Immer mehr Frauen wollen zur Berufsarmee

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Immer mehr junge Leute möchten an der Militärakademie im südmährischen Vyskov studieren. Zu dieser Feststellung gelangte die Hochschulleitung unmittelbar nach den Tagen der offenen Tür, die Anfang dieser Woche in Vyskov stattfanden . Über siebenhundert Interessenten besuchten die Akademie aus diesem Anlass - und was vielleicht erstaunt - ein Drittel von ihnen war weiblich. Über die Chancen der Frauen bei dieser Militärausbildung berichtet Daniela Kralova.

An allen drei Fakultäten der Militärakademie in Vyskov studieren auch Frauen. In manchen Fachrichtungen ist ihre Anzahl gering, bei anderen Bereichen erreicht sie aber bis zu einem Drittel. Insgesamt bereiten sich derzeit etwa 180 Frauen und knapp 900 Männer in Vyskov auf die Militärlaufbahn vor. Wir fragten den Prorektor der Hochschule, Alexander Sikora, für welche Fachrichtungen sich die Frauen am häufigsten entscheiden:

"Die größte Anzahl von Frauen bewirbt sich für Fachrichtungen mit Stabscharakter, denn sie ahnen, dass sie dort die besten Berufschancen haben. Dazu gehören Archivdienste, Kartographie oder Geodesie. Das sind die beliebtesten Fächer, weil dort die Frauen sozusagen nicht in den vorderen Reihen eingesetzt werden. Einen relativ hohen Frauenanteil gibt es aber auch in Fächern wie Militärtransport oder Telekommunikationssysteme."

Diese Aufzählung macht deutlich, dass die Frauen bisher offenbar nur manche Fachrichtungen, die sich eher auf administrative Dienste beschränken, wählten. Und einige andere Fächer standen ihnen bisher gar nicht offen. Diese Situation wird sich aber bald ändern: Im Zuge der Anpassung an die europäische Legislative wurde eine Gesetzesnovelle verabschiedet, die jegliche Diskriminierung aufgrund von Rasse, Hautfarbe oder Geschlecht verbietet. Diese Novelle wird sich noch in diesem Jahr auch auf das Ausbildungssystem der Militärakademie in Vyskov auswirken. Wie, fragten wir ihren Prorektor Alexander Sikora:

"Dieses Jahr gehen wir zum ersten mal davon aus, dass sich die Frauen auch für das Fach Militärflugzeugspilot bewerben werden. Sie werden das gleiche Bewerbungsverfahren absolvieren müssen wie Männer, der einzige Unterschied wird darin bestehen, dass für die Überprüfung der physischen Kondition andere Normen gelten. Andere Teile, wie theoretische, psychotechnische und Gesundheitstests werden für Männer und Frauen gleich sein. Die Aufnahme wird aber für alle schwer sein: Für dieses Fach bewarben sich bisher jährlich an die 200 Hundert Männer und es konnten immer nur etwa zwanzig ihr Studium antreten."

Das Interesse der Frauen am Militärstudium wächst. Wie dieser Trend zu erklären ist, sagte uns Alexander Sikora:

"Ich glaube, dass das Interesse parallel zu den Berufschancen für Frauen beim Militär wächst. Außerdem ändert sich die gesellschaftliche Akzeptanz für Frauen in der Armee. Man betrachtet es nicht mehr als unnormal, wenn eine Frau diese Laufbahn anstrebt. Und schließlich wird dieser Beruf für die Frauen auch deshalb immer attraktiver, weil die Gehälter genauso hoch sind wie die der Männer, und das ist in anderen Bereichen nur selten der Fall."

Für die Gleichberechtigung von Frauen bei der Berufsarmee wurden also in der Tschechischen Republik die ersten Grundsteine gelegt. Ob sie aber je in die Praxis umgesetzt wird, wird man erst in den nächsten Jahren sehen.

Autor: Daniela Kralova
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