Kreis Tachau - Vakuum in der Mitte Europas

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Der Pfarrer von Tachov/Tachau, einer westböhmischen Stadt nahe der Grenze zu Bayern, hat über Jahre hinweg Gelder aufgetrieben und versucht, seine zerfallene Pfarrei zu einem tschechisch-deutschen Begegnungszentrum zu machen. Die bayerische Regionalzeitung "Der neue Tag" schrieb über ihn, dass er ein moderner Bettler sei. Das Werk ist gerade gelungen. Das Zentrum wird noch vor dem tschechischen EU-Beitritt eröffnet. Unser freier Mitarbeiter Martin Jezek berichtet.

Der Pfarrer von Tachov/Tachau, einer westböhmischen Stadt nahe der Grenze zu Bayern, hat über Jahre hinweg Gelder aufgetrieben und versucht, seine zerfallene Pfarrei zu einem tschechisch-deutschen Begegnungszentrum zu machen. Die bayerische Regionalzeitung "Der neue Tag" schrieb über ihn, dass er ein moderner Bettler sei. Das Werk ist gerade gelungen. Das Zentrum wird noch vor dem tschechischen EU-Beitritt eröffnet. Unser freier Mitarbeiter Martin Jezek berichtet.

Die westböhmische Region von Tachov hat die geringste Bevölkerungsdichte ganz Tschechien und die wirtschaftliche Lage ist immer noch durch das Erbe der kommunistischen Zeit gekennzeichnet. Die Bevölkerung besteht aus Nachsiedlern aus der Slowakei ebenso wie aus der Ukraine, zudem leben in der Tachauer Gegend sehr viele Roma. Mitten im Böhmerwald ist der katholische Pfarrer René Milfait in diesem Milieu tätig. Er ist der Seelsorger für die Stadt Tachov und die südlich gelegene Gemeinde Staré Sedliste/Altsedlisch. Die dortige Pfarrei war - wie für die damalige Zeit üblich - ein vernachlässigtes, heruntergekommenes Gebäude. Der Pfarrer selbst musste sogar ausziehen, weil sie nicht mehr bewohnbar war.

So ist ihr Zustand aber heute längst nicht mehr. René Milfait hat über Jahre hinweg in Zusammenarbeit mit der Tschechischen Christlichen Akademie Gelder aufgetrieben und versucht, aus der Pfarrei ein Begegnungszentrum entstehen zu lassen. Die Regionalzeitung "Der neue Tag" schrieb über ihn, dass er ein moderner Bettler sei.

Das Werk gelingt schrittweise und René Milfait schildert die Zielsetzung des vor der Eröffnung stehenden Begegnungszentrums wie folgt:

"Eines unserer Wirkungsfelder sind die tschechisch-deutschen Beziehungen. Die Begegnungsstätte wird nicht nur aus dem einen Haus bestehen, das wird ein ganzes Areal. Wir wollen hier zusammen treffen, Deutschkurse und Seminare abhalten. Das Zentrum wird aber auch kirchlichen Zwecken dienen. Nicht nur im Rahmen der Pfarrei."

Das tschechisch-deutsche Milieu wird sich aber demnächst sehr wahrscheinlich verändern. Die gemeinsame Grenze wird mit dem EU-Beitritt Tschechiens zu einer europäischen Binnengrenze, alles bekommt die gemeinsame Überschrift Europa. Gesellschaftlich kann man allerdings noch nicht von einer Grenzenlosigkeit sprechen. Das Gehaltsgefälle bleibt hoch, im Landkreis Tachau lebt fast niemand, im Nachbarkreis Weiden gibt es dagegen eine relativ dichte Besiedlung. Gegenüber Radio Prag äußerte sich Pfarrer Milfait dazu, inwieweit die Veränderungen unmittelbar nach dem EU-Beitritt Tschechiens greifen werden.

"Ich hoffe, dass der Beitritt eine bestimmte Wirkung haben wird, aber ich wäre da nicht besonders euphorisch. Unmittelbar nach dem Beitritt wird sich nichts wesentlich ändern. Auch die menschliche Denkweise wird sich nicht auf einmal ändern. Wir sind hier sehr nahe dran an Europa, aber alles hängt von den Menschen ab, wie sie denken und welchen Willen sie haben zur Kommunikation, den Willen gegen eigene Ängste anzukämpfen und dem Fremden zu begegnen."

Experten sagen, dass die Region des Böhmerwaldes in Westböhmen, wozu auch Tachau gehört, ein gesellschaftliches und wirtschaftliches Vakuum darstellt. Das werde sich aber mitten in Europa irgendwie geben. Wie der Prozess und vor allem das Ergebnis aussehen werden, das kann keiner sagen. Die einen erwarten es mit Angst, die anderen mit Hoffnung.