Handelsbeziehungen zu Deutschland weiter Faustpfand für Tschechiens Firmen

Export České republiky v roce 2010 podle zemí, zdroj: ČSÚ

Die deutsche Wirtschaft ist die Lokomotive in Europa, die anderen EU-Länder fahren in einem Waggon dahinter. Dieser bildliche Vergleich wird oft herangezogen, wenn es darum geht, das ökonomische Kräfteverhältnis auf dem alten Kontinent zu beschreiben. In diesem Zug fährt Tschechien in einem vorderen Waggon mit fester Kupplung zur Lokomotive. Denn die Bundesrepublik Deutschland ist für das Nachbarland nach wie vor der größte und wichtigste Handelspartner überhaupt. Das belegen auch die neuesten Daten, die das tschechische Statistikamt (ČSÚ) vor kurzem veröffentlicht hat.

Export von Tschechien (Německo = Deutschland). Quelle: Tschechisches Statistikamt
Rund ein Drittel ihres Exports sowie etwas mehr als ein Viertel des Imports tätigt die Tschechische Republik mit Deutschland. Diese Anteile bestätigen, dass tschechische Unternehmen mit ihren deutschen Geschäftspartnern den stärksten Handelsaustausch pflegen. Für den Direktor der Abteilung Statistik des Außenhandels beim tschechischen Statistikamt, Karel Král, ist das kein Wunder:

„Deutschland ist ein direkter Nachbar von Tschechien, von daher pflegen beide Länder traditionell Beziehungen. Auch wirtschaftlich sind die Kontakte sehr eng, zumal eine Reihe deutscher Firmen in Tschechien als Investor auftritt. Folglich ist es logisch, dass Tschechien mit Deutschland am meisten handelt.“

Foto: Tschechisches Fernsehen
Für den tschechischen Export ist Deutschland der größte Abnehmer überhaupt. Im Jahr 2005 betrug der deutsche Anteil am Gesamtexport 33,6 Prozent, im Jahr 2011 ist er ein wenig geschrumpft, lag aber immer noch bei 32,1 Prozent. Hinter dieser Prozentzahl steht jedoch ein Exportvolumen von 36 Milliarden Euro, während die etwas höhere Prozentzahl im Jahr 2005 nur ein Volumen von 24,7 Milliarden Euro ausmachte. Der Umfang der tschechischen Exporte nach Deutschland ist also in den zurückliegenden sechs Jahren um knapp ein Drittel gestiegen. Auch dafür hat Král eine einfache Erklärung:

Karel Král
„Viele deutsche Firmen haben in Tschechien eine Tochtergesellschaft, mit der sie im direkten Geschäftskontakt stehen. Das ist ein Grund dafür, dass der Export so ist, wie er ist.“

Doch auch diese bereits ineinandergreifenden bilateralen Geschäftsbeziehungen konnten nicht verhindern, dass – ausgelöst durch den Beginn der weltweiten Krise im Jahr 2008 – der Export nach Deutschland zwischenzeitlich leicht zurückgegangen war. Das war 2008 und 2009 der Fall, was Král bestätigt:

Foto: archiv Radia Praha
„Es gab einen leichten Rückgang, den gab es in jenen Jahren in ganz Europa. In den deutsch-tschechischen Handelsbeziehungen aber wurde er recht schnell gestoppt und umgekehrt: Seit 2010 verzeichnet man wieder ein Wachstum.“

In den Jahren von 2005 bis 2011 gewachsen ist auch das Volumen der Handelsgüter, die aus Deutschland eingeführt wurden. Allerdings nicht in dem Maße wie der Warenfluss in die andere Richtung. Betrug das Volumen der deutschen Importe im Jahr 2005 noch zirka 21,5 Milliarden Euro, so wurde 2011 ein Volumen von knapp 27 Milliarden Euro registriert. Der Importanteil ist aber in diesem Zeitraum von 30,1 Prozent auf 25,6 Prozent gesunken. Das ist vor allem auf die Importe aus China zurückzuführen, die gerade in den letzten Jahren auch in Tschechien immer mehr zugenommen haben. Dennoch, so Král: An der Spitzenposition der deutschen Importe könne die Warenflut aus China noch längst nicht rütteln:

„Bestimmt schlagen sich die Einfuhren aus China jetzt stärker auf den Gesamtimport der Tschechischen Republik nieder, aber es bleibt festzuhalten: Deutschland ist nach wie vor Tschechiens größter Handelspartner. Das drückt sich auch im Volumen der deutschen Importe aus, das doppelt so hoch ist wie das Volumen der Importe aus China.“

Nach Ansicht von Karel Král wird sich daran auch so schnell nichts ändern:

„Meiner Meinung geht man auf Nummer sicher, wenn man mit deutschen Partnern Geschäfte macht. Die chinesischen Waren haben zudem nicht die hohe Qualität wie die deutschen Produkte.“

Es sind dabei bestimmte Bereiche, in denen Tschechien und Deutschland besonders intensiven Handelsaustausch betreiben:

„Das sind ganz eindeutig der Maschinenbau und der Fahrzeugbau. Des Weiteren wären noch elektronische Waren wie Computer oder Telefone zu nennen.“

Im Bereich des Fahrzeugbaus tut sich Tschechien vor allem als Zulieferer für die Herstellung von Pkw hervor. Auf der anderen Seite werden von Deutschland Traktoren und Lastkraftwagen importiert. Král nennt zudem noch zwei Bereiche, die bei Ex- beziehungsweise Import im Aufwind liegen:

„Im Export nehmen die tschechischen Lieferungen von Konsumgütern weiter zu. Beim Import wiederum sind chemische Produkte aus Deutschland mehr denn je gefragt.“

Zusammenfassend kann man sagen: Der Handel zwischen Deutschland und Tschechien ist für beide Seiten ein Erfolgskonzept. Das wird auch durch die neue Rekordzahl im Außenhandelsumsatz zwischen Tschechien und Deutschland belegt: Im vergangenen Jahr wurden Waren im Wert von etwas über 62 Milliarden Euro zwischen beiden Ländern ausgetauscht. Für den Statistik-Experten Karel Král gibt es daher nur ein Fazit:

„Die Zusammenarbeit mit den präzisen Deutschen ist sicher von Vorteil für beide Seiten.“