Weiter Streit um Goldvorkommen: Lagerstätte in Zlaté hory größer als gedacht

Der tschechische Staat hat die Goldvorkommen am Fuße des Altvatergebirges genauer untersuchen lassen. Das Ergebnis: Dort lagert mehr von dem Edelmetall, als ursprünglich angenommen. Nun soll eine Machbarbarkeitsstudie erstellt werden. Doch der Widerstand in der Gemeinde Zlaté hory gegen eine Wiederaufnahme des Bergbaus hält an.

Das tschechische Staatsunternehmen Diamo ist für geologische Untersuchungen zuständig. Am vergangenen Donnerstag veröffentlichte die Firma die neuesten Daten ihrer Bohrungen bei Zlaté hory, einer Kleinstadt am Nordrand des Altvatergebirges und südlich der Grenze zu Polen. Demnach lagert dort – am Ort eines früheren Bergwerks – viel mehr Gold, als bisher angenommen wurde. Fast elf Tonnen sind es, von dem etwa die Hälfte wohl geschürft werden könnte. Ladislav Pašek ist stellvertretender Direktor von Diamo und dort für den Bereich Rohstoffe und Entwicklung zuständig:

„Wir sind vor allem weiter in die Tiefe gegangen, was in der Vergangenheit nicht gemacht wurde. Die geologischen Forschungen wurden früher schon in geringerer Höhe beendet. Wir haben aber bis zu 250 Meter tief unterhalb der Schächte gebohrt. Dadurch haben wir herausgefunden, dass die Flöze noch viel tiefer reichen. Vor allem aber sind sie breiter als in den bisherigen Annahmen. Und da muss man auch an die Preise der Metalle auf den Weltmärkten denken.“

Ladislav Pašek | Foto: Tschechisches Fernsehen

Auf einen Wert von etwa 30 Milliarden Kronen (1,24 Milliarden Euro) schätzt Diamo nach dem jetzigen Weltmarktpreis das dort lagernde Gold. Das Unternehmen hat aber auch 8,6 Tonnen Silber, 25.000 Tonnen Zink, 5600 Tonnen Kupfer und 1600 Tonnen Blei vor Ort ausgemacht.

„Als weiteres Metall haben wir Gallium gefunden, dies gehört zu den kritischen Rohstoffen in der EU“, ergänzt Ladislav Pašek.

In Zlaté horý haben die Bewohner angesichts des Reichtums an Bodenschätzen aber keine Dollarzeichen vor den Augen. Ganz im Gegenteil. Ende 1993 war dort der Abbau von Edelmetallen beendet worden, und das halten die Menschen in der Rückbetrachtung für die beste Entscheidung. Am Ortseingangsschild steht ein Billboard. „Wir wollen keinen Abbau“, ist darauf zu lesen. Mit dieser Aussage stimmt auch Anežka Zadáková überein. Die ältere Dame erinnert sich noch gut:

„Der Bergbau hat die Umwelt in der Stadt stark belastet. Der einzige Gewinn bestand darin, dass hier Plattenbauten hochgezogen wurden, ansonsten aber – würde ich sagen – brachte uns das nichts.“

Der Zlatý potok, also der Goldbach, galt als so verschmutzt, dass Kinder vor seinem Wasser gewarnt wurden. Andere Bewohner erzählen davon, dass viele der hiesigen Bergleute an Krebs gestorben seien. Kein Wunder, dass der Stadtrat im September die Wiederaufnahme des Bergbaus abgelehnt hat – sozusagen prophylaktisch, denn darüber wird derzeit noch gar nicht entschieden. Bürgermeister Milan Rác (Nezávislí 2022) sagte in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:

Milan Rác | Foto: Tschechisches Fernsehen

„Viele Menschen hier sind gegen dieses Ansinnen. Ich denke, die Stadt hat sich in eine andere Richtung weiterentwickelt. So hat beispielsweise die größte Firma im Bezirk Jeseník ihren Sitz bei uns. Wir haben viele Touristenziele, in die die Stadt viel Geld investiert hat.“

Auch den Betrieb des örtlichen Sanatoriums für Kinder mit Atemproblemen sieht man bedroht, genauso wie ein Absacken des Grundwasserspiegels befürchtet wird.

Geologische Erkundung von Diamo in Zlaté Hory | Foto: Tschechisches Fernsehen

Die Bohrungen und Nachforschungen von Diamo bedeuten indes noch nicht, dass auch mit dem Abbau von Rohstoffen begonnen wird. Erst einmal müsse eine Machbarkeitsstudie ausgearbeitet werden, sagt Pašek…

„Diese Studie wird im ersten Quartal kommenden Jahres vorgelegt. Wir gehen nicht davon aus, und das ist auch technisch gar nicht möglich, dass das Sanatorium oder das Grundwasser bedroht sind. Diamo reinigt schon jetzt das Wasser, das aus der Lagerstätte herausfließt. Alle Befürchtungen vor Ort werden aber noch gesondert bewertet durch entsprechende Fachunternehmen hier in Tschechien“, so der Experte.

Das heißt, es steht auch noch eine Umweltverträglichkeitsprüfung an. Erst danach kann über eine Wiederaufnahme des Bergbaus in Zlaté hory entschieden werden.

Autoren: Till Janzer , Andrea Brtníková
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