Heger optimistisch: Ab 2014 auch in Tschechien nur Nichtraucher-Gaststätten

Foto: Kristýna Maková

Den 31. Mai hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor 26 Jahren zum Welt-Nichtrauchertag erklärt. Derzeit sterben fast sechs Millionen Menschen jährlich an den Folgen von Tabakkonsum. Und für das Jahr 2030 prognostiziert die WHO weltweit mehr als acht Millionen Todesfälle aufgrund von Rauchen, wenn sich der derzeitige Trend so weiterentwickelt wie bisher. 13 EU-Länder haben deshalb nicht nur das Rauchen am Arbeitsplatz, sondern auch das Rauchen in Gaststätten verboten. Tschechien gehört nicht dazu; das soll sich aber ändern, ginge es nach Gesundheitsminister Leoš Heger.

Foto: Kristýna Maková
Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos sind 78 Prozent der tschechischen Bürger dafür, dass in Restaurants nicht mehr geraucht wird. Ein klares Votum, das aber von der Regierungskoalition nicht vorbehaltlos unterstützt wird. Vor allem die Bürgerdemokraten (ODS) sträuben sich. Ende März, als Gesundheitsminister Heger seinen entsprechenden Gesetzentwurf vorstellte, erklärte die Abgeordnetenhauschefin und stellvertretende ODS-Vorsitzende Miroslava Němcová:

„Der ODS-Parteivorstand lehnt den Gesetzentwurf des Gesundheitsministers der Partei Top 09 über das absolute Rauchverbot in Restaurants ab. Wir sprechen daher an unsere Parteivertreter in Regierung und Parlament die Empfehlung aus, eine solche Einschränkung der Persönlichkeitsrechte nicht zu unterstützen.“

Leoš Heger (Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Minister Heger ist von der Haltung des Koalitionspartners nicht sonderlich begeistert, aber auch nicht überrascht:

„Die ODS bringt immer wieder zwei Einwände vor. Einerseits sei damit das Risiko verbunden, dass sich die Steuereinnahmen verringern könnten, wenn weniger Zigaretten verkauft würden. Wir glauben aber nicht, dass dem so ist, zumal die Abhängigkeit eines starken Rauchers vom Tabakkonsum wirklich hoch ist. Diese Abhängigkeit lässt sich mit der eines Heroinsüchtigen vergleichen. Der zweite Grund ist der, dass die ODS das Rauchen als eine Art Symbol der Liberalisierung und einer freien Gesellschaft ansieht, in der jeder auch die Freiheit hat, so gesund oder ungesund zu leben, wie er will.“

Foto: Kristýna Maková
Das aber, so der Gesundheitsminister, sei unverantwortlich vor allem gegenüber den Minderjährigen:

„Wir kämpfen nicht vorrangig darum, Rauchern klarzumachen, dass sie ihre Gewohnheiten einschränken müssen, um Nichtraucher nicht zu belästigen. Es geht vielmehr darum, Sorge dafür zu tragen, dass nicht auch Kinder und Jugendliche rauchen. Denn ihr Organismus wird davon wirklich geschädigt.“

Diese Sorge ist begründet, denn Erhebungen zufolge sind etwa 20 Prozent der 15-Jährigen in Tschechien schon regelmäßige Raucher. Jugendliche halten sich oft und gern in Gruppen auf, Kneipen aller Art sind hierbei ein beliebter Treffpunkt. Auch deshalb will Heger seinen Gesetzentwurf im Parlament unbedingt durchboxen, trotz aller Widerstände:

Foto: Kristýna Maková
„Es muss ständig Druck erzeugt werden in der Hoffnung, dass sich die Gesellschaft erziehen lässt und sich die schlechten Gewohnheiten austreiben lassen. Deswegen sind wir froh, jetzt einen solchen Gesetzentwurf vorlegen zu können. Auch wenn sich uns einige Widersacher in den Weg stellen: Wir wollen uns durchsetzen. Und wenn nicht, dann wurde wenigstens wieder ein halbes Jahr lang intensiv über dieses Thema in den Medien diskutiert. Dies wiederum ist eine der besten Kampagnen, die wir darüber machen können.“

Roto: Barbora Kmentová
Nach Hegers Vorstellung soll das neue Gesetz zum Tabakkonsum schon zu Beginn des kommenden Jahres in Kraft treten. Bis dahin wird es weitere Kampagnen gegen das Rauchen geben. Zum Welt-Nichtrauchertag am Freitag wird die gerade laufende Aufklärungsaktion „Odvykání kouření“ (Abgewöhnung des Rauchens) abgeschlossen.