Kinder in Beirut können dank tschechischer Hilfe wieder sicher spielen

Vor rund 15 Monaten, am 4. August 2020, erschütterte eine gewaltige Detonation im Beiruter Hafen die libanesische Hauptstadt. 2750 Tonnen Ammoniumnitrat flogen in die Luft, die Explosion verwüstete den Hafen und mehrere Viertel Beiruts bis zur Unkenntlichkeit. Über 200 Menschen starben bei dem Unglück und rund 6500 weitere wurden verletzt. Viele Länder helfen seitdem dem Libanon, die größte Not zu überwinden.

Eines der stark zerstörten Stadtviertel in Beirut heißt Karantína. Es gehört zu den sozialen Brennpunkten in der Mittelmeerstadt, sagt Jeanne Frangieh. Sie ist die Chefin der libanesischen NGO HDA:

„Die sozialökonomische Lage in diesem Viertel ist schlecht. Nach der Explosion war es total zerstört, und die hiesigen Einwohner sind eine sehr verletzliche Gruppe. Deshalb war es wichtig, hier für die Kinder einen sicheren Raum zu schaffen, an den sie gehen und auch spielen können.“

Foto: Štěpán Macháček,  Tschechischer Rundfunk

Ihre Organisation helfe den Armen des Viertels, ergänzt Frangieh und schildert gegenüber dem Auslandskorrespondenten des Tschechischen Rundfunks, was bei der Detonation hier alles zu Bruch gegangen war. So wurden unter anderem alle öffentlichen Einrichtungen zerstört, deswegen wurde jede Hilfe aus dem Ausland dankend angenommen. Und heute verweist Frangieh mit Stolz darauf, dass im Rahmen eines Projekts unter anderem Rutschen für die Kinder, Terrassen und eine Bibliothek in einem früheren Garten errichtet wurden. Dazu erläutert der tschechische Botschafter im Libanon, Jiří Doležel:

„Es ist ein Projekt im Umfang von rund 20.000 Dollar. Es gehört zu den sogenannten kleinen Projekten auf lokaler Ebene, die das tschechische Außenministerium im Rahmen der Entwicklungs- und humanitären Hilfe gewährleistet. Aus diesem Fonds werden weltweit bis zu 100 Vorhaben unterstützt.“

Botschafter Doležel verrät zudem, weshalb die Wahl gerade auf den Ortsteil Karantína fiel:

„In diesem Viertel nahe dem Hafen gibt es ansonsten kaum Möglichkeiten, dass Kinder mit ihren Eltern vor Ort zusammenkommen und sicher spielen können.“

Unglück in Beirut | Foto: USAR / HZS ČR

Seit dem großen Unglück vor 15 Monaten beobachtet der Botschafter die Entwicklung in Beirut mit besonders wachen Augen. Gern würde er noch etwas mehr helfen, denn auch ihm gehen die Arbeiten zum Wiederaufbau der zerstörten Stadtteile zu langsam voran:

„Mir kommt es so vor, als ob sich nichts bewegt. Sämtliche Anstrengungen gelten der beschleunigten Erneuerung und Wiederinbetriebnahme des Hafens. Schließlich ist er ein neuralgischer Punkt, über den sämtliche Waren in das Land kommen.“

Weil der Hafen noch nicht wieder schiffbar ist, wird ein Großteil der Importe über die Luft abgewickelt. Einige davon kommen auch aus Tschechien. Erst zu Ende September brachte eine Militärmaschine sechs Tonnen Lebensmittel in den Libanon. Die Lieferung war ein Bestandteil der humanitären Spenden für das Land im Nahen Osten. Nichtsdestotrotz werden im geschundenen Libanon noch andere Wünsche laut, besonders bei den Kindern. So äußert der kleine Omar aus dem Karantína-Viertel gegenüber dem Tschechischen Rundfunk:

„Ich möchte sehr gern nach Europa, mir Disneyland anschauen“, sagt Omar mit erwartungsfrohen Augen.

Autoren: Lothar Martin , Štěpán Macháček
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