Harrachov erwartet Springer und Besucher zur WM im Skifliegen

Foto: Tomáš Kohout, Archiv des Tschechischen Rundfunks

Der Frühling naht mit Riesenschritten, der Winter hat indes sein letztes Wort noch nicht gesprochen. Besonders im nacholympischen Wintersport stehen noch einige Highlights an. Eines davon wird von Donnerstag bis Sonntag in Harrachov / Harrachsdorf im böhmischen Riesengebirge ausgetragen: die Weltmeisterschaft im Skifliegen. Angesichts des sonnigen und frühlingshaften Wetters an den vergangenen Tagen grenzt es schon an ein Wunder, dass die WM auch stattfinden wird.

Foto: Tomáš Kohout, Archiv des Tschechischen Rundfunks
Wind oder Regen nach Wunsch zu bestellen, das schafft der Mensch noch nicht. Aber Schnee kann er heutzutage auch bei Plustemperaturen erzeugen. Es ist ein qualitativ hochwertiger Kunstschnee, der mit Stickstoff versetzt wird. Derzeit sprudelt das weiße Stickstoffgemisch unentwegt neben der Schanze aus den Schläuchen. Zum Glück aber muss der Schnee nur wenige Tage lang halten, bedeutet der Chef des WM-Organisationskomitees, Rostislav Jozífek:

„Wenn wir die Skisprunganlage eine Woche lang mit Kunstschnee präparieren müssten, hätte ich gewisse Befürchtungen. Fünf Tage sollten wir aber meistern. Das ist das Positive daran.“

Rostislav Jozífek (Foto: Tschechisches Fernsehen)
Doch auch so haben die Organisatoren und ihre bis zu 260 Helfer alle Hände voll zu tun, um die Anlage WM-tauglich zu machen:

„Wir haben ausreichend Schnee produziert. Aber natürlich bereitet uns das warme Wetter etwas Sorgen, weil der Schnee am Boden zu schmelzen beginnt.“

Um den Schneeverlust aufzufangen, müssen die Veranstalter ständig neuen Stickstoff oder gekratztes Eis hinzukaufen. Damit können sie in den kalten Nächten die Anlage wieder präparieren. Eine Sisyphusarbeit, die zudem viel Geld verschlingt:

„Wir haben uns vorgestellt, dass wir die Präparierung der Anlage mit Kunstschnee mit einem minimalen Kostenaufwand betreiben würden. Das waren für uns 200.000 bis 300.000 Kronen (ca. 7200 bis 11.000 Euro). Jetzt aber müssen wir für diese Arbeiten mit einer Endsumme von drei Millionen Kronen (ca. 110.000 Euro) rechnen.“

Kamil Stoch (Foto: ČTK)
Als Dank für diesen Aufwand freuen sich die Veranstalter darauf, für vier Tage einmal mehr das Mekka der Skiflug-Weltelite zu sein. Schon für den Donnerstag, wenn die WM feierlich eröffnet wird, rechnen die Gastgeber vor allem mit dem Andrang der Fans aus dem nahen Polen. Was Wunder, haben die östlichen Nachbarn doch mit dem zweifachen Olympiasieger Kamil Stoch auch einen der ganz großen Favoriten in ihren Reihen. Zahlreicher Besuch wird aber ebenso aus Deutschland und Österreich erwartet, denn die Fans dieser Skisprungnationen wollen ihre Adler um Severin Freund oder Gregor Schlierenzauer auch wieder vorne sehen. Auf diesen Ansturm bestens vorbereitet haben sich die Hotels, Pensionen und Restaurants in Harrachov. Informationen und Speisekarten sind auch in Deutsch und Polnisch gedruckt, viele Gaststätten wollen bei Bedarf auch bis tief in die Nacht geöffnet bleiben. Eintrittskarten für die Einzelspringen am Freitag und Samstag sowie das Mannschaftsspringen am Sonntag sind auch noch vorrätig.

Eva Zbrojová (Foto: Archiv der politischen Bewegung Starostové)
Von den jeweiligen Tageskarten gäbe es noch genügend, bestätigte am Mittwoch eine Mitarbeiterin des örtlichen Informationszentrums. Und Bürgermeisterin Eva Zbrojová rät allen Gästen, in der den Verkehr regulierenden Polizei auch wirklich einen Freund und Helfer zu sehen:

„Wenn die Besucher die Empfehlungen der Polizei befolgen, dann werden sie die Verkehrseinschränkungen, die wir vornehmen müssen, kaum zu spüren bekommen.“

Und sie werden vor allem einen der ausreichend vorhandenen Parkplätze finden, die entsprechend ausgeschildert sind. Die WM im Skifliegen wird übrigens zum vierten Mal in Harrachov ausgetragen.

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Autor: Lothar Martin
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