorium mit einer langen Geschichte – einst kurten hier schon Leoš Janáček und Franz Kafka. Heute funktioniert die Einrichtung als Heilanstalt für Kinder mit Atemproblemen. Behandelt werden diese durch längere Aufenthalte in einem der ehemaligen Stollen.
„Die größte Sorge haben wir vor den Sprengarbeiten. Es handelt sich um Explosionen unter der Erde. Wir fürchten uns vor den Erschütterungen und davor, dass sie die Sicherheit unserer Speläotherapie gefährden.“
Milena Reissner wohnt in Heřmanovice, auf der anderen Seite des geplanten Abbaugebietes. Sorgenfalten treibt ihr vor allem der mögliche Grundwasserrückgang ins Gesicht:
„Jedes Haus hat bei uns seinen eigenen Brunnen. Wir haben Angst vor dem Grundwasserrückgang. Denn was wird das mit unserem Dorf machen?“
Auch Bürgermeister Rác sieht die Pläne des Staatsbetriebes Diamo kritisch:
„Ich bin derzeit gegen die Förderung. Denn Zlaté Hory entwickelt sich sehr gut. Die Gegend ist bei Touristen beliebt, und die Besucher kommen nicht nur aus Tschechien. Der Goldabbau würde dieser Entwicklung nicht zuträglich sein – im Gegenteil.“
Rác befürchtet Schäden für die Umwelt und stellt sich auch die Frage, wo die Bergbauabfälle gelagert werden sollen. Das Argument, dass die neuen Stollen 60 bis 70 neue Arbeitsplätze schaffen würden, will der Bürgermeister nicht gelten lassen.
Laut dem Staatsunternehmen Diamo soll das Vorhaben aber auch dazu beitragen, geopolitisch unabhängiger zu werden. Und zugleich erhofft man sich neue Einnahmen für den Staat.
„Ich glaube, der Umsatz soll zwischen acht und neun Milliarden Kronen in den zehn Jahren liegen“, sagt Rác. Umgerechnet sind das bis zu 360 Millionen Euro.
Doch der Lokalpolitiker stellt gleichzeitig die Sinnfrage. Denn aus den Plänen geht hervor, dass auf dem Gemeindegebiet von Zlaté Hory jährlich 350 Kilogramm Gold aus der Erde geholt werden sollen. Die Tschechische Nationalbank (ČNB) habe aber allein im vorletzten Jahr 15 Tonnen gekauft, so Rác, und in Zukunft solle es noch mehr werden. Die Goldvorkommen vom Fuße des Altvatergebirges wären im Vergleich dazu allenfalls ein Tropfen auf dem heißen Stein, meint der Lokalpolitiker.







