Kühn-Kinderchor wird 80 Jahre alt

Coro infantil de Kühn
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Tausende Tschechinnen und Tschechen können sagen, sie haben darin gesungen: Der preisgekrönte Kühn-Kinderchor hat am vergangenen Samstag seinen 80. Geburtstag gefeiert. Das Jubiläum wurde im Prager Rudolfinum mit einem Festkonzert begangen, bei dem aktuelle und ehemalige Mitglieder gesungen haben.

Ursprünglich wurde das Ensemble von Jan Kühn im Jahr 1932 als Rundfunkchor ins Leben gerufen und ist damit der älteste und renommierteste Kinderchor Tschechiens. Er arbeitet mit vielen namhaften Orchestern und Solisten zusammen und hat über 50 Aufnahmen eingespielt, seine Mitglieder verkörpern Kinderrollen in Opern am Nationaltheater in Prag. Schon seit 45 Jahren wird der Chor von Kühns Schüler, dem Chormeister Jiří Chvála geleitet. Er sehe beim Vergleich der Arbeit mit Kindern und Erwachsenen keinen wesentlichen Unterschied, wie er anlässlich des Jubiläums gegenüber dem Tschechischen Rundfunk sagte:

„Die Ansprüche an Tonbildung, Rhythmus, Intonation und andere musikalische Forderungen sind immer gleich. Ich muss ehrlich sagen, ich könnte mir mein Leben ohne die Kinder nicht vorstellen. Die Arbeit mit ihnen ist einfach etwas Besonderes. Einerseits haben die Kinder natürlich nicht die Ausdauer und Konzentration wie erwachsene Sänger. Anderseits wirkt sich alles, was man in die Kinder investiert, irgendwo aus. Ich weiß und habe immer gewusst, dass die Arbeit mit den Kindern nicht weniger wert ist, als mit Erwachsenen.“

Der Kühn-Kinderchor steht seit Jahrzehnten an der Spitze unter den Kinderchören, und das nicht nur in Tschechien. Er hat zahlreiche Preise und Auszeichnungen bei internationalen Wettbewerben gewonnen, unter anderem den Grand Prix 1998 oder den ersten Preis beim internationalen Chorwettbewerb im spanischen Tolosa 2008 sowie den ersten Preis beim Wettbewerb der International Broadcast Union in Wuppertal im selben Jahr. Wie hält der Chorleiter das ständig hohe Niveau seines Chors?

„Es ist auf den ersten Blick sehr einfach. Man muss hohe, strenge Ansprüche haben und darf nicht nachgeben. Diese Ansprüche beziehen sich vor allem auf die Tonqualität. Man muss einen angenehmen und sängerisch richtigen und für Kinder gesunden Ton bilden. Und damit hängt eine genaue Intonation und das Zusammenhalten des Chors zusammen.“

Das war die Grundlage, die Jiří Chvála von Jan Kühn übernommen hat. Die Methode blieb unverändert, obwohl der Chor schon viele Generationen erzogen hat. Derzeit gehören dem Chor insgesamt 350 kleine Sängerinnen und Sänger an. Haben sich die Kinder inzwischen verändert?

„Jedenfalls ändert sich die gesellschaftliche Situation, die Zeit. Was die Kinder selbst und ihre musikalische Begabung betrifft, da hat sich wohl nicht viel geändert. Eine große Veränderung beruht darin, dass die Eltern heute diese Tätigkeit nicht mehr so stark unterstützen, sie sehen darin nicht die Erfüllung ihrer Vorstellungen. Diese liegen heute anderswo, im Sport und in praktischen Disziplinen. Bei den talentiertesten Kindern gibt es allerdings das gleiche Maß an Interesse, an der Begeisterung für das Singen, für den Chor und für die Gemeinschaft, in der sie leben und aufwachsen.“