Im Briefkasten: Jahr 2025, Kindheit im Sozialismus und tschechischer Sherlock Holmes
Von Bedenken und Befürchtungen, was das gerade begonnene Jahr 2025 bringt, bis zu leichteren Themen wie etwa die tschechische Krimiliteraturszene.
Unsere Quizfrage im Februar:
Vor 100 Jahren, am 12. Februar 1925, übertrug der Tschechoslowakische Rundfunk (damals unter dem Namen Radiojournal) erstmals eine Opernaufführung von außerhalb eines Studios. Es handelte sich damals um die Oper „Zwei Witwen“, die aus dem Prager Nationaltheater gesendet wurde. Welcher Komponist hat diese Oper geschrieben?
Auf die richtige Antwort warten wir unter der Adresse: [email protected].
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Im Januar wollten wir wissen, welche Komposition von Vítězslava Kaprálová in unserer Videoserie „Tschechisches Crescendo: Glanzstücke der Klassik“ zum Jahr der tschechischen Musik vorgestellt wurde. Es waren ihre „April-Präludien“ aus dem Jahr 1937. Unter anderem Michael Wickenkamp aus Deutschland hat uns den Namen des Stücks richtig genannt und erhält einen Sachpreis von uns. Herzlichen Glückwunsch!
2025 wird viele Tabus und Selbstverständlichkeiten umstoßen
In ernstem Ton beginnen wir heute die Zitate aus Ihren Briefen und Zuschriften. Denn aus ihnen lassen sich derzeit viele Befürchtungen und Bedenken herauslesen.
Michael Lindner aus Gera wünscht alles Liebe und Gute sowie beste Gesundheit im neuen Jahr. Aber er fügt hinzu:
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„Noch wichtiger ist der Wunsch nach Frieden, um den wir momentan sehr zittern müssen. Die Welt hat sich katastrophal verändert und ist explosiv geworden, das beunruhigt mich sehr. Ja, ich habe Angst um unseren wundervollen Blauen Planeten. Bleibt also nur die Hoffnung auf Vernunft und gegenseitige Achtung auf Augenhöhe, dass wir nicht alle ein zerstörerisches Inferno erleben.“
Achim Kissel aus Duisburg kommentiert die jüngsten politischen Entwicklungen:
„Aktuell erleben wir in Europa und Übersee eine neue Welle des Nationalismus. Mit der FPÖ in Österreich und der AfD in Deutschland erlangen Parteien immer mehr Einfluss, die für die meisten aktuellen Probleme keine Lösung bieten können. Denn: Die Klimakrise und die Wirtschaftskrise lassen sich nicht national lösen. Auch die Friedenssicherung braucht internationale Zusammenarbeit. Ich halte die Europäische Union mit ihren Institutionen für eine große Errungenschaft.“
Martina Pohl aus Überlingen nimmt die Wahl des neuen US-Präsidenten in den Fokus:
„Die Bedenken in Europa überwiegen, denn der 47. Präsident von Amerika strebt einen grundlegenden Politikwechsel an, dessen Auswirkungen noch nicht absehbar sind. Außenpolitisch bleibt noch einiges im Unklaren. Es könnte brenzlig werden, sollte er tatsächlich hohe Handelszölle mit China erheben. Ein wenig Hoffnung könnte es allerdings hinsichtlich des Ukrainekriegs geben. Der Erfolg Trumps ist ohne die Komplizenschaft der Medien nicht zu erklären. Er verkörpert das Image eines natürlichen Siegers. Ein Deal für ihn ist erst einer, wenn er selbst Profit macht und die Gegenseite verliert. Er weiß, wie man aus Politik Geld macht.“
Die nächsten Jahre unter Trumps Führung würden nicht einfach für Europa und die westliche Welt, meint Martina Pohl:
„Europa ist größenmäßig fast ebenbürtig, aber an einer geschlossenen Einheit hapert es noch. Gerade jetzt sollten wir an einem Strang ziehen, bestimmend auftreten, unsere Interessen stärken und um eine konstruktive Zusammenarbeit mit der Supermacht USA bemüht sein. Ich möchte gerne den Prager Schriftsteller Karl Čapek erwähnen: ‚Der Schöpfer Europas machte es klein und teilte es sogar in winzige Stücke auf, so dass sich unsere Herzen nicht an der Größe, sondern an der Vielfalt erfreuen‘.“
Lutz Winkler aus Schmitten im Taunus blickt mit Sorgen dem neuen Jahr entgegen:
„2025, ein Jahr, das sicher viele Tabus und Selbstverständlichkeiten umstoßen wird. Der Egoismus und die Geschichtsverklärung haben Konjunktur. Diktatoren werden als gute Menschen dargestellt. Mir bleibt nach den ersten Januarwochen manchmal die Luft weg, was da alles so über ‚die Fremden‘ gesagt wird. Großkapital und Egoisten ändern Gesetze und Verfassungen, wie es ihnen gefällt, und die Menschen jubeln ihnen zu. Die Sehnsucht nach einem Führer scheint quasi grenzenlos zu sein. Ja, was sollen wir von diesem Jahr erwarten?“
Jugend im Sozialismus
Dank des täglichen Newsletters sei er immer vorbildlich über die Beiträge und Nachrichten informiert. Meist höre er die Sendungen dann auch noch einmal nach, schreibt Lutz Winkler weiter.
Zudem reagiert er auf einen Beitrag aus unseren Sendungen – es ging um Kindheit und Jugend im Sozialismus:
„Die Vielfalt der Themen aus Ihrer Redaktion begeistert mich. Trotzdem sehe ich einige Beiträge kritisch (was ja nicht schlecht ist). In dem heutigen Interview ging es um die Kindheit in der sozialistischen Tschechoslowakei. Ich empfand die Aussagen von Professorin Winkler als sehr oberflächlich. Ich denke, auch in der Tschechoslowakei war das Ziel der Erziehung durch den Staat, die Richtung des Staates zu bestimmen. Kinder sollten brav sein und dem sozialistischen Staat gehorchen. Die Verbindung zur Armee in Form von Besuchen sollte die Kinder auf Linie halten. Ich persönlich war als Kind in der Pionierrepublik. Da war nichts mit kindlicher Freiheit. Das war Drill und politischer Unterricht. Und ehrlich: Mit dieser Aktion hat der Staat mich verloren. Kein Engagement mehr für diesen Staat. Diese Erfahrung hat mich geprägt.“
Uwe Tabbert aus Kahla wünscht ein gesundes neues Jahr sowie Spaß und Erfolg bei unserer Arbeit. Auch er habe Freude an der Berichterstattung von Radio Prag International, schreibt Uwe Tabbert und nennt das Thema „Die letzten Schrankenwärter Tschechiens“ als Beispiel:
„Da werden Erinnerungen wach. Hab ich doch 1965 eine Lehre zum Signaltechniker bei der Bahn begonnen. Da gab es noch sehr viele manuell bediente Schranken verschiedener Bauformen. Alle komplett mit Seilzügen über die Ablenkrollen. Diese Bauart mit Ketten über den Rollen hatten wir nicht mehr. Davon haben uns nur die älteren Kollegen erzählt. Hätten Sie eventuell diese zwei Bilder von dieser mir unbekannten Schranke für mich? Nostalgisch erinnert zu werden ist auch schön für mich.“
Herr Tabbert, mein Kollege hat die Bilder vor Ort gemacht, die im entsprechenden Artikel auf unserer Website veröffentlicht wurden. Dort können Sie diese sehen und auch herunterladen. Andere Fotos haben wir leider nicht.
Joachim Thiel aus Wuppertal geht auf unseren Bericht über den tragischen Brand in einer Gaststätte in der nordböhmischen Stadt Most ein. Das Unglück forderte Anfang Januar sieben Menschenleben:
„Die Meldung über den Gasunfall eines Heizpilzes im Außenbereich eines Restaurants finde ich sehr tragisch, besonders weil das überall geschehen könnte. Ich kenne noch die gebrauchten Blecheimer, die damals mit glühender Holzkohle gefüllt wurden und dann, unter den Tischen platziert, auch gute Wärme verbreiteten.“
Erster Detektiv der tschechischen Krimiliteratur
Im Dezember ging die zweite Staffel unserer Serie „Sechsmal Tschechien“ zu Ende. Beate Hansen aus Wiesbaden schreibt dazu:
„Schon die erste Staffel von ‚Sechsmal Tschechien‘ fand ich prima, und nun habe ich mir die sechs Folgen der zweiten Staffel in den letzten Tagen hintereinander angehört. Auch die fand ich wieder super – interessante Themen, umfassend beleuchtet und spannend präsentiert. Das hilft ungemein beim Verständnis der Entwicklungen in unserem schönen Nachbarland. Ganz herzlichen Dank dafür!“
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Uwe Meinhold aus Hamm dankt für den Bericht über Kriminalität in der Zeit der Habsburger Monarchie, den wir in der Sendereihe „Spaziergang durch Prag“ ausgestrahlt haben:
„Frech, wie ich bin, erinnere Sie noch einmal an meinen Wunsch, etwas über die Krimiliteraturszene in Praha und der Republik zu erfahren. Gibt es so jemanden wie Maigret oder Sherlock Holmes in Praha?“
Ein Pionier der tschechischen Kriminalliteratur war der Schriftsteller und Journalist Emil Vachek. In der Zeit der Ersten Tschechoslowakischen Republik schrieb er eine Reihe Kriminalromane und schuf auch den ersten Detektiv der tschechischen Literatur. Inspektor Klubíčko, später ein Kommissar und schließlich der Leiter der Sicherheitsabteilung tauchte erstmals 1928 in dem Roman „Tajemství obrazárny“ (Das Geheimnis der Bildergalerie) auf. Klubíčko (auf deutsch Knäulchen) ist ein Junggeselle, ein weiser und erfahrener Mann. Er trägt gute Kleidung, raucht Pfeife und teure Zigarren, trinkt feinen Cognac, mag guten Kaffee und liebt Bücher, hat aber auch Sinn für Humor und einen scharfen analytischen Verstand. Allerdings muss eingeräumt werden, dass seine Kollegen wie Holmes, Maigret oder Poirot, ebenso wie deren Autoren Doyle, Simenon und Christie auch hierzulande bekannter sind als Vachek und Klubíčko. Populärer als der erste tschechische Detektiv ist der Kriminalrat Karel Vacátko, Hauptfigur der Krimierzählungen von Jiří Marek. Die Popularität von Rat Vacátko geht allerdings vor allem auf die Verfilmung der Geschichten in der TV-Serie Hříšní lidé města pražského (Sündige Menschen der Stadt Prag) aus dem Jahr 1968 zurück.
Danke, Herr Meinhold, für Ihre Mahnung bezüglich der tschechischen Krimiliteratur. Wir haben dieses Thema weiter auf dem Schirm.
Und damit verabschieden wir uns für heute. Schreiben Sie uns bitte weiter an Radio Prag International, deutschsprachige Redaktion, Vinohradská 12, 120 99 Prag 2, Tschechische Republik oder per E-Mail an [email protected].













