Energiekrise in der Ukraine – Tschechen spenden mit Rekordtempo für den Kauf von Generatoren

Die Tschechen haben in diesen Tagen bewiesen, dass sie imstande sind zu helfen. Für die Ukraine, die derzeit eine große Energiekrise erlebt, haben sie binnen einiger Tage über 128 Millionen Kronen (5,3 Millionen Euro) gespendet.

Das verschneite Kiew nach dem Angriff,  der das oberste Stockwerk eines Wohnhauses getroffen hat | Foto: Thomas Peter,  Reuters

Nach den massiven russischen Angriffen auf die Infrastruktur in der Ukraine leben derzeit mehrere Millionen Bewohner des Landes ohne Strom, Wärme und Trinkwasser. Die Lage wird durch sehr niedrige Temperaturen erschwert. In Kiew sanken die Werte zuletzt auf minus 20 Grad. Wegen der dringenden Lage ersuchte die ukrainische Regierung vorige Woche um Hilfe im Bereich der Energieversorgung und der Luftabwehr. Auf den Aufruf hatten auch einige tschechische Non-Profit-Organisationen reagiert. Der Stiftungsfonds Dárek pro Putina startete am Mittwoch eine Spendensammlung mit dem Titel „SOS Kiew“. Das Konto füllte sich bis Sonntag mit Rekordgeschwindigkeit. Martin Ondráček hat den Stiftungsfonds gegründet. In den sozialen Netzwerken dankte er am Sonntag allen Spendern:

„100 Millionen Kronen (4,1 Millionen Euro, Am. d. Red.) innerhalb von fünf Tagen – das ist ein glänzendes Ergebnis. Viele Menschen rufen uns nun an und gratulieren uns. Dies ist jedoch ihre Arbeit.“

Das Konto wurde sogar zeitweise gesperrt, weil durch die Spender das tägliche Limit von 50 Millionen Kronen (2,06 Millionen Euro) an Überweisungen überschritten wurde. Die Geldsumme auf dem Konto wächst jedoch weiter. Die Initiatoren wollen für die gespendeten Gelder direkt in der Ukraine Stromgeneratoren kaufen, wie Ondráček in den Inlandsendungen des Tschechischen Rundfunks sagte.

Humanitäre Zelte bieten Wärme und Strom zum Aufladen von Geräten | Foto: Thomas Peter,  Reuters

„Wir sind gerade dabei, zwei verhältnismäßig große Generatoren zu kaufen. Einer kostet acht Millionen Kronen (330.000 Euro, Anm. d. Red.). Sie würden für den Betrieb eines kleineren Krankenhauses in Kiew reichen. In den Fluren der Klinik sind derzeit nur elf Grad. Meine Kollegen bemühen sich darum, die Generatoren dort hinzubringen, wo sie dringend notwendig sind.“

Einige Generatoren werden laut Ondráček vielleicht schon am Montag in Betrieb genommen. Für das gespendete Geld werden zudem Ersatzlampen und Powerbanks gekauft.

Die Non-Profit-Organisation Paměť národa bringt schon seit langem Generatoren in die Ukraine. Von Beginn des Kriegs bis Ende vergangenen Jahres seien 480 Generatoren in das Land geliefert worden, erzählte der Koordinator der Sammlung, Martin Ocknecht, im Tschechischen Rundfunk.

Martin Ocknecht aus „Paměť národa“ | Foto: Ľubomír Smatana,  Tschechischer Rundfunk

„Wir haben schon im vergangenen Jahr damit begonnen, Generatoren zu bestellen, um Anfang dieses Jahres eine weitere Lieferung von 36 Stück in die Ukraine zu bringen. Diese wurden vor allem im Süden der Ukraine eingesetzt. Anfang dieser Woche werden weitere 49 Generatoren vor allem nach Charkiw geliefert, wo die Situation sehr kritisch ist. Derzeit bereiten wir einen weiteren Lkw mit Hilfsgütern vor. Dieser ist für Dnipro und Umgebung bestimmt.“

Martin Ondráček | Foto: Agáta Faltová,  Tschechischer Rundfunk

Wie Martin Ondráček vom Stiftungsfonds Dárek pro Putina betont, erlebt die Ukraine derzeit wahrscheinlich die schlimmste Energiekrise seit Beginn des russischen Angriffskriegs.

„In der Ukraine gibt es derzeit eigentlich kein einziges Kraftwerk, das in den vergangenen drei Monaten keinem Angriff ausgesetzt war und das nicht entweder zerstört oder beschädigt wurde. Darin besteht die Taktik der Russen gegen die Zivilbevölkerung – sie erfrieren zu lassen.“

Stromausfall in Kiew | Foto: Sergei Gapon,  AFP/Profimedia

Außer mit Spendensammlungen helfen die Tschechen den Ukrainern, die keinen Strom haben, auch auf andere Weise. Pfadfinder setzen derzeit beispielsweise ihre Initiative mit dem Titel „Licht und Wärme für die Ukraine“ fort. Sie würden Notleuchten basteln, wie Barbora Trojak erzählt. Trojak ist Sprecherin der tschechischen Pfadfinder.

Barbora Trojak | Foto: Khalil Baalbaki,  Tschechischer Rundfunk

„Wenn die Menschen in der Ukraine keinen Strom haben, können sie mit Hilfe der Notleuchten kochen oder ihre Schuhe trocknen lassen.“

Die Pfadfinder basteln die Notleuchten aus Kerzen oder Kerzenstummeln und aus Wellpappe. Dies alles wird in leere Konservendosen von Obst oder Gemüse gesteckt. Interessenten können nach einer Anleitung die Notleuchten entweder selbst oder in einer zentralen Werkstatt in Prag basteln.

Spendensammlungen für die ukrainische Zivilbevölkerung werden zudem beispielsweise vom Team for Ukraine und der Hilfsorganisation Člověk v tísni organisiert.

Tschechiens Staatspräsident Petr Pavel teilte auf X mit, er sei stolz auf jeden, der zu den Spendensammlungen beitrage. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha sowie der ukrainische Botschafter in Tschechien, Vasyl Zvarych, dankten am Samstag den Tschechen für ihre Unterstützung.

Autoren: Martina Schneibergová , Lucie Špetová
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