L-159-Jets, Dankesworte und eine Einladung nach Kiew: Wolodymyr Selenskyj im Rundfunkinterview
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat dem Tschechischen Rundfunk ein Exklusivinterview gegeben. In dem Gespräch wiederholte das ukrainische Staatsoberhaupt unter anderem seine Einladung an Tschechiens Premier Andrej Babiš (Partei Ano), in die Ukraine zu reisen.
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Das Interview mit Wolodymyr Selenskyj für den Tschechischen Rundfunk führte Josef Pazderka, Chefredakteur des Nachrichtensenders Plus, unter strengen Sicherheitsvorkehrungen im Kiewer Präsidentenpalast. Thema war zunächst der Besuch von Tschechiens Präsident Petr Pavel, der Mitte Januar in der Ukraine war. Selenskyj hatte seinem Amtskollegen dabei den Orden des Fürsten Jaroslaw des Weisen übergeben. Wie er nun im Interview betonte, gelte diese Auszeichnung durchaus für die gesamte tschechische Nation:
„Petr Pavel versteht, denke ich, dass diese Auszeichnung auch für das tschechische Volk gedacht ist. Ich bin den Einwohnern der Tschechischen Republik unfassbar dankbar für all diese Monate und Jahre der Unterstützung. Sie haben unseren Menschen von Anfang an einen Ort der Zuflucht geboten, den diese angesichts der Invasion brauchten. Sie haben uns in allem unterstützt.“
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Wegen der russischen Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur gab es in Tschechien zuletzt eine große Spendenwelle für Generatoren, mit denen die Menschen in dem angegriffenen Land angesichts der frostigen Temperaturen Wärme generieren sollen. Mittlerweile kamen dabei umgerechnet fast sieben Millionen Euro von Privatpersonen zusammen. Dafür sprach Selenskyj im Interview seinen Dank aus. Zudem hob er lobend die tschechische Munitionsinitiative hervor, die von der Vorgängerregierung in Prag initiiert wurde. Allerdings steht das neue Kabinett der Unterstützung der Ukraine kritisch gegenüber. Selenskyj sagte dazu:
„Premier Babiš kann da eine andere Meinung haben. Aber wenn es um die Frage geht, ob man die Ukraine unterstützt oder nicht, denke ich, dass es klug ist, sich für die Hilfe zu entscheiden. Denn die Ukraine ist Europa. Und sie verteidigt sich zu Recht, weil sie angegriffen wurde. Unser Land zu unterstützen, ist deshalb moralisch vertretbar. Wie und in welchem Ausmaß das erfolgt, ist eine andere Frage.“
Der ukrainische Präsident betonte zudem, den jetzigen Premier Andrej Babiš noch persönlich aus dessen erster Amtszeit zu kennen. Er begrüßte, dass der tschechische Regierungschef zu Jahresbeginn am Treffen der Koalition der Willigen teilgenommen hatte. Es sei wichtig, im Gespräch zu bleiben, sagte Selenskyj und lud Babiš deshalb in die Ukraine ein.
Für Diskussionsstoff in Tschechien sorgte zuletzt der mögliche Verkauf von L-159-Kampfflugzeugen aus den Beständen der tschechischen Armee an Kiew. Pavel hatte dies Mitte Januar bei seinem Besuch in der Ukraine in Aussicht gestellt, wofür er von Außenminister Petr Macinka (Motoristé sobě) öffentlich gerügt wurde. Allein die tschechische Regierung dürfe über eine derartige Lieferung entscheiden, betonte der Chefdiplomat. Und da Verteidigungsminister Jaromír Zůna (parteilos) argumentierte, man brauche die Flugzeuge für eigene Zwecke, schob Premier Andrej Babiš den Verhandlungen über einen Verkauf vorerst den Riegel vor.
Generalstabschef Karel Řehka wiederum, der in vielen Fragen nicht mit der Regierung auf einer Wellenlänge ist, sagte, die Streitkräfte könnten die vier Kampfflugzeuge sehr wohl entbehren. Wolodymyr Selenskyj betonte gegenüber dem Tschechischen Rundfunk nun, dass sein Land weiter Interesse an einem Erwerb der Maschinen habe:
„Die L-159 sollen in der Ukraine eingesetzt werden, um iranische Shahed-Drohnen zu zerstören. Von denen gibt es eine große Menge. Eventuell käme auch eine andere Nutzung in Frage, aber der primäre Grund ist die Drohnenabwehr. Wir wollen diese Kampfflugzeuge deshalb schnellstmöglich bekommen. Wir werden natürlich auch nach anderen Maschinen Ausschau halten. Aber sollte uns Tschechien ebendiese Flugzeuge zur Verfügung stellen, könnten wir sie austesten und anschließend einen Vertrag über die Bestellung mehrerer neuer Modelle unterschreiben. Ich denke, der tschechische Hersteller hat Interesse daran, für ihn wäre das definitiv sehr vorteilhaft.“
Hinsichtlich möglicher Friedensverhandlungen mit Russland betonte Selenskyj, dass diese nicht nur unter drei Köpfen zwischen der Ukraine, Russland und den USA stattfinden dürften. Beteiligt werden müssten zu einem gewissen Zeitpunkt auch die Europäer. Denn der von US-Präsident Donald Trump mitentworfene 20-Punkte-Friedensplan sieht auch eine EU-Mitgliedschaft der Ukraine vor. Strittig ist derweil weiterhin die Frage möglicher Gebietsabtritte an Russland. Dahingehend unterstricht Selenskyj die Bedeutung persönlicher Verhandlungen mit Kreml-Chef Wladimir Putin:
„Egal in welchem Format – wir sollten die Möglichkeit bekommen, mit dem Chef der Russischen Föderation in Kontakt zu treten. Ohne ein solches Treffen werden unsere Verhandlungsteams keine Einigung in Gebietsfragen erzielen können.“
Rundfunkredakteur Josef Pazderka fragte Wolodymyr Selenskyj auch nach den ukrainischen Staatbürgern, die sich derzeit in Tschechien aufhalten. Sollten Männer gezwungen werden, an die Front zu gehen?
„Ich würde den Soldaten gern helfen, die an der Front sind. Weil es nicht genügend Leute gibt, können sie nicht abgelöst werden. Dabei wäre es nur gerecht, wenn sie Urlaub bekommen würden, ihre Familien wieder in die Arme schließen, entspannen und Kräfte tanken könnten. Denn das ist sehr wichtig und gibt ihnen Energie.“
Allerdings betonte Selenskyj, dass man niemand zwingen könne zu kämpfen. Wichtig sei am Ende auch die Motivation der Streitkräfte, so der ukrainische Präsident.
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