Jugendlicher Kufenflitzer: Tschechiens Olympia-Medaillenhoffnung Metoděj Jílek

Die Eisschnellläufer Martina Sáblíková, Metoděj Jílek und Nikola Zdráhalová vor ihrem Abflug zu den Olympischen Spielen

Er ist der Shootingstar des tschechischen Sports: der Eisschnellläufer Metoděj Jílek. Mit nur 19 Jahren hat er in dieser Saison seine ersten Weltcupsiege eingefahren und schließlich sogar die Langstrecken-Weltcup-Gesamtwertung gewonnen. Damit avanciert Jílek zu einer der größten Medaillenhoffnungen für Tschechien bei den Olympischen Spielen, die am Freitag feierlich eröffnet werden.

Metoděj Jílek | Foto: IMAGO via  Reuters Connect

Inzell in Bayern: In einem geschichtsträchtigen Rennen sichert sich der Eisschnellläufer Metoděj Jílek vor knapp zwei Wochen den Gesamtweltcup auf den Langstrecken. Dafür reicht ihm ein zweiter Platz beim Fabelweltrekord seines Konkurrenten Sander Eitrem aus Norwegen über 5000 Meter. Dieser blieb erstmals unter sechs Minuten auf dieser Distanz. Jílek wiederum stellt einen neuen Landesrekord auf. Tags darauf wird der 19-jährige Nachwuchsstar auch noch Sieger im Massenstartrennen von Inzell. Anschließend sagt er:

„Für mich sind die Olympischen Spiele das Hauptziel in dieser Saison. Alles andere ist ein Nebenprodukt. Natürlich bin ich froh darüber, und ich kann eine weitere Sache abhaken. Das hier ist eines der Dinge, die ich gewinnen kann, und das ist mir gelungen. Und das macht mich glücklich.“

Metoděj Jílek hat drei Weltcuprennen in dieser Saison für sich entschieden – neben dem Massenstart in Inzell waren dies die 10.000 Meter im niederländischen Heerenveen und die 5000 Meter im norwegischen Hamar. Er ist der erste männliche Eisschnellläufer aus Tschechien, der im Langstrecken-Gesamtweltcup triumphiert hat. Damit tritt er in die Fußstapfen von Martina Sablíková, der dies bei den Frauen mehrfach gelungen ist und für die es in Mailand und Cortina d’Ampezzo die letzten Olympischen Spiele sein werden. Schon jetzt lässt sich sagen, dass Jílek von seinem Leistungsvermögen her wohl der tschechische Olympionike mit den größten Medaillenchancen sein dürfte.

Metoděj Jílek und Martina Sáblíková | Foto: Mária Sváčková,  CNC/Profimedia

Karrierestart auf Inlinern

Jíleks sportlicher Aufstieg begann schon früh, aber nicht auf Eis. Denn seit seinem fünften Lebensjahr habe er zunächst Inline-Skating betrieben, schilderte der gebürtige Prager in einem längeren Interview für den Sportsender des Tschechischen Rundfunks:

„Eines Tages waren meine Eltern und ich beim Inline-Skaten auf der Bahn in Běchovice. Dort trafen wir eine Trainerin, die mich in den Eisschnelllaufverein einlud. Es war also eher ein Zufall, seitdem bin ich aber auch auf Schlittschuhen unterwegs.“

Metoděj Jílek | Foto: Kaname Muto,  ČTK/AP

Ansonsten sei er auch Abfahrtsskirennen gefahren und habe weitere Sportarten wie etwa Jiu-Jitsu betrieben, sagt Jílek.

„Zum Eisschnelllaufen bin ich allerdings erst gekommen, als ich schon 14 oder 15 Jahre alt war. Es begann mit Eishockey-Schlittschuhen auf Stadioneis, dann waren es Shorttrack-Schlittschuhe. Als ich dann etwas älter war und mehr Zeit hatte, konnte ich auch nach Deutschland oder Polen fahren, wo ich auf dem Eisoval Langstrecken gelaufen bin“, so der Olympionike.

Dennoch fährt Metoděj Jílek auch weiter auf den Inlinern. 2024 holte er bei der Junioren-WM in diesem Sport im italienischen Pescara gleich fünfmal Gold und einmal Silber. Doch derzeit haben die Schlittschuhe die herausragende Rolle bei ihm übernommen…

„Das trifft auf die aktuelle Saison zu, weil eben die Olympischen Spiele stattfinden. Und genau darauf habe ich mich konzentriert. Aber für die Zukunft möchte ich beide Sportarten halbe-halbe aufteilen, denn Inline-Skaten ist einfach meine Leidenschaft“, gesteht Jílek.

Dabei weiß er, dass es viele Eisschnelllauftrainer gar nicht gerne sehen, wenn ihre Schützlinge auf Inlinern unterwegs sind – weil die Bewegungsabläufe anders seien und dies ihrer Meinung nach den Schlittschuhstil negativ beeinflusse.

Warum aber also Eisschnelllauf?

„Jeder Sportler träumt von Olympia oder davon, dort Gold zu holen. Das war bei mir nicht anders. Und die beste Möglichkeit für mich war der Eisschnelllauf, weil es einfach dem Inline-Skaten am ähnlichsten ist. Eigentlich wählen alle Inliner, die zu den Olympischen Spielen wollen, eben diesen Weg. Deswegen war auch für mich die Wahl eindeutig“, so der Sportler.

Metoděj Jílek | Foto: Andre Weening,  ČTK / imago sportfotodienst

Geisingen und Inzell

Jíleks kometenhafter Aufstieg in dieser Saison geht aber nicht nur auf sein großes Talent zurück, sondern auch auf die Unterstützung durch ein hervorragendes Team. Im vergangenen Jahr schloss sich der Tscheche einer internationalen Trainingsgruppe an. Diese wird vom Coach Kalon Dobbin aus Neuseeland geleitet. Ihn kannte Jílek schon von seinem internationalen Inline-Skate-Team Arena Geisingen, das in der gleichnamigen badischen Stadt angesiedelt ist. Das heißt, zum Training fährt Metoděj Jílek häufig nach Deutschland – entweder nach Geisingen oder ins Eisoval nach Inzell.

Apropos Training. Da verhält sich der Prager trotz seiner jungen Jahre bereits wie ein Profi. So zieht selbst sein um fünf Jahre älterer Nationalmannschaftskollege Tomáš Bohumský den Hut vor Jílek:

Metoděj Jílek | Foto: Petr Kadeřábek,  Tschechischer Rundfunk

„Für mich ist es sehr inspirierend, Metoděj im Training zu beobachten. Und nicht nur dort, sondern auch in seinem Alltag. Er baut auf gesunde Ernährung, und er gibt in jeder Trainingseinheit immer alles. Die Coaches müssen ihn eher bremsen. Ich hoffe, dass diese jugendliche Frische und das Draufgängertum ihm erhalten bleiben. Er möchte vor allem jeden Tag besser werden.“

Metoděj Jílek selbst dankt seinen derzeitigen Erfolg aber vor allem seinen Eltern. So sagt er:

„Sie haben mich von Anfang an an den Sport herangeführt. Ohne sie wäre ich nicht hier. Sie unterstützen mich die ganze Zeit, und das ganz gewaltig. Sie und die Trainerin, die mich entdeckt hat, verdienen die größte Anerkennung.“

Seine Mutter, Pavlína Jílková, ist indes sehr stolz auf das, was ihrem Sohn in so kurzer Zeit gelungen ist.

„Immer wenn sich Metoděj ein Ziel setzt, dann erreicht es auch. Zuerst habe ich das selbst nicht geglaubt, aber mittlerweile schon. Bei allem, was er mir sagt, denke ich, dass es unglaublich sein wird“, so Jílková.

Und die Eltern begleiten ihren Sohn auch bei Olympia in Italien. Vater Ondřej Jílek ergänzt, dass er sicher sehr aufgeregt sein werde bei den Rennen im Eisschnelllaufstadion von Mailand:

„Ich werde versuchen müssen, mich zu beruhigen. Aber es wird schwer sein, den Pulsschlag zu beeinflussen, wenn Metoděj sein Rennen läuft. Für mich wird das ein riesiges Erlebnis sein. Mir ist immer noch nicht so ganz bewusst geworden, was er da geleistet hat. Da kann ich nur den Hut ziehen und bin wahnsinnig stolz auf ihn.“

Für Metoděj Jílek startet die Mission Olympische Spiele am Sonntag, und zwar gleich mit einer seiner Paradedisziplinen: dem Rennen über 5000 Meter. Zum tschechischen Team gehören ansonsten noch die dreifache Olympiasiegerin Martina Sáblíková, die mit 38 Jahren ihre letzte Saison bestreitet. Und die Dritte im Bunde ist Nikola Zdráhalová.

Die Eisschnellläuferinnen Martina Sáblíková  (links) und Nikola Zdráhalová mit Trainer Petr Novák | Foto: Ivana Roháčková,  Tschechischer Rundfunk
Autor: Till Janzer | Quelle: Český rozhlas
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