Vergänglichkeit der Gefühle: Oper „Rusalka“ beim Festival „Dvořáks Prag“

Asmik Grigorian

Sie ist die am meisten gespielte Oper von Antonín Dvořák: die „Rusalka“. Beim Klassik-Festival „Dvořákova Praha“ (Dvořáks Prag) wird dieses Spätwerk des Komponisten nun in meisterlicher Besetzung zu sehen und zu hören sein – allerdings in einer konzertanten Aufführung.

Statue von Antonín Dvořák in Nelahozeves | Foto: PatrikPaprika,  Wikimedia Commons,  CC BY-SA 3.0

Die Oper wurde Ende März 1901 im Prager Nationaltheater uraufgeführt. Im Mittelpunkt steht die Nixe Rusalka, deren Figur an slawische Volksmythen angelehnt ist. Der Komponist schrieb dieses Werk in einer Phase, in der er sich besonders mit Märchen beschäftigte. Inhaltlich geht es um die unglückliche Liebe der Rusalka – oder etwas allgemeiner gesagt: um die Vergänglichkeit von großen Gefühlen und die Unmöglichkeit der Verständigung.

Denn die Nixe verliebt sich in den Prinzen. Doch als sie sich in einen Menschen verwandeln lässt, zahlt sie einen hohen Preis: Sie verliert ihre Stimme. Der Prinz wendet sich dann aber einer anderen Frau zu. Deswegen schwören die Mächte des Wassers Rache. Als der Prinz zu Rusalka zurückkehren will, ist es jedoch zu spät, und er stirbt.

Sopranistin Grigorian in der Titelrolle

Semjon Bytschkow | Foto: Tschechische Philharmonie

Gespielt wird die „Rusalka“ beim Festival von der Tschechischen Philharmonie unter der Leitung von Semjon Bytschkow. Es singt der Prager philharmonische Chor. Die Titelrolle hat die litauische Sopranistin Asmik Grigorian übernommen. Sie gelte derzeit als die womöglich ideale Besetzung der Rusalka, sagte „Dvořákova Praha“-Direktor Jan Simon gegenüber tschechischen Medien. Männlicher Star ist der ukrainische Tenor Dmytro Popow, der den Prinzen singt.

Eine weitere wichtige Rolle in der Oper ist die des Wassermannes. Diesen Part hat Jan Martiník übernommen, der Bass tritt ansonsten auch an der Staatsoper Unter den Linden auf.

Märchen versus Sexualität

Da die „Rusalka“ bei „Dvořáks Prag“ konzertant aufgeführt wird, steht diesmal nicht die Frage der Inszenierung an. Heutige Regisseure geben der Oper häufig nicht etwa einen märchenhaften Charakter, sondern inszenieren sie zum Beispiel als Drama über Sexualität. So war dies etwa auch am Münchner Nationaltheater vor zwölf Jahren, als Regisseur Martin Kusej daraus ein Stück über Inzest machte.

Die letzte ausländische Fassung gab es 2020 in Madrid, dabei wurde aus der Nixe Rusalka eine verletzte Balletttänzerin. Das tschechische Publikum ist solche Experimente eher nicht gewöhnt, hierzulande geht man mit den Inszenierungen eher konservativ um. Aktuell zu sehen ist das derzeit am Prager Nationaltheater.

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