Karlsbad: Ein Filmfestival prägt eine Stadt

Foto: Kateřina Veselá

Die Kristallgloben sind verteilt, die Besucher sind abgereist, der 48. Jahrgang des Internationalen Filmfestivals Karlsbad / Karlovy Vary ist Geschichte. Nach den hektischen Festivaltagen ist in dem westböhmischen Kurort auch für die Einwohner wieder Ruhe eingekehrt. Welche Auswirkungen hat das große Festival auf die kleine Stadt Karlsbad? Kateřina Veselá hat sich umgehört.

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Der Lärm des Festivalalltags ist verpufft, an seiner Stelle hört man nun wieder das Rauschen des Wassers aus den Heilquellen. Für manche Bewohner Karlsbads womöglich eine Erleichterung. Im Großen und Ganzen jedoch empfinden die Einheimischen das Festival als Bereicherung. Etwa dieser Student, der im Zentrum der Kurstadt lebt:

„Meine Beziehung zum Festival ist eindeutig positiv. Ich freue mich immer wieder, wenn meine Freunde zu Besuch kommen, und ich ihnen Plätze zeigen kann, die andere Gäste nicht zu sehen bekommen. Aber klar, man freut sich dann auch, wenn man nachher wieder seine Ruhe hat. Das Festival ist einfach eine willkommene Abwechslung. Ich habe allerdings den Eindruck, dass es jedes Jahr weniger Angebote für die Menschen gibt, die hier herkommen. Es gibt immer weniger Klubs und Partys, und es wird immer schwieriger, abseits des Festivals Unterhaltung zu finden.“

Foto: Kateřina Veselá
Auf der mittlerweile halb leeren Kolonnade kann man verschiedene Meinungen hören. Eine Verkäuferin aus dem nahe gelegenen Sokolov / Falkenau wünscht sich eine bessere Reinigung der Stadt und ihrer Umgebung:

„Ich habe bemerkt, dass hier viele Plastikflaschen in den Fluss oder auch in Wald geworfen werden. Das ist nicht gut.“

Die meisten Bewohner Karlsbads sind jedoch glücklich, dass das Festival vor ihrer Haustüre stattfindet. Auch für diese Schmuckverkäuferin auf der Kolonnade ist die Veranstaltung immer wieder ein Erlebnis.

Foto: Kateřina Veselá
„Jedes Jahr um diese Zeit erstrahlt Karlsbad in festlichem Glanz. Es ist toll, dass sich diese Tradition hier verankert hat, dass die Stadt schon seit Jahren eine Stätte der Kultur ist. Ich selbst besuche das Festival nicht mehr, aber ich wohne nahe beim Hotel Thermal und sehe alles aus dem Fenster. Ganz zufällig kann man auch auf der Straße Schauspielern begegnen, die man zwar aus Filmen kennt, aber wenn man sie als lebendige Menschen sieht, dann bekommt man einen noch besseren Eindruck.“

Das Festival bringt auch Jobs in die Stadt, wenn auch meist nur für kurze Zeit. Vor allem viele Jugendliche freuen sich über Arbeit in der ersten Ferienwoche und ein paar zusätzliche Kronen für die Urlaubskasse. Für die meisten Senioren hingegen bringen die Festivaltage keine großen Veränderungen.

Grandhotel Pupp (Foto: Kateřina Veselá)
„Sie sehen ja, ich bin schon alt und kann nur noch mit dem Stock gehen. Das Festival kann ich nicht mehr besuchen“, sagt eine Dame auf der Kurkolonnade.

Die Zahl der Menschen in Karlsbad verdreifacht sich während der Festivaltage, doch auch das normale Leben geht hier seinen Gang. Begeisterte Besucher gehören zum Erfolg ebenso dazu wie zufriedene Bewohner, die stolz sind auf ihr Festival – und auf ihre kleine Stadt, die einmal pro Jahr zum Mekka der Filmwelt wird.