Macht des Wortes und ihr Missbrauch in totalitären Regimen: Festival Mene Tekel beginnt

Foto: ČTK

Am Montag wurde in Prag das internationale Festival Mene Tekel eröffnet, es wendet sich vor allem gegen den Kommunismus. Im Blickpunkt stehen diesmal die Macht des Wortes und ihr Missbrauch.

Vlasta Preislerová  (Foto: Martina Schneibergová)
Das Lied, das in der Maria-Schnee-Kirche erklang, heißt „Hymna muklů“. Der Begriff „mukl“ ist die Abkürzung für den Ausdruck „muž určený k likvidaci“ – also ein zur Tötung bestimmter Mann. Mehrere der ehemaligen „mukls“, also der ehemaligen politischen Gefangenen waren bei der Eröffnung des Festivals dabei. Veranstaltet wird das Festival jedes Jahr um den 25. Februar herum. Dieses Datum hat eine symbolische Bedeutung, denn am 25. Februar 1948 ergriffen die Kommunisten die Macht in der Tschechoslowakei. Vlasta Preislerová ist die Vizevorsitzende der Konföderation der politischen Gefangenen.

„Bei jedem Jahrgang des Festivals wurde in den vergangenen zehn Jahr den mutigen jungen Menschen von 1948 gedankt, die damals für die Demokratie demonstriert haben. Bei jedem Festival wurde vor dem Totalitarismus in der Welt gewarnt und an die Opfer der totalitären Regimes erinnert. Bitte, vergesst nicht! Das Hauptthema des Festivals in diesem Jahr lautet: das Wort, seine Kraft und ihr Missbrauch.“

Ausstellung im Franziskanerkloster bei der Maria-Schnee-Kirche  (Foto: ČTK)
Ein weiteres Festivalthema sind die Wege des Glaubens und die Wege zur Freiheit. Unter diesem Motto wurde auch ein künstlerischer Wettbewerb für Schüler veranstaltet. Die Siegerwerke sind in einer Ausstellung im Franziskanerkloster bei der Maria-Schnee-Kirche zu sehen. Dazu der Begründer und Direktor des Festivals, Jan Řeřicha:

„Die Kinder haben sich in ihren Werken vor allem auf die Wege zur Freiheit konzentriert. Sie haben zum Ausdruck gebracht, wie sie sich einen derartigen Weg vorstellen. Dies ist nur eine der vielen Ausstellungen, die im Rahmen des Festivals zu sehen sind. Die Wege des Glaubens sind das Thema von weiteren Ausstellungen. Sie beschreiben die Verfolgung der Kirche in der Tschechoslowakei und die gewaltsame Entfernung jedweder geistlichen Dimensionen des Lebens aus der Gesellschaft. Die Folgen davon sind bis heute zu spüren und werden auch noch lange weiter zu spüren sein.“

Jan Řeřicha  (Foto: Martina Schneibergová)
Seit neun Jahren kooperieren die Veranstalter mit der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Karlsuniversität. Die angehenden Juristen befassen sich im Rahmen eines Seminars mit jeweils einem der politischen Prozesse aus den 1950er Jahren. Zum Abschluss des Festivals inszenieren sie dann einen konkreten Prozess im Saal des Obergerichts in Prag. Dazu Jan Řeřicha:

„Es wird der Prozess inszeniert, der unmittelbar auf die Ermordung des Pfarrers Josef Toufar folgte. Toufar starb am 25. Februar 1950 an den Folgen der Folter. Kurz danach wurden zwei Äbte und weitere Kirchenvertreter verhaftet und vor Gericht gestellt. Nach dem Prozess folgte die vom kommunistischen Geheimdienst StB als ,Aktion K´ bezeichnete Zerschlagung aller Ordensgemeinschaften.“

Daniel Herman  (Foto: Martina Schneibergová)
Kulturminister Daniel Herman (Christdemokraten) begleitet das Festival Mene Tekel von Anfang an, das heißt noch bevor er Minister wurde:

„Das Festival Mene Tekel spielt auch heute eine bedeutende Rolle. Die Aufarbeitung der Vergangenheit ist sehr wichtig. Wir müssen uns darum bemühen – und besonders in der heutigen Zeit, in der historische Wahrheiten relativiert werden, was sehr gefährlich ist. Ich bin stolz darauf, dass ich von Anfang an dabei sein konnte. Es freut mich, dass das Festival gut läuft und dass es so auch in der Zukunft bleiben wird.“

Im Blickpunkt des Festivals stehen nicht nur die totalitäre Vergangenheit Tschechiens, sondern auch die Erfahrungen Litauens und Lettlands mit dem Sozialismus. Eine Ausstellung und ein Dokumentarfilm beschreiben die massenhaften Deportationen der litauischen Bevölkerung nach Sibirien, nachdem die Sowjetunion 1941 Litauen annektiert hatte. Auf dem Programm des Festivals stehen neben den Ausstellungen und Filmvorstellungen auch Theateraufführungen, Konzerte sowie Diskussionen.

Das Festival Mene Tekel findet bis 5. März in Prag statt. Die Festivalausstellungen im Kreuzgang des Klosters bei der Maria-Schnee-Kirche sind noch etwas länger zu sehen, und zwar bis 9. März. Der Kreuzgang ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.