Mehr Gegenwartsmusik, Spitzenkünstler und Tourneen: Tschechische Philharmonie in der nächsten Saison

Die Tschechische Philharmonie hat vor kurzem ihre Pläne für die nächste Saison vorgestellt.

In der bevorstehenden 130. Saison wird die Tschechische Philharmonie nicht nur im Prager Rudolfinum, sondern auch in renommierten Konzertsälen in Ostasien und in Europa auftreten. Dabei soll die Gegenwartsmusik mehr Aufmerksamkeit als zuvor erhalten. Semjon Bytschkow ist Chefdirigent und Musikdirektor der Philharmoniker. Bei einer Pressekonferenz in Prag merkte er zu den Plänen des Orchesters an:

„In der kommenden Saison, in der die Tschechische Philharmonie 130 Jahre jung wird, werden wir in Tschechien und acht weiteren Ländern spielen. Ich möchte nur einige der Konzerte nennen. Im Herbst besuchen wir Taiwan, Japan und Südkorea. Dort spielen wir Werke von Tschaikowski, Smetanas ,Mein Vaterland‘ und Kompositionen von Ravel und Schostakowitsch.“

Semjon Bytschkow | Foto: Petra Hajská,  Tschechische Philharmonie

Im Frühjahr 2026 plant das Orchester dann Konzerte in Belgien, Deutschland, Italien und Luxemburg. Laut Bytschkow werden dort vor allem Werke von Igor Strawinski erklingen. Dies hängt seinen Worten zufolge mit einer Einspielung zusammen. So will die Philharmonie anschließend Strawinskis „Pulcinella“ und „Die Frühlingsweihe“ für das Label Pentatone aufnehmen. Der Chefdirigent ging des Weiteren auf das Repertoire des Orchesters ein:

„Ich möchte auf einige Premieren im Repertoire aufmerksam machen. Dazu gehört das Konzert für Violoncello von Bryce Dessner. Ich hoffe, dass dieses Werk sowie weitere Kompositionen vom Publikum gut aufgenommen werden. In tschechischer Premiere wird zudem ,Frenzy‘ von John Adams erklingen. Es ist ein energisches, virtuoses und sehr melodisches Werk.“

Da die aktuelle Saison bei weitem noch nicht zu Ende ist, ging der Chefdirigent zudem auf wichtige Ereignisse der letzten Monate ein.

Simon Rattle und die Tschechische Philharmonie | Foto: Petra Hajská,  Tschechische Philharmonie

„Die Tschechische Philharmonie wurde im vergangenen Jahr von der britischen Musikzeitschrift Gramophone zum Orchester des Jahres gekürt. Für uns ist die Anerkennung umso bedeutender, als sie sich auf die Stimmen der Öffentlichkeit stützt.“

Semjon Bytschkow wies auf die Konzerte hin, die die Philharmoniker Ende des vergangenen Jahres in den USA und in Kanada hatten.

„Im Dezember sind wir bei einigen Konzerten in der Carnegie Hall in New York sowie in Toronto aufgetreten. Die Konzerte standen im Zeichen der tschechischen Musik, weil 2024 das Jahr der tschechischen Musik begangen wurde. Ich denke, dass die Tournee einen Wendepunkt in der Geschichte der Philharmonie darstellte. Zum letzten Konzert in New York reiste auch Präsident Petr Pavel an. Meiner Meinung nach war das nicht nur eine politische Geste. Der Präsident hat ein volles Programm, fand aber trotzdem die Zeit, um uns persönlich zu unterstützen und zu zeigen, wie viel die klassische Musik und die Philharmonie in Tschechien bedeuten.“

David Mareček ist Direktor der Tschechischen Philharmonie. Über die Neuheiten, die das Publikum in der nächsten Spielzeit erwarten, sagte er gegenüber Radio Prag International:

„In der kommenden Saison erwarten uns drei größere Neuheiten. Erstens ist es die Besetzung des Postens des Residenzkünstlers. Dies wird der Pianist Jewgeni Kissin sein. Er wird sich als Solist mit dem Orchester vorstellen. Zudem wird Kissin im Trio mit dem Geiger Joshua Bell und dem Cellisten Steven Isserlis auftreten. Und schließlich spielt er ein Klavierrezital.“

David Mareček | Foto: Michael Erhart,  Tschechischer Rundfunk

Die Tschechische Philharmonie werde auch einen Residenzkomponisten haben, erläuterte Mareček.

„Es ist der Rockgitarrist Bryce Dessner, der auch Gegenwartsmusik komponiert. Für Anastasia Kobekina schrieb er ein Konzert für Violoncello. Sie wird das Konzert in Weltpremiere unter der Leitung von Semjon Bytschkow spielen. Dessner wird zudem als Gitarrist mit seiner Komposition ,St. Carolyn by the Sea‘ auftreten, unter der Leitung unseres Hauptgastdirigenten Jakub Hrůša. Dessners Kompositionen werden zudem von Ensembles aufgeführt, die bei den Konzerten des Kammermusikvereins auftreten.“

Ein Residenzkomponist muss Mareček zufolge etwa zwei, drei Jahre im Voraus ausgesucht werden. Nach welchen Kriterien richtet sich die Wahl?

„Die Tschechische Philharmonie ist ein konservatives Orchester. Das ist kein Geheimnis. Wir können nicht die progressivste Musik spielen, weil das Orchester daran nicht gewöhnt ist und keine Tradition in diesem Bereich hat. Wir suchen darum nach Musik, die eher traditionell geschrieben ist, aber gleichzeitig dem Maßstab der höchsten Qualität auf internationaler Ebene entspricht. Zudem suchen wir nach einem Komponisten, der für das Publikum interessant sein kann. Bryce Dessner wird selbst auch spielen. In der Zukunft ließe sich ebenso ein Komponist finden, der selbst auch dirigiert. In der Vergangenheit hat dies zweimal bereits Peter Eötvös gemacht. Es gab damals auch beim Orchester ein sehr positives Echo, denn die Musiker sind bemüht, dem Komponisten seinen Wunsch zu erfüllen.“

Als die dritte Neuheit bezeichnete der Direktor der Tschechischen Philharmonie die Erweiterung einer der Abonnementreihen um ein Konzert.

Jakub Hrůša | Foto: Ian Ehm,  Royal Ballet and Opera

„Im fünften Konzert stellt sich von nun an immer ein gastierendes Orchester vor. In der nächsten Saison wird es das London Symphony Orchestra mit seinem Chefdirigenten Antonio Pappano sein. Sie werden Benjamin Brittens ,Sinfonia da Requiem‘ und Mahlers 5. Sinfonie spielen.“

Laut ihrem Direktor wird die Tschechische Philharmonie mehr zeitgenössische Musik als zuvor spielen. David Mareček nennt einige Beispiele.

„Es erklingen Lutosławskis ,Chain III‘ und Dallapiccolas Oper ,Il prigioniero‘ (Der Gefangene). Auf dem Programm stehen zudem Werke von Pierre Boulez, György Kurtág, Olivier Messiaen und viele weitere Kompositionen. Wir haben mit den Dirigenten, die die Konzerte leiten, vereinbart, dass es immer ein Komponist ist, der ihnen nahesteht und der zu dem passt, was außer seinen Werken an dem Abend gespielt wird.“

Die Tschechische Philharmonie wird in der nächsten Saison in 23 Sälen mit 13 Solisten und unter der Leitung von fünf Dirigenten spielen. 30 Konzerte werden außerhalb von Prag veranstaltet. In den prestigeträchtigen Sälen in Ostasien und in Europa wird das Orchester unter der Leitung seines Chefdirigenten und Musikdirektors Semjon Bytschkow spielen. Bei den Festivals in Grafenegg und in Bukarest wird Petr Popelka die Philharmoniker leiten. Die Hauptgastdirigenten bleiben auch in der kommenden Saison Sir Simon Rattle und Jakub Hrůša. Zu den Gastdirigenten gehören unter anderem Giovanni Antonini, Sir Antonio Pappano und Thomas Adès. Nach mehr als 50 Jahren kehrt Zubin Mehta zu den tschechischen Philharmonikern zurück. Er wird das Konzert leiten, mit dem die Samtene Revolution von 1989 gefeiert wird.

Das Abonnement für die nächste Saison der Tschechischen Philharmonie wird seit dem 31. März verkauft. Karten für die einzelnen Konzerte werden ab 1. Juni verkauft. Mehr über das Programm erfahren Sie unter: www.ceskafilharmonie.cz/en