Litoměřice

Litoměřice (Foto: CzechTourism)

Willkommen liebe Hörerinnen und Hörer, bei einer neuen Ausgabe der Touristensprechstunde von Radio Prag. Am Fuße des Böhmischen Mittelgebirges, dort wo die Elbe und Eger zusammenfließen, liegt eine Stadt, deren Türme schon von weite her ihre Besucher begrüßen. Sie heißt Litomerice (Leitmeritz) und war in der Geschichte eine königliche Stadt, aber auch ein bedeutendes kirchliches Zentrum. Heute steht sie unter Denkmalschutz, als ein schöner und wertvoller Komplex der Gotik-, Renaissance- und Barockbauten. Die Häuser auf dem alten Ring, die Kirchen in der Stadt , mehrere Museen, die Galerie, die Brunnen, die Pestsäule - alle diese Denkmäler warten auf den Besuch, auf den wir uns nun begeben. Gute Unterhaltung wünscht Marketa Maurova.

Litoměřice (Foto: CzechTourism)
Der älteste Teil der Stadt ist der sog. Dom-Hügel, wo sich schon im 8. Jahrhundert eine slawische Siedlung befand. Die Burgstätte, die dort später entstand, war im 10. Jahrhundert eines der bedeutendsten Zentren der Verwaltung des Przemysliden-Staates, und die Burgverwalter zählten zu den bedeutendsten Herrn im Lande. Das Christentum verstärkte zu dieser Zeit seine Position und es entstanden die ersten kirchlichen Institutionen. Die älteste ist das Domkapitel von Leitmeritz, das von dem Fürsten Spytihnev im Jahre 1057 gegründet wurde. Eine große Blütezeit erlebte die Stadt im 13. Jahrhundert, als König Premysl Otakar II. ihre Stadtrechte bestätigte. Das Stadtgericht diente damals für eine lange Zeitperiode als das einzige Berufungsgericht für das nördliche und nordwestliche Gebiet des Königsreiches. Eine bedeutende Rolle spielte Leitmeritz auch zu den Zeiten der Hussitenkriege und danach. Es stand zunächst auf der katholischen Seite, im Jahre 1421 aber, nach einer kurzen Belagerung durch das Zizka-Heer schloss sich Leitmeritz dem Verein der Hussitenstädte an. Nach den Kriegen wurde Leitmeritz eine der bedeutendsten Städte in Böhmen überhaupt.


Litoměřice (Foto: CzechTourism)
Bei der Ankunft in die Stadt fallen jedem Besucher die Stadtmauern ins Auge. Das ursprüngliche Befestigungssystem wurde zur Zeit der Regierung Karls IV. im gotischen Stil gebaut und mit Basteien versehen. Aus dieser Zeit stammt auch der erhaltene Teil der königlichen Burg, der sog. "Neue Palast".

Die Renaissance bestimmte den Charakter der Stadt bis in die heutige Zeit. Der erste Beleg der Renaissance-Baukunst ist das Gebäude des "Alten Rathauses", das im 16. Jahrhundert aus zwei älteren Häusern vom italienischen Baumeister Ambrosio Balli umgebaut wurde. Heute ist in diesem Haus das regionale Museum untergebracht. Die Direktorin des Museums Eva Stibrova spricht über seine Geschichte und Sammlungen.

Das Alte Rathaus (Foto: H2k4, CC BY-SA 3.0 Unported)
"Das Leitmeritzer Museum wurde 1874 als ein Gewerbe-Museum gegründet. Die Handwerker und Zünfte stellten dort ihre Erzeugnisse aus. Das war der Anfang. Später wurde daraus ein Stadtmuseum, das sich später mit dem Diözese-Museum verband und in den 60er Jahren alle ehemaligen Stadtmuseen in der Umgebung vereinigte. Wir haben derzeit etwa 140 Tausend Sammlungsstücke, von denen etwa ein Prozent zu sehen ist. Den Rest zeigen wir in verschiedenen Ausstellungen, die wir etwa 6 bis 8 mal pro Jahr wechseln. Die ständige Ausstellung zeigt die Geschichte der Region von der Urzeit, über das Mittelalter bis zum Jahre 1945. Eines der schönsten Exponaten ist meiner Meinung nach etwa das Modell der Stadt aus dem Jahre 1700."

Soweit die Direktorin des Stadtmuseums in Litomerice, Eva Stibrova. Zurück aber zur Besichtigung der Stadt. Ein weiteres Werk von Ambrosio Balli ist das sog. Kelch-Haus, dessen Turm als Symbol der Stadt dient. Im Kelch-Haus kann man heute ein Informationszentrum besuchen und eine Stadtbesichtigung bestellen. Wir haben dies gemacht und Leitmeritz wurde uns von Katerina Zelezna gezeigt. Interessant und angenehm ist dabei, dass man bei der Stadtbesichtigung überhaupt nicht durch die Stadt wandern muss. Alles ist nämlich aus dem Turm des Hauses zu sehen.

Das Renaissancehaus 'das Kelchhaus' mit dem Aussichtsturm in der Form eines Kelchs (Foto: Miraceti, CC BY-SA 3.0 Unported)
Der Marktplatz, auf dem das Kelch-Haus steht, ist einer der größten in Böhmen. Nicht nur oben, auf dem Platz gibt es aber interessante Sachen zu besichtigen. Leitmeritz hat nämlich auch große unterirdische Räume. In der Mitte des 17. Jahrhunderts kam es in der Stadt zu umfangreichen und großartigen Barockumbauten. Die bedeutendesten Baumeister waren damals Giulio Broggio und sein Sohn Octavio. Sie entwarfen u.a. die St.-Wenzels-Kirche, das Haus "Zu fünf Jungfrauen", oder das ehemalige Jesuiten-Kloster. Verlassen wir nun den Marktplatz und besuchen wir den Dom-Hügel, den ältesten Teil der Stadt. Wir gehen an mehreren Kirchen vorbei, deren heutige Gestalt überwiegend in der Barockzeit geprägt wurde.

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