Havel und Klestil stellen sich gegen Verbindung von AKW Temelin und EU-Beitritt Tschechiens

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Am Mittwoch kamen der tschechische Präsident Vaclav Havel und sein österreichische Amtskollege Thomas Klestil auf der Prager Burg zusammen. Ein heißdiskutiertes Thema war das umstrittene Atomkraftwerk Temelin, die Präsidenten beschränkten sich allerdings nicht nur auf diese Problematik. Dagmar Keberlova berichtet.

Das südböhmische Atomkraftwerk Temelin soll nach Ansicht der Präsidenten Vaclav Havel und Thomas Klestil nicht Gegenstand der tschechischen EU-Beitrittsverhandlungen sein. Hierzu Thomas Klestil:

Auch Präsident Havel zeigte sich über diese Einigung zufrieden:

"Ich bin froh, dass wir uns darauf geeinigt haben, dass die EU-Erweiterung oder die zukünftige EU Mitgliedschaft nicht durch eine einzige Causa bedingt werden sollte."

Bilaterale Probleme müssen bilateral gelöst werden, sagte der österreichische Präsident Klestil:

Beide Politiker begrüßten die unlängst in der niederösterreichischen Stadt Melk geschlossene Vereinbarung zwischen den beiden Premiers Zeman und Schüssel und bezeichneten sie als den ersten wichtigen Schritt in die richtige Richtung. Nach dieser Vereinbarung soll das AKW Temelin unter EU-Aufsicht mehreren Prüfungen unterzogen werden. Man müsste alles für den größtmöglichen Sicherheitsbeweis von Temelin machen. Hierzu sagte nach dem Arbeitstreffen Vaclav Havel:

"Es geht darum, dass das Atomkraftwerk wirklich sicher funktioniert, damit unsere österreichischen Nachbarn möglichst wenig Gründe zur Angst haben. In Europa gibt es viele Atomkraftwerke, Temelin muss genauso sicher sein wie die anderen. Als jüngstes AKW sollte es sogar das sicherste sein."

Beide zeigten Verständnis für die Ängste der Bevölkerung sowohl diesseits als auch jenseits der Grenze. Havel und Klestil verstünden auch die Proteste, bloß die Grenzblockaden seien eine schädliche Form des Protestes, weil sich Menschen nur gegenseitig Schaden zufügen.

Zu dem Vorschlag von Bundeskanzler Schröder, die Freizügigkeit von Arbeitskräften aus den Beitrittsländern einzuschränken, sagte Havel, er verstehe die Angst nicht:

"Ich glaube nicht, dass die Tschechen vorhaben, massiv nach Deutschland zu emigrieren. Und wenn dort jemand arbeiten wird, bin ich mir nicht sicher, ob es eine so billige Arbeitskraft sein wird."

Klestil bezeichnete die Frage der Freizügigkeit von Arbeitskräften als eine noch zu diskutierende Frage: