Ledecká glänzt auf der Kandahar, Eishockeyteam überzeugt in Stockholm

Ester Ledecká (Foto: ČTK / AP Photo / Gianni Auletta)

Am vergangenen Wochenende machten tschechische Sportler erneut bei internationalen Wettbewerben auf sich aufmerksam. Skifahrerin Ester Ledecká wurde Dritte bei der berühmten Kandahar-Abfahrt in Garmisch-Partenkirchen, und die Eishockey-Nationalmannschaft wurde Zweite beim Euro-Hockey-Turnier in Schweden. Bereits am Donnerstag wurden die tschechischen Trainer des Jahres 2019 gekürt.

Federica Brignone, Viktoria Rebensburg und Ester Ledecká (Foto: ČTK / AP Photo / Marco Tacca)

Ester Ledecká (Foto: ČTK / AP Photo / Gianni Auletta)
Ihr doppelter Olympiasieg in Pyeongchang in zwei verschiedenen Sportarten hat sie berühmt gemacht: Ester Ledecká. In Südkorea gewann die 24-Jährige vor zwei Jahren die Disziplinen Super-G im alpinen Skisport und Parallel-Riesenslalom im Snowboarding. In der Abfahrt mit dem breiten Brett gehört die zweifache Weltmeisterin der Juniorinnen und der Frauen schon seit Jahren zur absoluten Weltspitze. Im alpinen Skisport dagegen hat sie – auch aus Zeitgründen – bisher nur gelegentlich ihre Visitenkarte abgegeben. Dank ihres Olympiagolds im Super-G aber wird sie auch da inzwischen als ernsthafte Konkurrentin wahrgenommen. Mit ihrem Abfahrtssieg beim Weltcup-Auftakt in Lake Louise bestätigte Ledecká zudem, dass sie auch als Skifahrerin große Ambitionen hat. Am Samstag unterstrich sie ihre Klasse mit dem dritten Platz auf der Kandahar in Garmisch-Partenkirchen. Danach sagte sie:

Ester Ledecká (Foto: ČTK / AP Photo / Marco Tacca)
„Es war kein perfektes Rennen von mir, aber ein sehr gutes. Ich habe dabei das beherzigt, was mir meine beiden Trainer Tomáš Bank und Ondřej Bank geraten haben. Zudem sind meine Ski von Servicemann Miloš Machytka hervorragend präpariert worden. So konnte ich die Abfahrt gut meistern.“

Die internationale Fachwelt aber hat die Tschechin nun immer mit auf der Rechnung. Wenn sie zu einem alpinen Rennen antritt, dann wird die Pragerin nicht selten als „Wunderkind“ gepriesen, und auch deutsche Reporter schnalzen mit der Zunge, wenn sie auf den Ski unterwegs ist. In der laufenden Saison hat Ledecká schon sechs Top-10-Platzierungen erzielt. Doch wie erklärt sie sich selbst ihre stabilen Leistungen im alpinen Skizirkus:

„Ich denke, da passen mehrere Dinge mittlerweile sehr gut zusammen. Im Vergleich zum Vorjahr habe ich schon mehr Erfahrungen, und auch die Strecke in Garmisch-Partenkirchen ist für mich kein Neuland mehr. In der vergangenen Saison habe ich hier zwar keinen tollen Wettkampf hingelegt, doch auch das war eine wichtige Erkenntnis für mich. Dank dieser Erfahrungen bin ich jetzt viel selbstbewusster und weiß, was mich auf den jeweiligen Strecken erwartet.“

Foto: ČTK / TT News Agency via AP / Erik Simander
Im Weltcup der Abfahrtsdisziplin liegt Ledecká derzeit auf Platz drei. Und in den verbleibenden drei Rennen hat die Pragerin sogar noch die Chance auf den Gesamtsieg.

Eine ähnliche Gelegenheit beim Schopfe packen wollen auch die tschechischen Eishockeyspieler. Nach drei von vier Turnieren der Euro Hockey Tour führen sie die Gesamtwertung mit 16 Zählern an – vor den punktgleichen Schweden. Zwei Punkte dahinter liegen die Finnen, abgeschlagener Letzter sind die Russen. Beim jüngsten Turnier, den sogenannten Sweden Games in Stockholm, belegte die tschechische Mannschaft hinter den verlustpunktfreien Gastgebern den zweiten Platz. Gegen die Schweden verlor das Team mit 1:2, gegen die Finnen und Russen gewann man aber mit 3:1 beziehungsweise 4:3 nach Penaltyschießen. Cheftrainer Miloš Říha war jedoch vor allem mit der Weise zufrieden, wie seine Schützlinge im Turnier aufgetreten sind:

Miloš Říha (Foto: ČTK / Kateřina Šulová)
„Wir haben hier zwei phantastische Spiele absolviert. Das waren die Partien gegen Schweden und Finnland, wobei ich die Leistung gegen Suomi als unsere bisher beste bei der gesamten Tour einstufen würde. Wir müssen aber in allen Spielen eines Turniers konsequent sein, dann haben wir die große Chance darauf, die gesamte Tour zu gewinnen. In Stockholm hat die Mannschaft sehr diszipliniert und zielstrebig gespielt, ich habe eigentlich nichts auszusetzen.“

Das vierte und letzte Turnier der Euro Hockey Tour findet vom 30. April bis 3. Mai in Tschechien statt.


Ronen Ginzburg: Tschechien ist mittlerweile mein zweites Zuhause

Ronen Ginzburg (Foto: ČTK / Roman Vondrouš)
Am vergangenen Donnerstag wurden in Prag die besten tschechischen Trainer des Jahres 2019 gekürt. Sie werden in einer Umfrage unter den Mitgliedern des Tschechischen Olympischen Komitees und der nationalen Trainerakademie ermittelt. Zum Sieger in der Kategorie „Individuelle Sportart“ wurde Petr Lacina gewählt. Der 46-Jährige ist der Chefcoach der tschechischen Judokas wie auch der persönliche Trainer von Schwergewichtler Lukáš Krpálek. Der mehrmalige Champion aus Jihlava / Iglau wurde 2016 Olympiasieger im Halbschwergewicht und im Jahr 2019 Weltmeister im Schwergewicht. Krpálek wurde nach seinen großen Erfolgen auch zum tschechischen Sportler des Jahres gewählt, sein Coach jeweils zum Trainer des Jahres. Lacina weiß dies sehr zu schätzen:

„Ich bin sehr froh, jetzt zwei Trophäen zu haben. So kann ich nun eine an meine Mutter weitergeben, und die zweite bekommt mein Vater. An dieser Stelle möchte ich all meinen Trainerkollegen im Stab sowie den Sportlern selbst danken für die tolle Atmosphäre, die wir in unserem Team haben. Und natürlich vor allem Lukáš, der immer wieder Höchstleistungen erbringt.“

Doch auch die Basketballer zeigen derzeit Top-Leistungen. Deshalb ging der Titel „Trainer des Jahres“ im Mannschaftssport an Ronen Ginzburg. Der Israeli zeigte sich sehr gerührt von dieser Auszeichnung, die er auch schon 2018 erhalten hat:

Ronen Ginzburg: „Es ist eine große Ehre, das zweite Mal in Folge zum Trainer des Jahres gewählt zu werden. Die Auszeichnung macht mich gerade deshalb stolz, weil ich von meinen Trainerkollegen gewählt wurde.“

„Es ist eine große Ehre, das zweite Mal in Folge zum Trainer des Jahres gewählt zu werden. Im Fußball haben die Trainer von Slavia Prag und der Nationalmannschaft einen guten Job gemacht. Beim Eishockey kann ich es nicht bewerten, da kenne ich mich zu wenig aus. Die Auszeichnung macht mich gerade deshalb stolz, weil ich von meinen Trainerkollegen gewählt wurde. Denn die wissen am besten, wie schwer die Arbeit ist. Zwar ist es ein schöner Job, aber auch kein leichter. Wenn man am Ende dann so einen Rückhalt von anderen Trainern bekommt, ist das einfach großartig.“

Voriges Jahr wurde der Israeli Ginzburg dafür geehrt, dass er die Qualifikation zur WM erfolgreich gemeistert hatte. Unter seiner Leitung erkämpfte die Männerauswahl das erste Mal seit 36 Jahren wieder die Teilnahme an einer Weltmeisterschaft. Das Championat wurde im vergangenen Jahr in China ausgetragen, das tschechische Team belegte dort einen sehr guten sechsten Platz. Aber nicht nur deswegen hat Ginzburg viele schöne Erinnerungen an das Turnier im Reich der Mitte. Er hebt den Teamgeist und die Einsatzbereitschaft hervor, durch die die hervorragende Platzierung erst möglich wurde. Ist seine Mannschaft damit aber schon am Ende der Fahnenstange angelangt, oder hat sie vielleicht sogar Potenzial für noch höhere Ziele? Ginzburg hat dazu eine klare Meinung:

Tomáš Satoranský (rechts). Foto: ČTK / AP Photo / Nam Y. Huh
„Man kann immer auf mehr hoffen. Die Spieler haben jedoch Charakter, und da kann man tatsächlich in punkto eines guten Basketballs auch noch mehr erwarten. Für uns steht dieser Charakter an erster Stelle, noch vor der Taktik.“

Nach Aussage von Ginzburg war es aber relativ einfach gewesen, das tschechische Team bei der Weltmeisterschaft zu coachen. Der Grund dafür sei NBA-Spieler Tomáš Satoranský gewesen. Der 28-Jährige war der Dreh- und Angelpunkt im Spiel des tschechischen Teams und dennoch ein Akteur, der sein Können voll und ganz in den Dienst der Mannschaft stellt. Zudem glaubt Ginzburg, dass der Prager noch nicht an seiner Leistungsgrenze angelangt sei:

„Für Tomáš zählt nur der Sieg. Ihm ist es dabei egal, wie viele Punkte er wirft, Hauptsache das Team gewinnt das Match. Langsam beginnt er aber, die Sprache der NBA zu verstehen – und da geht es um Zahlen. Tomáš muss also mehr Punkte erzielen und mehr Assists liefern. Auf der anderen Seite hat er die nötige Übersicht, und wenn jemand günstiger postiert ist, dann gibt er den Ball auch ab. Tomáš lebt seinen Traum, und ich hoffe, dass er noch lange so weitermacht.“

ČEZ Basketball Nymburk (Foto: Tadeáš Bednarz, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)
Aber zurück zu Ronen Ginzburg selbst. Er wurde 1963 in Tel Aviv geboren. Von 1981 bis 1995 spielte er für das israelische Team Beitar aus seiner Geburtsstadt. Danach war er sechs Jahre lang als Trainer bei Vereinen seines Heimatlandes tätig. Im Jahr 2006 wechselte er dann nach Tschechien. Hier war er zunächst Co-Trainer seines israelischen Landsmannes Samuel „Muli“ Katzurin beim Top-Verein ČEZ Basketball Nymburk. 2011 übernahm er selbst den Cheftrainerposten und holte mit den Mittelböhmen sieben Landesmeistertitel und sechs Pokalsiege. Seit Ende 2013 ist er zudem der Headcoach der Nationalmannschaft. Doch wie geht das? Ist es nicht schwierig für einen Ausländer, als Trainer in Tschechien zu arbeiten?

„Zunächst muss ich einmal sagen: Nach den 14 Jahren, die ich mittlerweile in Tschechien lebe, fühle ich mich nicht mehr wie ein Ausländer. Und ich lebe gerne hier“, sagt der Trainer des WM-Sechsten des vergangenen Jahres. Ginzburg bezeichnet Tschechien mittlerweile als sein zweites Zuhause, und er würde auch gern die tschechische Staatsbürgerschaft annehmen:

„Ich hoffe, dass ich sie eines Tages bekommen werde. Ich wünsche mir das und bemühe mich auch, sie zu erhalten. Ich denke, dass ich in Tschechien schon ein gutes Stück Arbeit verrichtet habe. Für mich sprechen die Ergebnisse. Doch ich kann auch sagen, was mir dieses Land bislang alles gegeben hat. Wenn es nur an mir liegen würde, dann wäre ich wohl schon eingebürgert.“

Ginzburg: „Nach den 14 Jahren, die ich mittlerweile in Tschechien lebe, fühle ich mich nicht mehr wie ein Ausländer. Und ich lebe gerne hier.“

Mit einem Augenzwinkern fügt Ginzburg an, dass er aber noch eine zweite Möglichkeit sehe, die Staatsbürgerschaft zu bekommen:

„Die zweite Möglichkeit liegt darin, eine Tschechin zur Frau zu nehmen. Das Problem ist nur, dass ich schon verheiratet bin.“

In seinem Gespräch für den Inlandsender des Tschechischen Rundfunks ist Ginzburg anzumerken, dass er den Pass seines Gastlandes lieber früher als später bekommen will. Dazu muss er allerdings auch einen Tschechisch- Test bestehen. Doch mit der Sprache hapert es noch:

„Das ist für mich wirklich eine harte Nuss. Womöglich habe ich noch nicht den richtigen Lehrer gefunden. Meine Spieler meinen jedoch scherzhaft, das läge an mir, dem Trainer. Ansonsten schlafe ich aber auch so sehr gut.“

Autor: Lothar Martin
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