Kommunistischer Justizmord an Geistlichen: Das Schicksal der Priester Jan Bula und Václav Drbola
Am Samstag werden Jan Bula und Václav Drbola bei einem Festgottesdienst in Brno seliggesprochen. Die beiden Priester wurden Anfang der 1950er Jahre nach einem Schauprozess von den Kommunisten hingerichtet.
Jan Bula und Václav Drbola waren katholische Priester der Diözese Brno / Brünn. Sie sind beide Anfang der 1950er Jahre Opfer eines Justizmordes geworden. Für Taten, die sie nie begingen, wurden sie in Schauprozessen verurteilt und 1951 beziehungsweise 1952 hingerichtet. Am 6. Juni werden Bula und Drbola bei einem Festgottesdienst in Brünn seliggesprochen.
Der ältere der beiden Priester, Václav Drbola, wurde 1912 in Starovičky in Südmähren geboren. Er sei in einer katholischen Familie aufgewachsen, erzählt Karel Orlita. Er ist Priester in der Brünner Diözese und Dichter. In den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks beschrieb Orlita das Schicksal dieses älteren Geistlichen.
„Die Familie musste sich sehr bemühen, um Václav Drbola ein Studium ermöglichen zu können. Nach dem Gymnasium war er im Priesterseminar in Brünn. 1938 wurde er zum Priester geweiht. Das war schon zu einer angespannten Zeit, als sich das Übel des Nationalsozialismus ausbreitete. Drbola war in einigen Orten als Seelsorger tätig, zum Schluss vor allem in Bučovice. Dort arbeitete er viel mit Jugendlichen zusammen. Er war in einigen Vereinen aktiv, darunter im Turnverein Orel.“
Jan Bula war jünger als Drbola. Er wurde 1920 in Lukov nahe der Stadt Moravské Budějovice geboren. Dort besuchte er das Gymnasium und begann danach, Theologie in Brünn zu studieren. Zwei Jahre verbrachte er jedoch – wie damals viele weitere Studenten – als Zwangsarbeiter in einer deutschen Keramikfabrik unweit von Znojmo. Erst danach beendete er sein Theologiestudium. Laut Zeitzeugen war Bula ein begabter Maler. Nach dem Krieg wurde er zum Priester geweiht und fing als Kaplan in Rokytnice nad Rokytnou an. Der junge Seelsorger war laut Karel Orlita sehr aktiv, organisierte Laientheater, nahm an Sportveranstaltungen teil und war bei den Bewohnern des Ortes ungemein beliebt. Als die starken Repressionen gegen die Kirche begannen, fiel die Aufmerksamkeit der Kommunisten auch auf den jungen Seelsorger. 1950 wurde ihm die Arbeit mit Jugendlichen verboten.
Erfundene Geschichte als Falle
Die Wege von Jan Bula und Václav Drbola hätten sich bald gekreuzt, sagt Karel Orlita und fährt fort:
„Damals spielten sich Ereignisse ab, die gegen die Kirche gerichtet waren. Der Druck auf die Gläubigen und ihre Verfolgung steigerten sich. Konkret handelte es sich um einen Fall, in dem die beiden Priester nacheinander um eine angebliche Hilfe für den damaligen Prager Erzbischof Josef Beran gebeten wurden. Bula wurde dafür im Februar 1951 von seinem ehemaligen Mitschüler Ladislav Malý in seinem Pfarramt besucht. Dieser erzählte Bula eine erfundene Geschichte darüber, dass es gelungen sei, den damaligen Prager Erzbischof Josef Beran zu befreien. Beran lebte damals unter Hausarrest an wechselnden unbekannten Orten. Malý behauptete, er organisiere Berans geheime Ausreise ins Ausland und suche nach einem Beichtvater für den Erzbischof. Bula vertraute Malý jedoch nicht und brach den Kontakt zu ihm ab. Zwei Tage später, am 30. April 1951, wurde Bula verhaftet. Im Mai desselben Jahres suchte Malý auch Václav Drbola auf. Malý behauptete, er arbeite für den US-amerikanischen Nachrichtendienst und erzählte dem anderen Priester dieselbe Legende über die angebliche Hilfe für Erzbischof Beran. Bald danach wurde auch Drbola verhaftet.“
Wie sich später zeigte, besuchte Ladislav Malý mehrere Personen in der Gegend von Třebíč, darunter Menschen, die sich am Widerstandskampf während des Zweiten Weltkriegs beteiligt hatten. Malý versuchte, sie zu Aktivitäten gegen kommunistische Funktionäre und Organisatoren der Kollektivierung der Landwirtschaft zu provozieren. Am 2. Juli 1951 organisierte Malý einen Überfall auf eine Sitzung des örtlichen Nationalausschusses in Babice, bei dem drei kommunistische Funktionäre erschossen wurden. Jan Bula saß zu der Zeit schon zwei Monate lang im Gefängnis, Václav Drbola war seit zwei Wochen hinter Gittern. Trotzdem wurden sie beide vom kommunistischen Regime mit dem Fall verbunden. Drbola wurde in einem Schauprozess zum Tod verurteilt und am 3. August 1951 hingerichtet. Der Schauprozess gegen Jan Bula fand im November desselben Jahres in Třebíč statt. Er war von massiver kommunistischer Propaganda begleitet. Auch Bula wurde zum Tod verurteilt und am 20. Mai 1952 hingerichtet. Vor dem Tod seien die beiden Geistlichen gefoltert worden, berichteten Zeitzeugen, die die beiden im Gefängnis besucht hatten.
Regime wollte Einfluss der Kirche brechen
Warum war es für das kommunistische Regime so wichtig, die beiden Dorfpriester zu beseitigen? Karel Orlita:
„Für das Regime war das aus dem Grund bedeutend, weil in der Gegend von Třebíč und in Südwestmähren überhaupt der Widerstand gegen die vom kommunistischen Regime geplanten Änderungen sehr stark war. Die Kirche und die Geistlichen genossen dort zudem großen Respekt. Denn mehrere von ihnen hatten zu Ende des Zweiten Weltkriegs den Partisanen geholfen. Das wussten die dortigen Bewohner. Die Priester beteiligten sich zudem am Wiederaufbau der Gemeinden. Sie waren Menschen, die wirklich als Seelsorger für jene dienten, die ihnen anvertraut wurden. Das Regime wollte den Einfluss der Kirche brechen. Darum war es aus dieser Perspektive notwendig, jemanden zu diskreditieren. Zuvor versuchten die Kommunisten das mit dem Priester Josef Toufar (1902–1950, Anm. d. Red.). Dieser starb jedoch an den Folgen der Folter. Nun bot sich die Gelegenheit, die Priester Bula und Drbola zu diskreditieren.“
Erst nach der Wende konnten Jan Bula und Václav Drbola vom tschechischen Staat rehabilitiert werden. Bei Bula sei dies 1991, bei Drbola 1996 geschehen, sagt Karel Orlita:
„Damals haben sich die Gerichte des nun demokratischen Staates mit den beiden Prozessen beschäftigt. Sie kamen zum Schluss, dass die Prozesse inszeniert und grundlegende Regeln der Justiz nicht eingehalten worden seien. Bei den Verhören wurde Gewalt angewendet, die Verhafteten wurden gefoltert. Sie hatten kein Recht auf Verteidigung. Es ist wichtig, dass der tschechische Staat damals betonte, dass das, was den beiden Priestern vorgeworfen wurde, erlogen war.“
Kardinal Czerny kehrt nach Brünn zurück
Jan Bula und Václav Drbola werden am Samstag in Brünn seliggesprochen. Es handelt sich um die ersten Opfer der beiden totalitären Regime des 20. Jahrhunderts auf dem Gebiet der Tschechischen Republik, die auf diese Weise geehrt werden. Was bedeutet die Seligsprechung für die Kirche in Tschechien? Karel Orlita:
„Für die tschechische Kirche ist sie von großer Bedeutung. Vielleicht werden wir das erst später vollständig begreifen. Es ist ein bestimmter Schritt, der uns allen dabei hilft, das zu verzeihen, was passiert ist. Unter der kommunistischen Macht haben nicht nur Jan Bula und Václav Drbola gelitten, sondern auch eine große Zahl weiterer Menschen. Ich würde beispielsweise den Priester František Pařil (1911–1951) nennen, der genauso wie Drbola nach einem Schauprozess 1951 hingerichtet wurde. Ich finde wichtig, davon zu lernen und die alten Wunden zu heilen. Diese Erfahrung hat auch für unsere heutigen Entscheidungen eine Bedeutung: Zum Beispiel wenn sich ein Mensch entscheiden muss, ob er auf der Seite der Wahrheit stehen oder sich für einen Kompromiss entscheiden soll. Oder ob man der Bequemlichkeit und dem Konsum den Vorzug gibt vor den großen Werten des Lebens.“
Zum feierlichen Gottesdienst, bei dem Jan Bula und Václav Drbola seliggesprochen werden, kommt auch ein Delegierter des Papstes. Karel Orlita:
„Es ist Kardinal Michael Czerny. Er stammt aus Brünn. 1948, als er zwei Jahre alt war, flüchteten seine Eltern mit ihm und seinem jüngeren Bruder Robert vor dem kommunistischen Druck nach Kanada. Dort wurde er Priester und Mitglied des Jesuitenordens. Czerny hat sich in Kanada, Lateinamerika, Afrika und in Rom für die Soziallehre der Kirche eingesetzt. Er ist derzeit im Vatikan Präfekt – das bedeutet Minister – des Dikasteriums für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen. Für uns Brünner ist es eine große Ehre, dass er kommt und den Gottesdienst auf Tschechisch feiern wird. Zudem ist es symbolisch, dass derjenige, der gezwungen war, das Land zu verlassen, die Seligsprechung feierlich bekanntgibt.“
Der feierliche Gottesdienst, bei dem Jan Bula und Václav Drbola seliggesprochen werden, findet am Samstag, 6. Juni, um 14:30 Uhr auf dem Messegelände in Brno statt. Mehr über das Programm erfahren Sie unter https://www.buladrbola.cz/en.







