Havlickuv Brod - Deutsch-Brod

Stadtwappe

In der nachfolgenden Touristensprechstunde werden Sie Olaf Barth und Markéta Maurová nach Havlickuv Brod führen. Vor einigen Jahrzehnten hätten wir sagen müssen, nach Deutsch Brod. Diese ostböhmische Stadt erhielt nämlich erst nach dem Zweiten Weltkrieg den Namen des Schriftstellers Karel Havlicek, der im nahegelegenen Borova geboren wurde und in Brod lebte. Und am Ende der Sendung wollen wir Sie auch zu einer interessanten Veranstaltung nach Havlickuv Brod einladen, die die dortigen Bewohner für Dezember vorbereiten.

Stadtwappe
Die ursprüngliche Handelssiedlung Brod entstand 1234 an einem bedeutenden Handelsweg. Später entwickelte sich daraus eine wichtige Stadt. Diese wurde von Smil von Lichtenburg gegründet, einem der mächtigsten Barone im Lande zur Regierungszeit von Premysl Ottakar II. Nachdem im Tal des Sazava-Flusses Silber-Erz entdeckt wurde, wuchs in den tiefen Grenzwäldern ein bedeutendes Zentrum der Silberförderung. Ein starker Zufluss deutscher Bergleute führte schließlich dazu, dass die Stadt nach 1310 einige Jahrhunderte lang den Namen Nemecky Brod (Deutsch-Brod) trug.

Eine günstige Lage an der Kreuzung bedeutender Verkehrswege sicherte der Stadt seit dem 13. Jahrhundert auch ein Handelsmonopol für fremdartige Waren auf der Böhmisch-Mährischen Höhe. Außer dem Handel gedieh in Brod auch das Handwerk und die Landwirtschaft sehr gut. Die Stadt erhielt bald bedeutende Rechte und wurde den königlichen Städten gleichgestellt.

Havliceks Platz, foto: Petr Novák, CC BY-SA 3.0 Unported
Brod wurde bald auch jenseits der böhmischen Grenzen wohl bekannt. 1735 wurde dort eine lateinische Schule "Carolina" gegründet, an die später ein Gymnasium anknüpfte, das mehrere berühmte Persönlichkeiten hervorbrachte: Josef Dobrovsky, Jan Vaclav Stamic, Karel Havlicek Borovsky, Bedrich Smetana, Jan Zrzavy und weitere.

In der Geschichte der Stadt wechselten sich Zeiten des Aufschwungs mit Perioden der Not und Kriege ab. Trotz umfangreicher Zerstörung durch verschiedene Kriege, Pestepidemien und verheerenden Bränden, blieben rund 100 historische und kulturelle Denkmäler bis heute erhalten.

Kirche Mariä Himmelfahrt, foto: Thalion77, CC BY 2.5 Generic
Das größte und auffallendste Denkmal ist die Kirche Mariä Himmelfahrt auf dem Hauptplatz. Die frühgotische Kirche erfuhr um 1380 einen Umbau, bei dem sie durch Säulen in zwei Schiffe geteilt wurde. Später wurden in den Kirchenraum der Chor und Tribünen eingebaut und im 18. Jahrhundert wurde darüber eine Barockkuppel errichtet. Zur Kirche gehört auch ein mächtiger viereckiger Turm mit der Glocke Wilhelm. Diese wurde um 1330 gegossen und heute ist sie eine der ältesten Glocken in Tschechien überhaupt.

Bereits im 13. Jahrhundert wurden die Häuser in Brod aus Stein gebaut. Auf die gotische Ära gehen die Dispositionen der Häuser zurück, die auf länglichen mittelalterlichen Grundstücken standen. Unter den eigentlichen Häusern befanden sich tiefe Keller, die häufig bis in die Mitte des Stadtrings reichten. Zahlreiche Bauten entstanden auch in der Renaissance-Zeit und in der Barockzeit. Später wurden die bereits bestehenden Häuser meistens nur umgebaut. Die Schildhäuser, die am Ring und in den umliegenden Straßen erhalten geblieben sind, verleihen der Stadt heute einen malerischen Charakter.

Die südliche Seite des Stadtplatzes dominiert das alte Rathaus. Es handelt sich um ein Renaissancegebäude, dessen Fassade mit einer hohen Attika und einer Zinne gekrönt wird. An der Fassade kann man den sog. "Tod aus Brod" sehen, mit dem sich auch eine Sage verbindet. Ein Skelett aus Holz soll angeblich ein wirkliches Skelett des Turmwächters Hnat ersetzt haben. Zur einer Zeit, als die Stadt viele Fehden und Auseinandersetzungen mit ihrem Gegner Jihlava-Iglau führte, wollte jener den Feind in die Stadt lassen. Dies ereignete sich im Jahre 1472. Hnats Verrat wurde jedoch aufgeklärt und mit einer Todesstrafe vergolten. Den Ort der Exekution zeigt bis heute der sog. Hnat-Stein auf der Brücke über den Sazava-Fluss. Sein Skelett wurde als Mahnung am Rathaus ausgestellt.

Havliceks Haus, photo: Wylliama, CC BY-SA 3.0 Unported
In einem der Häuser auf dem Stadtring ist das Havlicek-Museum untergebracht. Das Haus hat einen gotischen Kern mit einem Kreuzgewölbe im Erdgeschoss. Im 17. Jahrhundert wurde das Haus mit einem Erker versehen und 1860 einem neugotischen Umbau unterzogen. Das Museum befindet sich dort seit 1956. Über die Geschichte des Hauses und über die dortige Ausstellung heben wir mit der Direktorin, Dr. Jana Berankova, gesprochen.

"Havlicek wurde 1821 im nahen Dorf Borova geboren. Aber sein Vater, der ein Kaufmann war, hat 1832 ein Haus am Stadtring in Brod. Havlicek wohnte in jener Zeit bereits zur Untermiete in Brod, weil er hier studierte. Seit 1833 lebte er aber in diesem Haus, in dem er seine Studienjahre verbrachte. Später pflegte er in den Ferien hier zu weilen. Und er verbrachte die letzten drei Monate vor seiner Abreise nach Brixen an diesem Ort. Er hatte eine Wohnung im ersten Stockwerk, deren Fenster zum Stadtring führten."

Warum ist Havlicek in seinem 30. Lebensjahr, im Herbst 1851 nach Brod umgezogen? Er lebte damals in Kutna Hora (Kuttenberg) und gab - trotz polizeilicher Verfolgung - sein eigenes Blatt Slovan heraus.

"Natürlich ist er nicht freiwillig umgezogen, dies passierte unter dem Einfluss des Kuttenberger Prozesses. Obwohl er den Prozess gewann, entschloss er sich, sich aus dem politischen Leben zurückzuziehen und dem Wirtschaften zu widmen. Er kehrte nach Deutsch-Brod zurück - seit 1945 heißt die Stadt übrigens Havlíckuv Brod. Die Regierung war jedoch anderer Ansicht als Havlícek: Er blieb hier nur drei Monate und schaffte es nicht, seine Pläne zu realisieren. In der Nacht vom 15. zum 16. Dezember trat er seinen langen Weg nach Brixen an."

Vielen Tschechen ist ein Bild bekannt, das früher in mancher Schulklasse hing und jene Szene darstellt, in der Havlicek von seiner Familie Abschied nimmt. Überrascht und geweckt von der Polizei, musste er sich mitten in der Nacht auf den Weg ins Exil machen.

"Diese Geschichte spielte sich in Deutsch-Brod ab. Unser Museum bereitet ein Theaterhappening vor. Diese Entführung wird am 16. Dezember 2001 um 2 Uhr gegeben, zum authentischen Zeitpunkt, mitten in der Nacht."

Und wer wird sich an dem Happening beteiligen, wem wurde die Hauptrolle Havliceks anvertraut, wollten wir weiter wissen.

"Der Hauptanteil leistet unser Museum. Selbstverständlich haben sich aber auch die Laientheaterspieler sehr engagiert. Wir gedenken nämlich den 165 Jahren des tschechischen Laientheaters in Deutsch-Brod. Sein Begründer war doch kein anderer als Karel Havlicek. Mehr will ich aber nicht verraten, kommen Sie am 16. Dezember nach Havlickuv Brod."

Sollten Sie es am 15. und 16. Dezember nicht schaffen, nach Brod zu kommen, können die dies auch ein anderes Mal nachholen: Die Ausstellung im dortigen Museum wartet jederzeit auf Sie.

"Unsere Ausstellung heißt "Auf den Spuren Karel Havliceks in Deutsch-Brod". Es handelt sich dabei absichtlich um keine übliche Ausstellung "Das Leben und Werk" eines Autors. Wie Sie bereits erwähnt haben, wurde Havlicek nicht in Brod, sondern in Borova geboren: dort, in seinem Geburtshaus, das ein nationales Kulturdenkmal ist, gibt es eine neue Ausstellung über sein Leben und Werk. Unsere Exposition ist anders, sie stammt aus dem Jahre 1992, als das gesamte Haus renoviert wurde. Wir zeigen hier u.a. drei Zimmer mit ursprünglicher Einrichtung. Und darüber hinaus: der Eingangssaal ist der Familie Havlicek gewidmet, den Eltern, Reisen, Studienjahren, Havliceks Ehefrau Julia. Es gibt dort originelle Belege, die nirgendwo anders zu sehen sind. Unser Museum ist das einzige in Tschechien, das diese Andenken besitzt."

Und was konkret kann man dort sehen, welche Erinnerungsstücke, welche Belege?

"Welche Belege stellen wir aus? Z.B. die Brille des Vaters, die Einrichtung des Ladens, wie etwa ein Zuckerhackmesser. Von der Mutter etwa eine Korallentasche, die damals in der Mode war und Julias Fächer. Weiter einen Zähler für den Laden, den Karel Havlicek aus Russland mit sich brachte, eine Pfeife, Eheringe, Siegelring, sowie einige Sachen, die Havliceks Tochter gehörten. Kommen Sie und schauen Sie es sich selbst an.

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Autoren: Olaf Barth , Marketa Maurova
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