Große Liebe mit tragischem Ende: Dvořáks „Rusalka“

„Rusalka“ (Foto: Ken Howard / Metropolitan Opera)

Vor 120 Jahren, genau am 31. März 1901, hatte eine der beliebtesten tschechischen Opern Weltpremiere: die „Rusalka“ von Antonín Dvořák. Sie verarbeitet Märchenmotive und findet sich bis heute im Repertoire berühmter Theaterhäuser auf der ganzen Welt.

Partitur der Oper „Rusalka“  (Foto: Archiv des Nationalmuseums in Prag,  CC BY 4.0

Die romantische Oper „Rusalka“ ist einer der Höhepunkte im Gesamtwerk von Antonín Dvořák. Sie ist ähnlich bedeutsam wie die Sinfonie Nr. 9 „Aus der neuen Welt“, die Slawischen Tänze oder das Cellokonzert h-Moll.

Mit Blick aus dem Ausland könnte es scheinen, als hätte Dvořák nur eine einzige Oper geschrieben. Tatsächlich waren es aber elf. Die Theater Tschechiens führen oft „Der Jakobiner“ auf oder auch „Die Teufelskäthe“. Weltweiter Berühmtheit erfreut sich aber allein „Rusalka“. Nach Angaben der Online-Datenbank „Operabase“ steht sie an 32. Stelle der am häufigsten aufgeführten Opern. Bedenkt man, dass die größten Opernschreiber Verdi, Puccini und Mozart jeweils auch nur einige Dutzend Werke auf dem Konto haben, ist Dvořáks Bilanz gar nicht so schlecht. Es ist jedoch paradox, dass die weltweit am häufigsten gespielte tschechische Oper dieses Prädikat in ihrem Heimatland nicht erfüllt. Auch die Tschechen lieben „Rusalka“, aber Bedřich Smetanas „Verkaufte Braut“ mögen sie noch lieber.

Pavla Vachková als Rusalka  (Foto: Archiv des Nationalmuseums in Prag,  CC BY 4.0)

Die „Rusalka“ ist voll romantischer, lyrischer und emotionaler Musik. Die Liebesgeschichte hat allerdings ein tragisches Ende. Die Nymphe Rusalka verliebt sich in einen Prinzen. Für ihre Verwandlung in einen Menschen zahlt sie einen hohen Preis – sie verliert ihre Stimme. Das ist gerade für eine Opernfigur besonders schmerzhaft. Die Liebe des Prinzen allerdings ist nicht von langer Dauer, bald verliebt er sich in eine andere Frau. Rusalka gelobt Rache, und als der Prinz zu ihr zurückkehren will, ist es schon zu spät. Er stirbt.

„Rusalka“  (Foto: Jana Huzilová,  Archiv des Tschechischen Rundfunks)

Moderne Regisseure begreifen „Rusalka“ aber längst nicht mehr als Märchen. Für sie ist es ein Drama mit einem erotischen Unterton. Die Hauptfigur wurde auf der Bühne schon als Prostituierte dargestellt, die nicht durch den Wald tanzt, sondern auf einem Autobahnrastplatz auf Freier wartet. Zuletzt wurde die Oper im Herbst 2020 in Madrid inszeniert. Dort wurde sie ins Theatermilieu verlegt, und Rusalka wurde zur gekränkten Balletttänzerin. Das eher konservative tschechische Publikum, das zum Opernbesuch oft auch seine Kinder mitnimmt, ist für solche Experimente offenbar noch nicht bereit. Hiesige Bühnen halten sich bisher an die traditionelle Umsetzung und zeigen Rusalka weiter als romantische Wasserfee.

Antonín Dvořák  (Foto: jockrutherford,  Flickr,  CC BY-SA 2.0)

Wenig überraschend entstammt aus dieser so oft gespielten und auch aufgenommenen Oper die berühmteste tschechische Arie. Es ist Rusalkas Gesang „Měsíčku na nebi hlubokém“ (Lied an den Mond) aus dem ersten Akt. Die Fee bittet den Mond, dem Prinzen auszurichten, dass sie ihn liebt und auf ihn wartet. Dieses lyrische Lied haben weltberühmte Sopranistinnen wie Anna Netrebko oder Renée Fleming regelmäßig im Programm.

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