Laufzeitverlängerung: Wie die tschechischen Atomkraftwerke modernisiert werden
Zwei Atomkraftwerke stehen in Tschechien. Sie sollen beide 80 anstatt der ursprünglich geplanten 60 Jahre lang betrieben werden. Das hat der halbstaatliche Energiekonzern ČEZ im Frühjahr entschieden, unter Beifall der tschechischen Regierung. Was bedeutet dies für die Instandhaltung der Meiler? Und warum geht der Betreiber davon aus, dass seine AKWs auch 20 weitere Jahre sicher bleiben?
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Am Dienstag hat die Leitung des Energiekonzerns ČEZ noch einmal bestätigt, dass die Laufzeit der beiden tschechischen Atomkraftwerke um 20 Jahre verlängert wird. Die bestehenden Reaktorblöcke in Dukovany sollen also bis 2067 und jene in Temelín bis mindestens 2080 betrieben werden.
Diese Laufzeitverlängerung entspricht einem weltweiten Trend. Laut dem Leiter des Bereichs Kernkraft bei ČEZ, Bohdan Zronek, wurde dies beispielsweise in den USA schon für einige Atomanlagen beschlossen. Und weiter:
„Die ursprüngliche Laufzeit entsprach konservativen Schätzungen. Aber die Kraftwerke in Tschechien haben sich meist als sehr robust erwiesen und können effektiv deutlich länger betrieben werden. Das beruht zum einen auf unseren Erfahrungen. Zum anderen zeigen Studien der OECD, dass Atomkraftwerke bei einer langen Laufzeit eine der billigsten Energiequellen sind.“
Zu den Kosten der Atomkraft gibt es allerdings auch andere Studien, die zu gegenteiligen Ergebnissen kommen – so etwa eine, die das Freiburger Öko-Institut im Juli herausgegeben hat.
Steigerung der Effizienz
Allerdings wird hierzulande die Atomkraft als solche nur von wenigen angezweifelt. Und so steht besonders die technische Seite der Akw-Laufzeitverlängerung im Mittelpunkt der Diskussion. Der Konzern ČEZ plant, deswegen Milliardensummen in die Modernisierung der bestehenden Anlagen zu stecken.
„Jährlich sind es fünf bis sechs Milliarden Kronen (207 bis 248 Millionen Euro, Anm. d. Red.), die wir dafür investieren. Dabei geht es darum, jene Teile rechtzeitig auszuwechseln, die langsam an ihr Lebensende geraten. Und beim Austausch erwägen wir immer, ob wir nicht die Effizienz erhöhen können. So rechnen wir beim Austausch der Turbinenteile für den Dampfdurchlauf damit, dass mehrere Megawatt an Leistung zusätzlich erreicht werden können“, so Zronek.
Dukovany und Temelín haben seit ihrer Inbetriebnahme jeweils rund 500 Megawatt an Jahresleistung hinzugewonnen.
Neue Teile aus dem 3D-Drucker
Bei der Steigerung der Effizienz kommen vor allem moderne Technologien zum Einsatz. Sie helfen beispielsweise dabei, den Zustand wichtiger Reaktorteile zu überprüfen. Zu diesen Teilen gehört etwa der Druckbehälter oder der Generator. Zdeněk Čančura ist bei ČEZ für das Qualitätsmanagement in den Atomkraftwerken verantwortlich und sagt:
„Wir machen es häufig so, dass wir die ursprüngliche Komponente heraustrennen und sie durch eine neue ersetzen, die wir im 3D-Drucker angefertigt haben. In diesem Zusammenhang muss ich auch den Druckbehälter erwähnen. Er lässt sich nämlich nicht austauschen. Deswegen wurde bisher immer gesagt, dass er laufzeitbegrenzend für die ganze Anlage sei. Das ist aber falsch. Wir können per Glühtechnik seine Haltbarkeit um Jahrzehnte verlängern.“
Der Druckbehälter ist das nukleare Herz eines Atomkraftwerks. Im Laufe der Betriebsjahre wird der Stahl des Behälters jedoch spröde. Mit gezieltem Glühen auf 450 bis 500 Grad lassen sich die Materialeigenschaften indes regenerieren.
Außerdem ist ČEZ dazu übergegangen, die Kernbrennstäbe in größeren Intervallen auszutauschen. Der Zyklus sei verlängert worden, indem die Stäbe effizienter genutzt würden, hieß es.
Nicht zuletzt will der tschechische Staat die Atomkraft noch weiter ausbauen. Entschieden ist bereits, dass der südkoreanische Energiekonzern KHNP in Dukovany zwei zusätzliche Reaktorblöcke bauen soll. Diese könnten 2036 in Betrieb gehen. Und im kommenden Jahr will die Regierung in Prag entscheiden, ob auch in Temelín neue Reaktorblöcke entstehen sollen.










