Kaiser Franz Joseph I. und Schloss Zákupy

Schloss Zákupy (Foto: Martina Schneibergová)

Schloss Zákupy / Reichstadt liegt etwa acht Kilometer östlich von Česká Lípa / Böhmisch Leipa in Nordböhmen. Jahrzehnte lang diente Zákupy als Sommerresidenz der Habsburger. Auch Franz Joseph I. hat das Schloss einige Male besucht. Der Kaiser starb am 21. November 1916. Anlässlich seines 100. Todestags wurden am vergangenen Wochenende Sonderführungen durch die Residenz veranstaltet.

Marktplatz in Zákupy  (Foto: Martina Schneibergová)
Vom Bahnhof in Zákupy sind es zum Schloss zu Fuß etwa 20 Minuten. Noch vor dem Marktplatz kommt man am Schlosspark vorbei. Im Winter ist er jedoch geschlossen. Auf die Idee, Führungen auf den Spuren von Franz Joseph I. und seiner Familie organisieren, kam der Kastellan von Zákupy, Petr Weiss. Er hat die Dauerausstellung vorübergehend um Dokumente und Fotografien zum Leben des österreichischen Kaisers ergänzt. Mit einem schweren Schlüsselbund in der Hand öffnet er das erste Gemach.

Der Kastellan macht auf einige Artefakte aufmerksam. Dazu gehört die Büste von Kaiser Franz I., also Franz Josephs Großvater. Zu sehen sind auch einige Bilder:

Franz Joseph I.  (Foto: Martina Schneibergová)
„Im Kindesalter hat Franz Joseph I. mit Begabung gezeichnet und gemalt. Wir zeigen hier die Kopie eines Gemäldes von ihm. Das Originalbild befindet sich in Wien. Zudem ist der kleine Franz Joseph auch auf einigen Bildern zu sehen: Auf einem ist er als Baby mit seiner Mutter abgebildet, auf einem anderen ist er als kleiner Junge mit einer Militärtrommel zu sehen. Bei der Erziehung hat sich alles auf seine spätere Karriere konzentriert.“

Verlorenes Gemälde wiedergefunden

Zákupy gehörte seit 1847 dem Kaiser von Österreich und König von Böhmen, Ferdinand dem Gütigen. Dieser entschied sich aber nach den revolutionären Ereignissen von 1848, die Führung der Monarchie abzugeben. Am 2. Dezember legte der kinderlose Kaiser im mährischen Olomouc / Olmütz die Regierungsgeschäfte zugunsten seines Neffen Franz Joseph nieder. Großen Einfluss auf Ferdinands Entscheidung habe dessen Frau Maria Anna von Savoyen gehabt, erzählt Petr Weiss:

Petr Weiss  (Foto: Martina Schneibergová)
„Nach der Übergabe der Regierungsgeschäfte lebte sie gemeinsam mit Ferdinand auf der Prager Burg und begleitete ihn auch bei seinen Sommeraufenthalten auf Zákupy. Das Schloss wurde ab Ende 1850 innerhalb von drei Monaten neu gestaltet. Seitdem verbrachten Ferdinand und seine Frau Maria Anna jeden Sommer auf Zákupy und zum Teil auch auf Schloss Ploskovice. Wir zeigen hier die Kopie eines Bildes, auf dem die Regierungsübergabe an Franz Joseph I. dargestellt ist. Das Originalgemälde entstand für das Erzbischöfliche Palais in Olmütz, jahrelang galt es aber als verschwunden. Erst vergangenes Jahr wurde das Bild in Opava wieder gefunden und in dieser Saison im Erzbischöflichen Palais in Olmütz ausgestellt.“

Franz Joseph I. war verheiratet mit Elisabeth, genannt Sissi. Die Hochzeit der beiden ist das Thema einer kleinen Sammlung von Fotografien und Graphiken in einem der Schlosszimmer.

Franz Joseph I. und Sissi  (Foto: Martina Schneibergová)
„Auf dem Bild links ist zu sehen, wie die Braut in einer goldenen Kutsche in Wien ankommt. Dann folgt ein Bild der Trauung. Und die Porträts der Neuvermählten befinden sich in den zwei Medaillons mit Goldrahmen.“

Franz Joseph trifft Zar Alexander

Nach dem Tod seines Onkels Ferdinand I. im Jahr 1875 erbte Franz Joseph I. das Schloss Zákupy. Besucht hat er die Residenz insgesamt dreimal. Petr Weiss:

Schloss Zákupy  (Foto: Martina Schneibergová)
„Zum ersten Mal kam er 1860 auf der Rückreise von Teplice nach Zákupy. Das war noch zu Lebzeiten seines Onkels Ferdinand. Franz Joseph verbrachte nur einen Nachmittag hier. Der zweite Besuch fand 1876 statt – also kurz nach Ferdinands Tod. Der Kaiser hatte in Zákupy ein Sondertreffen mit dem russischen Zar Alexander II. organisiert. Die beiden Herrscher führten im hiesigen Billardsaal Gespräche über die angespannte Lage auf dem Balkan. Der letzte Besuch von Franz Joseph I. war 1899. Damals fanden in der Gegend hier große Militärmanöver statt.“

Zu den Manövern kam auch Thronfolger Franz Ferdinand in die Stadt. Ein Jahr später feierte er in der Schlosskapelle in Zákupy die Hochzeit mit Sophie Gräfin Chotek. Franz Ferdinand übernachtete während der Militärmanöver in Česká Lípa. Kaiser Franz Joseph wohnte in jenem Gemach, das zuvor seinem Onkel Ferdinand gehört hatte.

Foto: Martina Schneibergová
„Aus dieser Zeit gibt es zwei Fotografien, die im Schlosszimmer hängen. Der Kaiser kam damals mit dem Zug. Am Bahnhof stieg er in eine Kutsche um und fuhr über den Markplatz zum Schloss. Auf den Fotos sind die Bewohner der Stadt sowie die hiesigen Politiker zu sehen, die dem Kaiser zuwinken. Zwei weitere Fotos haben wir erst vor kurzem von einem Privatsammler erhalten. Es ist phantastisch, dass sich noch nach mehr als 100 Jahren derartige Schätze finden. Diese Fotos wurden am selben Tag wie die beiden anderen geschossen. Sie zeigen die feierliche Begrüßung des Kaisers im ersten Schlosshof.“

Um halb vier aus den Federn - Frühaufsteher Franz Joseph

Foto: Martina Schneibergová
In einem der Gästezimmer erinnern einige Gegenstände an die Gewohnheiten des Kaisers. Franz Joseph I. war kerngesund. Dies schrieben die Ärzte unter anderem seinem regelmäßigen Tagesablauf zu, erzählt Petr Weiss:

„Er ließ sich sein ganzes Leben lang um halb vier Uhr morgens von seinem Kammerdiener wecken. Im Winter stand er eine Stunde später auf. Dann folgte die Morgenhygiene. Bis zu seiner Hochzeit mit Elisabeth hatten die kaiserlichen Residenzen keinerlei moderne Ausstattung. Es gab weder fließendes Wasser, noch Spültoiletten. Auf dem Nachttisch standen in der Regel – wie hier im Schlosszimmer – ein Lavabo und ein Porzellankrug sowie eine Dose für die Zahnbürsten. Kaiserin Elisabeth setzte die Einrichtung moderner Badezimmer durch. Franz Joseph war jedoch an ein spartanisches Leben gewöhnt.“

Foto: Martina Schneibergová
Der Frühaufsteher Franz Joseph I. arbeitete dem Kastellan zufolge sehr fleißig, da er sich für den ersten Beamten seines Staates hielt:

„Der Kaiser hat auch am Arbeitstisch gefrühstückt. Zum Frühstück gab es immer dasselbe: Kaffee und Semmeln mit Butter und Schinken. Bis heute wird mit ‚kaiserka‘ im Tschechischen umgangssprachlich die Semmel bezeichnet. Auf dem Tisch des hiesigen Arbeitszimmers steht ein weißgrünes Porzellanservice. Es ist 1854 für Ferdinand I. hergestellt worden. Verziert ist es mit einer kleinen Kaiserkrone und dem Buchstaben F für den Namen des Kaisers.“

Kronprinz Rudolf auf der Vogeljagd

Kronprinz Rudolf
Nicht nur Kaiser Franz Joseph I., sondern auch sein einziger Sohn, Kronprinz Rudolf, besuchte Schloss Zákupy. Daher hängen auch Porträts von Rudolf und seiner Frau Stephanie von Belgien in der Residenz.

„Die Originaltapeten in diesem Raum stammen nicht aus der Zeit von Kaiser Ferdinand. Es sind Neorenaissancetapeten. Sie stammen aus der Zeit, als sich hier Kronprinz Rudolf und seine Frau aufhielten. Rudolf leistete Militärdienst beim Infanterieregiment Nr. 36 in Prag. Im Sommer besuchte er Zákupy und nahm an Jagden auch in den Revieren der Umgebung teil. Die Grafen Waldstein hielten es beispielsweise für eine Ehre, dem Kronprinzen zu ermöglichen, am ‚Großen See‘ – heute Mácha-See – Wasservögel zu jagen.“

Das einzige, was in der Gegend noch an das Paar erinnert, ist der Aussichtsturm Štěpánka, der nach Rudolfs Frau Stephanie benannt wurde. Er wurde 1885 auf dem Berg Špičák / Spitzberg bei Česká Lípa erbaut. Das Paar besuchte 1883 zum letzten Mal Zákupy. Damals wohnten sie nicht im Schloss, sondern im kaiserlichen Forsthaus in Boreček / Haidedörfel. Das Forsthaus steht bis heute.

Schloss Zákupy ist von Mai bis September täglich geöffnet, und zwar von 9 bis 16 Uhr. Im April und im Oktober ist es nur am Wochenende von 9 bis 15 Uhr zugänglich. An den Adventwochenenden werden allerdings Sonderführungen unter dem Titel „Kaiserliche Weihnachten“ organisiert.

Kastellan Petr Weiss war über das große Interesse für die Sonderführungen auf Franz Josephs Spuren angenehm überrascht. Es hätten sich schon eine Woche zuvor Interessenten aus ganz Tschechien gemeldet. Das Schloss ist auch mit dem Thronfolgerpaar Franz Ferdinand und Sophie Chotek verbunden. 2014, also 100 Jahre nach dem Attentat von Sarajevo, wurde daher auch hier an die beiden erinnert. Petr Weiss:

„Man kann sagen, dass das Interesse der Besucher aus den deutschsprachigen Ländern für Zákupy seit 2014 gestiegen ist. Es kommen seitdem im Sommer immer Reisegruppen aus Österreich. Das freut uns sehr.“

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