Hoher Anteil an alten Gebrauchtwagen belastet tschechischen Automarkt

Bis Ende des Jahres soll bzw. muss eine Entscheidung darüber gefallen sein, ob der südkoreanische PKW-Hersteller Hyundai seine europäische Produktionsstätte in Mähren errichten wird oder nicht. Sollte diese Entscheidung pro Tschechische Republik ausfallen, dann würde das Land zwischen Eger und Oder neben der Slowakei zum größten Autobauerland pro Kopf der Bevölkerung aufsteigen. Aber würden wir damit in Tschechien auch überwiegend neue und moderne Fahrzeuge auf den Straßen antreffen?

Diese Frage wird durch den Direktor der tschechischen Vereinigung für die Automobilindustrie (SAP), Antonin Sipek, eher skeptisch beantwortet:

"Nun, was den Automobilmarkt in der Tschechischen Republik anbelangt, da muss ich leider konstatieren, dass sich nahezu nichts geändert hat. Mit dem Beitritt des Landes in die Europäische Union sind vielmehr noch weitere negative Dinge in Erscheinung getreten. Das Problem liegt im Import von Gebrauchtwagen, der weiter angestiegen ist. Allein in diesem Jahr kommen rund 140.000 Gebrauchtwagen hinzu, was einen neuen Rekord darstellt."

Die relativ hohe Anzahl an Gebrauchtwagen und die in Tschechien immer noch zu geringe Kaufkraft in der Breite sind hierzulande die beiden größten Bremsklötze dafür, dass sich der nationale Wagenpark auch in naher Zukunft kaum verjüngen wird:

"Selbstverständlich schlagen diese Fakten in punkto Erneuerung des Autobestands negativ zu Buche. Denn der Bestand der in Tschechien registrierten Fahrzeuge wird eigentlich nicht erneuert, sondern nur erweitert. Nur ein geringer Teil der alten Wagen wird verschrottet. Das einzig Positive war bisher die Einführung einer Autoversicherungspflicht, die im Zeitraum von 1999 bis 2000 erfolgte und dank der es damals tatsächlich zur Verschrottung vieler älterer Autos gekommen ist Aber leider bewegt sich das Durchschnittsalter der in Tschechien verkehrenden Wagen immer noch bei knapp 14 Jahren. Und sollte die Entwicklung anhalten wie bisher, dann wird der PKW-Bestand im Jahr 2010 noch älter sein als jetzt."

In Tschechien waren bis zum Halbjahr dieses Jahres 3,9 Millionen Personenkraftwagen (PKW) registriert. Gegenüber dem Anfang des Jahres 1993, als die Tschechische Republik nach der Teilung der ehemaligen Tschechoslowakei gegründet wurde, ist das ein satter Zuwachs von knapp drei Millionen Fahrzeugen. Doch von der Gesamtzahl der registrierten Autos stammen immer noch 1,34 Millionen aus der Zeit vor der Wende. Und all diese vor 1990 produzierten PKW haben ein Durchschnittsalter von 23 Jahren. Das ist ein schwerer Rucksack, den man zu tragen hat, insbesondere was die Verkehrssicherheit und die Belastung der Umwelt betrifft. Das weiß auch Antonin Sipek, der daher empfiehlt:

"Die Erneuerung des PKW-Bestands müsste man von Staats wegen ähnlich unterstützen wie das in mehreren EU-Ländern bereits geschehen ist. Damit meine ich nicht, dass man den Import von Gebrauchtwagen unterbinden sollte. Aber das Hauptaugenmerk sollte schon bei einer Unterstützung des Kaufs von Neuwagen und des Ausrangierens von älteren Fahrzeugen liegen."

Ein Schritt in diese Richtung wäre die Einführung der vom Umweltministerium bereits vorgeschlagenen Öko-Steuer, meint Sipek. Allerdings wäre das nur einer von mehreren Schritten, die zu gehen seien, ergänzte der SPA-Direktor. Ganz wichtig sei vor allem, dass der tschechische TÜV, die so genannte Staatliche Technische Kontrolle (STK), endlich seine Verantwortung besser wahrnehme, legt Sipek den Finger in die weiterhin klaffende Wunde:

"Es ist in der Tschechischen Republik allgemein bekannt, dass alte Autos die Abnahmestationen der Technischen Kontrolle nicht einmal von weitem sehen. Dort legt man höchstens die Fahrzeugpapiere zwecks Erteilung der entsprechenden Stempel vor. Wie aber durch Josef Pokorny vom tschechischen Verkehrsministerium mitgeteilt wurde, soll es im nächsten Jahr zu einer Verschärfung der Kontrollen kommen. Und zwar dergestalt, dass die Durchführung der Technischen Kontrollen durch ein Online-System überwacht wird, zu dem auch das Verkehrsministerium einen direkten Zugriff hat. Daher sollten solche Kontrollen, bei denen das eigentliche Fahrzeug gar nicht vorgestellt wird, merklich eingeschränkt werden."

Antonin Sipek ist sich sicher, dass es eigentlich keiner allzu großen Neuerungen bedarf, um den Automarkt in Tschechien altersgerecht zu regulieren, sondern dass lediglich die bestehende Legislative besser durchgesetzt werden müsse:

"Der erste wichtige Schritt sollte die konsequente Durchsetzung der gegenwärtig geltenden Vorschriften sein. Egal ob das nun die Vorschriften für die Technische Kontrolle der Autos, die Entsorgung von Autowracks oder die Fahrzeugzulassung sind."

Was allerdings die Verschrottung alter Autos in Tschechien betrifft, so ist das Netz der existierenden Altauto-Sammelstellen und Entsorgungsunternehmen noch ausbaufähig. Deshalb ist in diesem Jahr mit der deutschen Firma Callparts GmbH auch ein starker ausländischer Konkurrent auf den hiesigen Markt getreten, um eine diesbezügliche Entwicklung voranzutreiben. Im Rahmen einer internationalen Konferenz, die Ende November zu dieser Thematik in Prag stattgefunden hat, konnte ich mit Wolfgang Kaerger, dem Geschäftsführer der Callparts GmbH, das folgende Interview dazu führen:

Herr Kaerger, was hat ihre Firma dazu bewogen, auf den tschechischen Markt zu gehen? Und wie ist es zur Zusammenarbeit mit Skoda Auto gekommen?

"Also wir haben als Firma in Deutschland ein entsprechendes Netz aufgebaut, und wir haben die entsprechende Kompetenz, um auch nach Tschechien zu gehen. Sicherlich gibt es hier Besonderheiten, die zu beachten sind. Skoda hat uns eingeladen, unsere Vorstellungen zu präsentieren, und wir sind übereingekommen, dass wir hier eine gute Lösung für Tschechien finden können. Das war Mitte des Jahres und seitdem bauen wir ein Netz von Altauto-Annahmestellen auch hierzulande auf."

Es ist ja auch dem tschechischen Gesetz nach erforderlich, dass alte schrottreife Autos entsorgt werden müssen. Ihre Firma garantiert eine qualitativ gute Entsorgung. Werden bei der Verschrottung auch Ersatzteile gewonnen oder zerlegen sie die Autos so in ihre Einzelteile, damit der Umwelt kein Schaden entsteht?

"Es ist so, dass wir hier in Tschechien auf eine hochwertige Demontage achten. Dazu haben wir uns entschlossen, nur Demontage-Betriebe zu nehmen. Konkret: Die Verwertung von Gebrauchtteilen spielt hier in Tschechien meines Erachtens nach noch keine Rolle. Aber wenn sie von Unternehmen betrieben wird, dann nur in Verbindung mit Fachwerkstätten und nach den Gesetzen, die hierzulande gültig sind. Im Moment ist zunächst einmal wichtig, dass wir für den Letzthalter eine Rückgabemöglichkeit geschaffen haben, die flächendeckend ist. Darauf bauen wir auf, und wir wollen erreichen, dass das qualitativ hochwertig weiterläuft."

Haben Sie sich tschechische Partner gesucht unter den 16 Demontagebetrieben, die ihr Netz bilden, oder sind das ihre eigenen Demontagebetriebe?

"Wir haben keine eigenen Demontagebetriebe hier vor Ort, haben aber einen in Deutschland, wo wir unser Know how entwickelt haben. Hierzulande haben wir jedoch 16 mittelständische bzw. zum Teil auch größere Unternehmen gewonnen, mit denen wir langfristig eine Partnerschaft anstreben."

Was hat den Ausschlag für diese 16 Firmen gegeben?

"Wir sind der Meinung, dass sie qualifiziert sind, dass sie die Voraussetzungen für die Altauto-Demontage erfüllen, entsprechende Genehmigungen haben und dass das langfristig eine gute Zusammenarbeit wird."