Staatskapelle Dresden, Liederwerke und Konzertreihe „Ohne Krawatte“: Festival „Dvořáks Prag“ beginnt

Festivaldirektor Jan Simon

Mit einem Konzert des hr-Sinfonieorchesters Frankfurt unter der Leitung seines Chefdirigenten Alain Altinoglu wird am Freitag in der tschechischen Hauptstadt das Musikfestival „Dvořákova Praha“ (Dvořáks Prag) eröffnet. Martina Schneibergová hat mit dem Festivaldirektor Jan Simon gesprochen.

Herr Simon, das Festival Dvořákova Praha findet zum 18. Mal statt. Welche Stellung hat es während der Jahre unter den internationalen Musikfestspielen eingenommen?

Foto: Dvořákova Praha

„Es hat viel Aufwand gekostet und einige Jahre gedauert, bis die Öffentlichkeit zur Kenntnis genommen hat, dass es da so ein großes Projekt in Dvořáks Namen gibt. Aber auf der anderen Seite kann man heute sagen, dass nicht nur unter den tschechischen Musikliebhabern, sondern auch international, vor allem in Mitteleuropa, das Festival bekannt geworden ist – und dies auch unter den Musikern. Ich kann mit Freude sagen, dass die wirklich besten Orchester Europas und der Welt gern nach Prag zum Dvořák-Festival kommen und insbesondere gern im Dvořák-Saal im Rudolfinum auftreten. Und die Musiker kommen gern wieder immer wieder zurück. Das ist eigentlich ein wichtiges Zeichen, dass das Festival eine eigene, selbstständige Position im Kontext der europäischen Festivals hat.“

Eine der Konzertreihen konzentriert sich eben auf renommierte Orchester aus der Welt. Welche Orchester gelang es Ihnen diesmal nach Prag zu bringen und mit welchen Dirigenten, beziehungsweise Solisten?

Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks | Foto: Dvořákova Praha

„Es freut uns, dass dieses Jahr ein deutsches Orchester das Festival eröffnen wird, und zwar das Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks mit seinem Chefdirigenten Alain Altinoglu. Es erklingen Dvořáks 9. Sinfonie und sein Cello-Konzert. Solist ist der Supercellist Gautier Capuçon. Aber das Orchester des Hessischen Rundfunks wird nicht nur bei der Eröffnung spielen. Am folgenden Tag führt es mit dem Geiger Julian Rachlin das Violinkonzert d-Moll von Jean Sibelius und zudem die Sinfonie Nr. 8 in c-Moll von Schostakowitsch auf. Wir haben eine wirklich irrsinnige Freude, dass wir endlich das Orchestre National de France mit seinem Chefdirigenten Cristian Măcelaru begrüßen können. Wir haben das Orchester schon 2020 geplant. Leider mussten wir das Konzert während der Corona-Zeit absagen. Das absolute Highlight dieses Jahrgangs ist selbstverständlich die Staatskapelle Dresden mit ihrem Chefdirigenten Daniele Gatti und dem Pianisten Kirill Gerstein.“

Eine besondere Stellung unter den Konzertreihen hat die Dvořák Collection, die jedes Jahr von einem Musiker oder einer Musikerin kuratiert wird. Diesmal ist es die Sopranistin Kateřina Kněžíková. Das bedeutet, dass in der Konzertreihe Lieder erklingen. Hat die Sängerin die Rolle der Kuratorin gleich akzeptiert?

Kateřina Kněžíková | Foto: Petr Weigl,  Dvořákova Praha

„Ich glaube, dass Kateřina sehr erfreut war, weil sie sehr bemüht ist, die Aufmerksamkeit auf die Lieder von Dvořák zu richten. Sie hat bereits viele der Opernrollen gesungen und in den kommenden Jahren wird sie ihr Liederrepertoire auffrischen und erweitern. Ich bin davon überzeugt, dass wir in ihr wirklich eine berufene Kuratorin gefunden haben.“

Sie wird natürlich auch selbst einige Konzerte haben…

Kateřina Kněžíková | Foto: Petr Weigl,  Dvořákova Praha

„Sie nimmt an allen vier Konzerten der Dvořák Collection teil. Zuerst steht das Konzert mit dem Prager Rundfunk-Symphonieorchester unter der Leitung von Robert Jindra auf dem Programm. Die Sopranistin wird zwei Liederzyklen von Antonín Dvořák singen, die ursprünglich nur für eine Stimme und das Klavier geschrieben wurden. Jiří Gemrot, der nicht nur ein Komponist, sondern auch ein Tonregisseur ist, hat die Liebeslieder und die Zigeunermelodien transkribiert und für ein Symphonieorchester arrangiert. Diese Fassung, die im Auftrag des Festivals entstanden ist, wird die Premiere erleben. Danach hat Kateřina drei weitere Konzerte, wo sie mit Bela Adamova Lieder und Duette von Dvořák und Brahms singen wird. Bei einem weiteren Konzert arbeitet sie mit dem Bennewitz-Quartett und dem Pianisten Martin Kasík zusammen. Und zum letzten Konzert lädt sie ihre Kollegen wie Jan Martiník, Roman Hoza und die Pianisten David Mareček und Miroslav Sekera ein. Dieses Konzert heißt ‚Die Abendlieder‘. Es werden Werke von Jaroslav Křička, Bedřich Smetana und Antonín Dvořák erklingen.“

Das Residenzorchester des Festivals ist wieder die Tschechische Philharmonie, aber sie wird nicht mit ihrem Chefdirigenten, sondern mit anderen Dirigenten auftreten…

Robin Ticciati | Foto: Benjamin Ealavoga,  Dvořákova Praha

„Es gibt zwei Konzerte. Bei dem ersten spielt der Geiger und Dirigent Leonidas Kavakos. Bei dem anderen Konzert erklingt ein Werk, das selten gespielt wird, nämlich Schumanns Violinkonzert d-Moll mit der norwegischen Geigerin Vilde Frang. Das Orchester spielt unter der Leitung von Robin Ticciati, der den deutschen Musikliebhabern gut bekannt ist, weil er in Berlin als Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des Deutschen Sinfonieorchesters tätig ist.“

Česká filharmonie | Foto: Petra Hajská,  Dvořákova Praha

Was verbirgt sich hinter der neuen Konzertreihe „Ohne Krawatte“?

Philharmonix | Foto: Max Parovsky,  Dvořákova Praha

„Da sind wir auf das Echo ganz neugierig. Aber wir glauben sehr daran, dass die Reihe Erfolg haben wird. Es geht quasi nicht um eine Konzertreihe, bei der wir sogenannte Crossover-Projekte vorstellen würden. Das Motto lautet: die Spitzenmusiker aus dem klassischen Bereich gehen durch die Genres. Es fängt  mit dem Konzert von Philharmonix an, einem Kammerensemble, in dem einige Musiker der Berliner Philharmonie und der Wiener Philharmoniker zusammenspielen. Der Abend findet im Theater X10 im Prager Stadtzentrum statt. Dann haben wir ein Projekt, das wieder auf die Bestellung vom Festival zusammengestellt wurde, weil es sich nicht nur um die Musik handelt. Es ist halb szenisch, halb musikalisch. Es geht um eine Reflexion der 9. Sinfonie von Antonín Dvořák. Das Projekt heißt ,Sound New World‘, also der ,Klang der Neuen Welt‘. Das Duo Alexey Gudisman und Hyung ki-Joo geht auf das Thema von Dvořáks Symphonie ein. Die beiden Musiker sind auch dadurch berühmt geworden, dass sie oft mit dem Filmmusikkomponisten Hans Zimmer zusammenarbeiten, was sich auch irgendwie in unserem Programm widerspiegeln wird, aber nicht so oberflächlich. Das Projekt wird auch vom Tschechischen Fernsehen aufgezeichnet.“

Sie arbeiten mit dem internationalen Musikwettbewerb Concertino Praga zusammen. Was bietet das Festival den erfolgreichen Teilnehmenden, den Preisträgern an?

„Die erfolgreichsten Teilnehmer bekommen ein Stipendium. Sie bekommen kein Preisgeld, sondern wir zahlen dem ersten Preisträger eine Summe von 5.000 Euro aus. Wir unterstützen die jungen Musiker, wenn sie an einer Masterclass teilnehmen oder sich ein Musikinstrument kaufen wollen oder wenn sie Notenmaterial brauchen. Es ist ein zweckgebundenes Stipendium. Es ist schön, einen Wettbewerb zu veranstalten, aber wir wollen nicht, dass die ganze Geschichte mit dem letzten Ton des Auftritts endet, sondern wir begleiten die talentierten Musiker auch in den weiteren Monaten und Jahren. Und irgendwann kommen sie dann zurück auf das Festivalpodium. Obwohl wir mit dem Tschechischen Rundfunk erst seit 2020 bei diesem Wettbewerb zusammenarbeiten, ist es bereits ein paar Mal passiert, dass gerade die Preisträger von Concertino Praga in den folgenden Jahren auf den Festivalbühnen aufgetreten sind.“

Das Festival „Dvořákova Praha“ findet in der tschechischen Hauptstadt vom 5. bis 23. September statt. Für einige Konzerte gibt es noch Restkarten.

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