Ing. Sobr: Militärische Übungen mit B-Waffen sind eine Fehlinformation!

Vladimir Spidla, George Bush, Foto: CTK

Bei den zahlreichen Gesprächen und Begegnungen, die im Rahmen des NATO-Gipfels in Prag stattfinden, wird auch so manche Halbwahrheit und Fehlinformation in die Welt gesetzt. So wurde kolportiert, dass im Zusammenhang mit dem vom tschechischen Premier Vladimír Spidla an US-Präsident George W. Bush gemachten Angebot, in Tschechien den NATO-Befehlsstab für die Streitkräfte zur Abwehr von ABC-Waffen zu stationieren, bei den Einwohnern der mährischen Stadt Vyskov großer Unmut ausgelöst worden sei. Lothar Martin ist der Sache nachgegangen, hier sein Bericht.

Vladimir Spidla, George Bush, Foto: CTK
Das nur einige Dutzend Kilometer östlich von Brno/Brünn gelegene Vyskov beherbergt seit Jahr und Tag sowohl eine Militärakademie als auch eine Armeekaserne, die inzwischen zu einem Übungszentrum von Chemiewaffenspezialisten ausgebaut werden soll. Letzterer Fakt hat nicht nur für Verwirrung, sondern auch zeitweilig für Missstimmung unter der Bevölkerung von Vyskov gesorgt. Der Grund: Einschlägige Medien - in militärischen Angelegenheiten zumeist grob uninformiert - hatten teilweise Horrorszenarien an die Wand gemalt, was den Umgang mit den hier verwendeten chemischen und angeblich auch bakteriologischen Kampfstoffen anbelangt. Für Entwarnung und Aufklärung zugleich sorgte u.a. Ing. Milan Sobr von der militärtechnischen Schutzbehörde in Brno/Brünn, der Radio Prag gegenüber erklärte:

"Also zunächst einmal: Es handelt sich um keinerlei bakteriologische Waffen, die hier angeblich zum Einsatz kommen. Es ist vielmehr ein Übungsgelände für die Ausbildung zur Abwehr von chemischen Kampfstoffen. Auf keinen Fall wird dort mit bakteriologischen Stoffen gearbeitet und schon gar nicht mit Waffen! Das trifft auch auf die chemischen Stoffe zu. Bei Vyskov wird lediglich die Ausbildung von Chemiewaffenspezialisten auf dem Gebiet des Aufspürens, der Identifizierung und der Abnahme von chemisch infizierten Stoffen sowie der Dekontaminierung durchgeführt. Viele benutzen den Begriff, dass mit chemischen Waffen geprobt wird, aber das ist eine Fehlinformation."

Dank der eindeutigen Aufklärung hat sich die Stimmung unter den Einwohnern von Vyskov inzwischen merklich beruhigt. Das wurde uns auch vom Bürgermeister der Stadt, Petr Hájek, bestätigt:

"Die Stimmung hat sich beruhigt. Deren Anheizung war, wie ich schon sagte, durch einen Artikel in der Tageszeitung ´Lidové noviny´ hervorgerufen worden. In diesem Blatt war zu dem Thema sehr sensationsorientiert berichtet worden. Sämtliche Untersuchungen, die durchgeführt wurden, haben vielmehr gezeigt, dass bei den Übungen in der Tat sehr kleine, in Milligramm gemessene chemische Stoffe verwendet werden, die in dieser Form möglicherweise auch in anderen Übungsgebieten zum Einsatz kommen. Und das hat schon niemanden mehr erschreckt."

Im Gegenteil, wie uns Bürgermeister Hájek versicherte, sind die meisten Einwohner von Vyskov letztendlich froh darüber, dass in ihrer Stadt ein Militärobjekt mit großer Perspektive zu Hause ist. Das wird nämlich nicht wenigen von ihnen auf lange Sicht feste Arbeitsplätze auf dem zivilen Sektor schaffen. Zudem werde auch das geschäftliche Leben in der Stadt florieren, meinte Hájek.