Mene Tekel: Orwell als Warnung vor Totalitarismus

Foto: Martina Schneibergová

Ausstellungen, Seminare, Treffen mit Zeitzeugen und Filmvorstellungen – das alles steht auf dem Programm des internationalen Festivals gegen Totalitarismus Mene Tekel. Der 14. Jahrgang startete am Montag in Prag.

Foto: Festival Mene Tekel

Zu Festivalbeginn hat Ex-Kulturminister Daniel Herman in der Prager Stadtbibliothek eine Fotoausstellung eröffnet. Bei dieser Gelegenheit entstand das folgende Gespräch:

Daniel Herman und Daniela Řeřichová (Foto: Martina Schneibergová)
Herr Herman, Sie waren von Anfang an dabei, als das Festival Mene Tekel entstanden ist. Was waren damals Ihre Beweggründe?

„Ich muss vor allem sagen, dass es für mich eine Ehre und eine Freude war, dabei zu sein. Die Grundidee war die Aufarbeitung der Vergangenheit. Die Geschichte muss aufgearbeitet werden, um auch die heutige Zeit verstehen zu können. Das war die Kernidee, mit der Herr Řeřicha damals das Festival ins Leben gerufen hat. Die Zusammenarbeit mit der Konföderation der politischen Gefangenen, mit der Karlsuniversität und weiteren Institutionen sowie dem Kultur- und Bildungsministerium war wichtig, weil es ein Festival ist, das auf professioneller Ebene steht. Die Teilnahme von Historikern und weiteren Experten ist von großer Bedeutung.“

Es ist ein internationales Festival, zu dem Gäste aus vielen Ländern eingeladen wurden. Inwieweit ist diese Dimension des Festivals wichtig?

Foto: Martina Schneibergová
„Die internationale Dimension war von Anfang an wichtig, weil das NS-Regime und der Kommunismus nicht nur die Tschechoslowakei betrafen, sondern auch viele andere europäische Länder. Der Austausch von Erinnerungen und Erkenntnissen mit Experten aus dem Ausland ist eine Bereicherung für das Festival.“

Wie lautet das Motto des diesjährigen Festivals?

„Das Motto ist diesmal das ‚Memento von George Orwell‘. Unter den Gästen ist beispielsweise die britische Schriftstellerin Masha Karp, die viel über Orwell geschrieben hat. Vor 72 Jahren haben die Kommunisten die Macht in der Tschechoslowakei ergriffen. Die Vergangenheit muss auch nach dieser Zeit aufgearbeitet werden.“

Die Festivalveranstalter denken bei der Zusammenstellung des Programms immer an die jüngsten Besucher…

„Die Zusammenarbeit mit den Schulen ist besonders wichtig, weil die kommenden Generationen so zu sagen die Staffel weiter tragen werden. Es gibt eine Reihe von Lehrerinnen und Lehrern, die sehr aktiv sind und mit ihren Schulklassen das Festival besuchen. Etwas von den Zeitzeugen zu hören ist viel effektiver als nur reine Theorie vorzutragen.“

Anna Marie Koubková (Foto: Martina Schneibergová)
Auch in diesem Jahr ist ein Künstlerwettbewerb für den Nachwuchs fester Bestandteil des Programms. Die besten Arbeiten werden im Kreuzgang des Franziskanerklosters bei der Maria-Schnee-Kirche gezeigt. Anna Marie Koubková aus Strakonice hat den dritten Preis gewonnen für ihre Fotografie mit dem Titel „Wege zur Freiheit“. Auf dem Bild ist ein Fenster mit Gittern zu sehen. Über die Entstehung des Fotos sagte die Schülerin:

„Unsere Schulklasse hat einen Spaziergang durch die Stadt gemacht. Das Fenster habe ich fotografiert, da es mir interessant vorkam.“

Anna Marie geht in die vierte Klasse. Mit dem Fotografieren habe sie gerade erst begonnen, gibt sie zu. Aber sie habe schon zuvor einen Preis für eine ihrer Graphiken gewonnen. Antonín Dvořák von der Grundschule in Prag-Zbraslav holte den zweiten Preis für eine kleine Skulptur.

„Ich habe mit meinen Mitschülern zusammengearbeitet. Wir haben kleine Stäbchen mit Zeitungspapier umwickelt. Drauf kam noch eine Masse aus Pappmaché. Ich habe die Figur in der Mitte gebastelt, es ist die mit den gehobenen Armen.“

Eine andere Ausstellung wurde an der Karlsuniversität eröffnet. Sie heißt „Elfmal Dokumentartheater“. Sie erinnert an elf politische Prozesse aus den 1950er Jahren. Diese wurden in den vergangenen Jahren von Prager Jura-Studenten im Gebäude des Prager Obergerichts als Dokumentartheater nachgestellt. Regie führte dabei der Begründer des Festivals Jan Řeřicha, der auch als Direktor das Programm gestalte. Der Regisseur ist im vergangenen Jahr gestorben, die Ausstellung wurde als eine Ehrung an ihn konzipiert.


Das Festival Mene Tekel findet bis Sonntag, 1. März an verschiedenen Orten in Prag statt.