Leichtathletik-Meeting Golden Spike Ostrava findet mit Zuschauern statt

Foto: Filip Jandourek, Archiv des Tschechischen Rundfunks

Der September hält nun endlich auch für die Leichtathleten einen großen Event in der ansonsten höhepunktarmen Saison bereit: Es ist das internationale Meeting Zlatá tretra Ostrava, das am Dienstag in der mährisch-schlesischen Industriestadt veranstaltet wird. Der erste Tag des Monats hielt für die tschechischen Sportfans indes eine traurige Nachricht parat: Der populäre Eishockeytrainer Miloš Říha ist im Alter von 61 Jahren verstorben.

Das Meeting Zlatá tretra Ostrava, oder in seiner englischen Version auch Golden Spike Ostrava, gehört zu den ältesten Leichtathletik-Veranstaltungen in Europa überhaupt. Die lange Tradition des 1961 ins Leben gerufenen Wettkampftages konnte aber nicht verhindern, dass seine 59. Auflage in diesem Jahr – wegen Corona – vom Frühling auf den Spätsommer verschoben wurde. Das ist allerdings besser als eine Komplettabsage, die zum Beispiel das berühmte Tennisturnier in Wimbledon hinnehmen musste. Die emsigen Organisatoren des Ostrauer Meetings wählten den 8. September als ihren Ausweichtermin. Und sie hatten damit ein glückliches Händchen. Denn in Tschechien hat sich die epidemiologische Lage inzwischen soweit verbessert, dass die Veranstalter jetzt auch wieder Zuschauer zu den Wettkämpfen zulassen können. Wie viele das sein dürfen, das erläutert der Vizechef des tschechischen Leichtathletik-Verbandes, Oldřich Zvolánek:

Arena in Ostrava-Vítkovice (Foto: Jenis, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)

„Laut der Erklärung der Nationalen Sportagentur können bis zu 10.000 Zuschauer bei Veranstaltungen im Freien zugegen sein. Selbstverständlich unter gewissen Beschränkungen. Eine davon ist, dass nur die Hälfte der Stadionkapazität genutzt werden darf. Für uns heißt das, wir können bis zu 7500 Besucher in die Arena lassen. Dazu arbeiten wir die entsprechenden Hygienemaßnahmen aus. Sie werden so angelegt sein, dass sich niemand vor etwas fürchten muss.“

Doch gerade die Angst, die sich wegen der Corona-Pandemie auch unter der tschechischen Bevölkerung breitgemacht hat, ist noch eine der Sorgen, mit denen die Veranstalter zu tun haben. Oldřich Zvolánek:

Karsten Warholm (Foto: Erik van Leeuwen, Wikimedia Commons, GFDL 1.2)

„Wir haben den Kartenvorverkauf am letzten Augustsonntag eingestellt. Jetzt werden wir das Ganze lockern und schauen, was uns das bringt. Ich wünsche mir aber, dass wir die zugelassene Stadionkapazität auslasten.“

Und es gibt auch Hoffnung, dass die Zuschauer im letzten Moment noch ihre Meinung ändern und wieder in großer Zahl zu dem bestorganisierten Leichtathletik-Meeting des Landes kommen. Denn wie die Veranstalter erst am vergangenen Mittwoch verkündeten, hat mit dem zweifachen Weltmeister im 400-Hürdenlauf, dem Norweger Karsten Warholm, in letzter Minute noch ein absoluter Star der Szene seine Teilnahme zugesagt. Warholm hat erst vor kurzem in Stockholm seinen eigenen Europarekord auf 46,87 Sekunden verbessert und sich damit dem Weltrekord, gehalten vom US-Amerikaner Kevin Young, bis auf neun Hundertstel genähert. Er wolle seine gute Form nutzen und diesen Rekord in Ostrau attackieren, ließ Warholm bei seiner Anmeldung wissen.

Ryan Crouser (Foto: jenaragon94, Flickr, CC BY 2.0)

In Ostrau aber werden noch weitere tolle Athleten an den Start gehen. Zu ihnen gehören unter anderem der US-amerikanische Olympiasieger im Kugelstoßen, Ryan Crouser, sein Landsmann Sam Kendricks, der amtierender Weltmeister im Stabhochsprung ist, sowie die beiden Olympiasieger in dieser Disziplin, der Franzose Renaud Lavillenie und der Brasilianer Thiago Braz da Silva. Und nicht zu vergessen ist der vierfache Weltmeister im Dreisprung, der US-Amerikaner Christian Taylor. Er will ebenfalls seinen eigenen Weltrekord angreifen, der bei 17,57 Meter steht.

Auch von tschechischer Seite sind mehrere Top-Athleten dabei wie die Doppel-Olympiasiegerin im Speerwerfen Barbora Špotáková und die zweifache Weltmeisterin Zuzana Hejnová im 400-Meter Hürdenlauf. Beide Sportlerinnen sind indes schon über 30 und so auch über ihren Leistungszenit hinweg. Deshalb schickt sich die frischgebackene tschechische Meisterin im Speerwerfen der Frauen, Nikola Ogrodníková an, den Staffelstab von ihrer Landsfrau Špotáková nun endgültig zu übernehmen. Für den Wettkampf in Ostrau hat sie sich einiges vorgenommen:

Nikola Ogrodníková: „Ich bin froh darüber, dass wirklich Besucher kommen. Denn die Vorstellung, dass auch diesmal das Stadion leer ist, das würde mich schon etwas aus der Fassung bringen. Von daher freue ich auf jeden Zuschauer, der zugegen ist.“

„Ich möchte den Wettkampf aus dem letzten Jahr vergessen machen, bei dem mir nicht viel gelungen ist. Diesmal will ich mich in einem besseren Licht zeigen. Und ich habe vor, die Saison mit einer wirklich guten Leistung abzuschließen. Das bedeutet, ich würde gern um die 65 Meter weit werfen.“

Und wie alle anderen Frauen und Männer, die in Ostrau an den Start gehen, freut sich die Vize-Europameisterin von 2018 schon darauf, nun auch wieder von vielen Zuschauern angefeuert zu werden:

„Ich bin froh darüber, dass wirklich Besucher kommen. Denn die Vorstellung, dass auch diesmal das Stadion leer ist, das würde mich schon etwas aus der Fassung bringen. Von daher freue ich auf jeden Zuschauer, der zugegen ist.“


Miloš Říha: Mit ihm ist Vertreter der alten Trainerschule verstorben

Miloš Říha (Foto: Aleksandr Golowko, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0)

Am vergangenen Dienstag ereilte den tschechischen Sport eine sehr traurige Nachricht: Der anerkannte Eishockeytrainer Miloš Říha, bis vor wenigen Monaten noch Head Coach der Nationalmannschaft, ist im Alter von nur 61 Jahren gestorben.

Anfang August wurde Řiha, der in der Slowakei lebte, wegen gesundheitlicher Probleme in das Roosevelt-Krankenhaus in Banská Bystrica eingeliefert und später in die Prager Spezialklinik für Herzkranke IKEM verlegt. Dort ist er am 1. September verstorben.

Říhas gleichnamiger Sohn gab den Tod seines Vaters öffentlich bekannt und sagte gegenüber dem Internetportal iSport.cz:

„Es ist für uns alle ein unbeschreiblicher Schock, dass uns ein solch toller Mensch, der ein großes Herz hatte, verlassen hat.“

Tomáš Král (Foto: Miloslav Hamřík, Archiv des Tschechischen Rundfunks)

Auch der Chef des tschechischen Eishockeyverbandes, Tomáš Král, reagierte betroffen über die schmerzliche Nachricht:

„Miloš Říha war ein Vertreter der alten Trainerschule und ist in einer Reihe zu nennen mit solchen Größen wie Ivan Hlinka, Vladimír Martinec, Richard Farda oder Vladimír Vůjtek. Ihn zeichnete aus, einen guten Draht zu seinen Spielern zu haben. Trainer mit seinen Fähigkeiten gibt es immer weniger, auch deshalb wird er uns sehr fehlen.“

Aufgrund dieser Fähigkeiten war Miloš Říha senior ein erfolgreicher Trainer im In- und Ausland. Er hat sich sowohl in der multinationalen KHL als auch der tschechischen und slowakischen Extraliga durchgesetzt. Mit Slovan Bratislava wurde er zweimal slowakischer Meister, mit dem HC Pardubice stand er zweimal und mit Atlant Mytishchi 2011 im Finale. Im selben Jahr wurde Říha zum KHL-Trainer des Jahres gewählt. Er trainierte zudem die Teams von Spartak Moskau, Avangard Omsk und SKA St. Petersburg. Als Spieler holte Řiha 1981 mit dem TJ Vítkovice die tschechoslowakische Meisterschaft.

Tomáš Král: „Miloš Říha war ein Vertreter der alten Trainerschule. Ihn zeichnete aus, einen guten Draht zu seinen Spielern zu haben. Trainer mit seinen Fähigkeiten gibt es immer weniger, auch deshalb wird er uns sehr fehlen.“

Nicht zuletzt dank dieser Erfolge ging für Říha im Juni 2018 schließlich ein großer Traum in Erfüllung: Er wurde zum Cheftrainer der tschechischen Nationalmannschaft berufen.

„Für mich ist das ein wunderschöner Moment, meine Gefühle sind unbeschreiblich. Es ist der Höhepunkt meiner Arbeit. Und es ist eine Ehre für mich, in einer führenden Position des tschechischen Eishockeys zu stehen, das eine lange Tradition hat.“

Dies sagte Miloš Říha vor zwei Jahren, nachdem er in Prag einen Zwei-Jahres-Vertrag als Nationalcoach unterschrieben hatte. Damals freute er sich zudem, dass ihn seine erste Weltmeisterschaft als Trainer ausgerechnet in die von ihm sehr geschätzte Slowakei führen wird:

Miloš Říha (Foto: Andrey „Nomad“, Wikimedia Commons, CC BY 3.0)

„Mit dieser Ernennung habe ich nicht gerechnet, und auf einmal bekomme ich solch eine Chance. Dazu ist die WM in Bratislava, also dort, wo ich meine größten Erfolge gefeiert habe. Und jetzt komme ich dorthin zurück als tschechischer Nationaltrainer. Ich kann es eigentlich kaum glauben.“

Aufgrund seines Naturells hatte sich Říha als hingebungsvoller und leidenschaftlicher Trainer einen Namen gemacht. Und genau so führte er seine Schützlinge dann auch bei der Weltmeisterschaft 2019, bei der das tschechische Team sehr gute Leistungen bot, am Ende aber nur den undankbaren vierten Platz belegte. Bei der WM in der Schweiz, die im Mai dieses Jahres stattfinden sollte, wollte es Říha noch einen Tick besser machen und mit der Mannschaft eine Medaille gewinnen. Doch die Corona-Pandemie machte ihm einen Strich durch diese Rechnung. Sowohl die Czech Games als auch die Weltmeisterschaft wurden abgesagt. Deshalb endete Říhas Zwei-Jahres-Vertrag unerwartet früh und ohne den ihm gebührenden würdigen Abschluss. Und so bleibt allen Eishockeyfans in Tschechien immer noch jener Moment von Říha in letzter Erinnerung, als er bei einer Pressekonferenz nach der WM in Bratislava einen Weinkrampf bekam:

„Es ist schade, dass wir nur Vierter geworden sind. In diesem Jahr hätten wir eine Medaille verdient. Die Jungs haben alles dafür getan, und ich weiß nicht, ob der Fehler bei mir lag. Doch ich muss allen danken, wirklich allen.“

Autor: Lothar Martin
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