„Ich freue mich über die Nachrichten aus dem Alten Böhmen, das heute Tschechien heißt“

Der Historiker Albert Jörger aus der Schweiz blickt zurück auf die 1960er-Jahre, auf die Zeit des Prager Frühlings und auf eine Begegnung an der Universität Fribourg.

Liebes Radio Prag,

seit etwa zwei Jahren höre ich wieder regelmäßig (via Internet) Ihre fremdsprachigen Programme (Deutsch, Französisch, Englisch und Spanisch) und ich freue mich sehr über die Nachrichten (aktuelle und historische) aus dem von mir als Historiker und Kunsthistoriker hochgeschätzten Alten Böhmen, das heute Tschechien heißt. Ich habe in den letzten Jahren auch Reisen nach Marienbad, Prag, Pilsen und Nepomuk unternommen (mit dem Reisebüro „Begegnung mit Böhmen“ aus Regensburg).

Zum 90-jährigen Jubiläum von Radio Prag möchte ich aus meiner Studentenzeit berichten. Ich habe das prägnante alte Tonsignet von Radio Prag noch immer im Ohr.

Als Student, geboren 1947 und aufgewachsen am Zürichsee, hörte ich etwa seit 1964 auf meinem eigenen Transistorradio in meinem Studentenzimmer verschiedene ausländische Radiosender – wie zum Beispiel den Südwestfunk, den Deutschlandfunk, den Deutschlandsender (DDR), Radio Luxemburg und eben auch Radio Prag, vermutlich wegen der modernen Musik (Schlager, Dixieland etc.). Eine Plage waren die Störsender, mit denen der „Ostblock“ die westlichen Sender mit knarrendem Rauschen zu übertönen suchte.“

Foto: APF Tschechischer Rundfunk

Als ich im Herbst 1966 an die Universität Freiburg / Fribourg (Schweiz) kam, nahm ich natürlich mein Transistorradio mit. Und da habe ich die Erinnerung, dass das Programm von Radio Prag im Laufe von 1967 und 1968 auffällig modern, aufgeklärt, lockerer und westlich orientiert erschien – eben ganz im Sinne des „Prager Frühlings“. Damals gab es Sendungen, die über die engen traditionellen Verbindungen zwischen dem alten Königreich Böhmen (der böhmische König war ja einer der Kurfürsten) und dem Heiligen Römischen Reich seit dem Mittelalter berichteten. Eine große Figur war natürlich Kaiser Karl IV., der Prag zu einer europäischen Metropole machte.“

Die Redakteure von Radio Prag im Jahr 1968 | Foto: Radio Prague International

Die Universität Fribourg war natürlich auch mit dem „Prager Frühling“ verbunden, und nach dessen Niederschlagung im August 1968 hatten wir dort zahlreiche tschechische Studenten als Flüchtlinge. Diese brachten viel neuen Wind, Farbe und Bereicherung in das bis dahin gewohnte Studentenleben. Mir ist insbesondere eine so lebensfrohe, liebenswürdige Mitstudentin in Erinnerung: Sie hieß Bohumila (Mila) Havlíková, blieb in der Folge in Fribourg „hängen“, ist jedoch leider vor ein paar Jahren schon verstorben.“

Mit freundlichen Grüßen, und auf die nächsten 90 Jahre Radio Prag International!

Albert Jörger, Horgen

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