Krönung von Rudolf II. vor 450 Jahren: Als Prag zur Kaiserstadt wurde

Kaiser Rudolf II., Porträt von Hans von Aachen

Vor genau 450 Jahren, am 22. September 1575, wurde Rudolf II. zum böhmischen König gekrönt. Die Zeremonie war wenig glorreich – Rudolfs Herrschaft verlieh Prag jedoch ein neues An- und Aussehen.

Rudolph II.,  Porträt von Alonso Sánchez Coello | Foto: Profimedia

Der spätere König und Kaiser Rudolf II. wurde 1552 als zweiter Sohn von Maximilian II. und Maria von Spanien geboren. Nach dem Tod von Ferdinand I., dem Erstgeborenen, ging die Habsburger-Krone an Rudolf weiter. Bei seiner ersten Prag-Reise war er zehn Jahre alt, Anlass war die Krönung seines Vaters zum König von Böhmen. Die damalige triumphale Ankunft in der Moldaustadt sollte sich für Rudolf bei seiner eigenen Krönung 13 Jahre später jedoch nicht widerholen.

Kaiser Rudolf II. mit der böhmischen Königskrone,  Federzeichnung von Giovanni Arcimboldo | Foto: e-Sbírky,  Nationalmuseum,  CC BY 4.0 DEED

Denn das Ereignis musste auf die Schnelle vorbereitet werden. Nach der Ernennung zum böhmischen König am 5. September 1575 sollte am 22. September die Krönung stattfinden. Eine glorreiche Zeremonie, so wie es sich der junge Herrscher nach Vorbild seines Vaters wünschte, konnte in der kurzen Zeit nicht ausgerichtet werden. Im Veitsdom auf der Prager Burg wurde zwar eine Tribüne aufgestellt, viele Menschen passten aber nicht mehr in die Kirche.

Rudolph II. | Foto: Profimedia

Rudolf musste den soufflierten Schwur auf Tschechisch nachsagen, dann wurde die Wenzelskrone auf seinen Kopf gesetzt. Das anschließende Festmahl wurde weder von Ritterspielen noch von Tanz und Theater begleitet. Den zeitgenössischen Chroniken zufolge äußerten die Gäste den Eindruck einer verpfuschten Krönungsfeier.

Neuer Glanz für Prag

Rudolph II. | Foto: Profimedia

Rudolfs Verhältnis zu Prag wurde mit der Zeit jedoch besser. Nach dem Tod seines Vaters 1576 übernahm er auch die formalen Herrschaftsaufgaben und residierte zunächst – der Tradition folgend – in Wien. 1583 siedelte Rudolf II. aber nach Prag über, womit die Moldaustadt zum Sitz des Kaisers des Heiligen Römischen Reiches wurde.

Kaiser Rudolf II. und der Astronom Tycho de Brahe mit der Statue des Ilioneus | Foto: Profimedia

Rudolfs Herrschaft spiegelt sich bis heute in Prags einzigartigem Charakter wider. Der Kaiser war Mäzen für Kunst, Wissenschaft und Architektur. Zu seinen Zeiten wurde der Hradschin im Stil der Renaissance umgebaut. Es entstanden der heutige zweite Burghof und der Neue Königspalast, im Königlichen Garten wurde der Löwenhof angelegt, und auch das berühmte Goldene Gässchen stammt aus dieser Epoche. Die bis dahin gotisch geprägte Stadt wurde unter Rudolf II. zu einer europäischen Metropole.

Rudolphine Prag von Joris Hoefnagel und Franz Hoogenberghe | Foto: Jan Rendek,  e-Sbírky,  Nationalmuseum
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