Hoch zu Ross in Tachov: Zweitgrößte historische Reithalle Mitteleuropas wiedereröffnet

Reithalle in Světce

Nach 23 Jahren Restaurierungsarbeiten wurde diese Woche die Reithalle in Světce / Heiligen wiedereröffnet. Nur knapp ist sie dem Abriss entgangen.

Ladislav Macák war Bürgermeister von Tachov,  als der Stadtrat für die Rettung der Reithalle stimmte | Foto: Lukáš Milota,  Tschechischer Rundfunk

Die historische Reithalle in Světce gilt als die zweitgrößte ihrer Art in Mitteleuropa. Größer ist nur die Spanische Hofreitschule in Wien. In den 1990er Jahren drohte dem Baudenkmal der Abriss. Ladislav Macák (SNK) ist ehemaliger Bürgermeister der Stadt Tachov / Tachau, zu der die Gemeinde Světce gehört. Er erinnerte sich im Gespräch für die Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks an die Situation Ende der 1990er Jahre:

„Das Baudenkmal befand sich in einem sehr traurigen Zustand. Es fehlten dort ganze Mauerteile, die beiden Treppenhäuser stürzten ein. 1999 haben wir eine Sitzung der Stadtverordneten einberufen. Es wurde über das Schicksal der Reithalle abgestimmt. Das Resultat war 11:10. Eine Stimme entschied also darüber, dass die Reithalle gerettet wurde. Seitdem wurde sie allmählich restauriert.“

Die Rettung des monumentalen, 162 Jahre alten Baus kostete rund 180 Millionen Kronen (7 Millionen Euro). Finanziert wurde die Summe teilweise aus EU-Fördergeldern sowie aus dem Budget der Stadt Tachov. An der Finanzierung beteiligten sich zudem auch die Kreisverwaltung und das Kulturministerium.

Pavel Voltr | Foto: Lukáš Milota,  Tschechischer Rundfunk

Pavel Voltr führt die Besucher durch das wiedereröffnete historische Gebäude, das 2010 zum nationalen Kulturdenkmal erklärt wurde…

„Der wichtigste Raum ist der Saal, in dem früher geritten wurde. Die Reithalle ist 40 Meter lang und 20 Meter breit. Die rund um den Saal errichtete Holzvertäfelung schützte Reiter und Pferd vor Verletzungen. Am wertvollsten in der Halle ist die Dachstuhlkonstruktion, die oben verglast ist. Der Lichtschacht diente nicht nur zur Beleuchtung, sondern auch zur Lüftung.“

Die Geschichte der Reithalle geht auf Alfred I. zu Windisch-Graetz zurück. Voltr zufolge sparte der General bei dem Bau nicht, sondern investierte fleißig und ließ die Halle teilweise wie ein Schloss gestalten:

„Alfred I. zu Windisch-Graetz war eine unbeliebte Persönlichkeit. 1848 beteiligte er sich an der Niederschlagung des Pfingstaufstands in Prag. Uns, den Bewohnern von Tachov, hat er jedoch eine einzigartige historische Sehenswürdigkeit hinterlassen. Er war 71 Jahre alt, als er die Reithalle bauen ließ.“

Die einzigartige Decke der Reithalle | Foto: Lukáš Milota,  Tschechischer Rundfunk

In den einzelnen Ställen wurden laut Voltr je zwölf Pferde untergebracht. Im Gebäude befand sich auch eine Schmiedewerkstatt. Der Schmied wohnte mit seiner Familie gleich nebenan. In der oberen Etage der Reithalle gab es die Möglichkeit, Gäste unterzubringen. Zudem konnte man die Reiter im Hauptsaal von oben aus beobachten, erzählt Pavel Voltr in einem prunkvoll eingerichteten Zimmer:

„Das hier ist die Fürstenloge. Von hier aus hatte der Fürst eine gute Übersicht über das Geschehen in der ganzen Halle. Egal was für ein Mensch General zu Windisch-Graetz war, ich würde sagen, dass er heute darüber staunen würde, wie schön seine Reitschule ist. Es ist ein kleines Wunder. Ich bin sehr glücklich, dass die Halle so aussieht.“

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