Hohe Wohnkosten in Tschechien: Nach der Miete bleibt kaum etwas über

Die finanzielle Lage von Alleinstehenden gestaltet sich in Tschechien je nach Region sehr unterschiedlich. In Prag kann man zwar relativ gut verdienen, aber nach der monatlichen Mietzahlung bleibt dort trotzdem nicht mehr viel übrig.

Wer in Prag allein zur Miete lebt, muss im Durchschnitt drei Viertel seines Nettolohns für die Wohnkosten aufbringen. Dies ist eines der Ergebnisse einer Studie des Unternehmensberaters Moore Czech Republic. Demzufolge bleiben einem Singlehaushalt in der tschechischen Hauptstadt monatlich zum Leben nur noch rund 7000 Kronen (290 Euro) übrig. Moore-Mitarbeiterin Marcela Hrdá informierte in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks auch über das andere Ende des Rankings:

Marcela Hrdá | Foto: Profimedia

„Am besten schneidet der Kreis Ústí nad Labem ab. Dort bleiben einer Person, die allein in einer Mietwohnung lebt, noch mehr als 15.000 Kronen über. Darauf folgt der Mährisch-Schlesische Kreis, und dann der Kreis Vysočina mit 13.800 Kronen.“

13.800 Kronen sind umgerechnet 570 Euro, die Summe für den Kreis Ústí nad Labem entspricht 620 Euro.

Der Analyse liegt das Modell einer alleinstehenden Person in einer 65-Quadratmeter-Wohnung zugrunde. Hinzugezogen wurden öffentlich zugängliche Daten, vor allem das Medianeinkommen in Tschechien aus dem Jahr 2024. Weiter erläutert Hrdá:

„Wir haben die Wohn- und Energiekosten mit dem Mediannettolohn verglichen und nicht nur mit dem landesweiten Durchschnittslohn. Dies hebt nämlich besser die realen Einkommen in den einzelnen Kreisen hervor. Nicht einberechnet haben wir andere laufende Kosten und auch nicht die Ausgaben für Lebensmittel, Freizeit und ärztliche Behandlungen. Unsere finalen Zahlen zeigen also, wieviel jemand nach Abzug der Mietkosten zur Verfügung hat.“

In Prag bleibt nur ein Viertel des Einkommens übrig

Dies ist in Prag also im Landesvergleich am wenigsten. An zweitletzter Stelle des Rankings steht der Südmährische Kreis, wo Alleinstehenden etwa 8000 Kronen (330 Euro) im Monat bleiben. Gerade in der dortigen Kreisstadt Brno / Brünn und eben auch in Prag könnte man vermuten, dass vor allem junge Menschen, etwa Studenten, die Singlehaushalte bilden. Aber Hrdá hat andere Erkenntnisse:

„Wir haben mit einem Modellbeispiel gearbeitet, also nicht nur mit einer bestimmten Altersgruppen – wie etwa den Jungen, von denen man typischerweise annimmt, dass sie allein leben. Im Gegenteil, dieses Stereotyp können wir sogar widerlegen. Unsere Analyse zeigt gerade, dass junge Menschen in Wohngemeinschaften leben müssen, um die Kosten auf mehrere Personen aufzuteilen.“

Aber auch ältere Alleinstehende dürften zu spüren bekommen, was Hrdá noch anfügt: dass nämlich in Tschechien derzeit die Mietpreise schneller steigen als die Löhne. Analysen wie diese sind darum auch interessant für die Sozial- oder die Gesundheitspolitik. Tatsächlich habe die Moore-Studie seit ihrem Erscheinen Anfang Juni ein sicht- und hörbares Medienecho hervorgerufen, bestätigt Hrdá:

„Dass der Wohnkostenanteil an den Gesamtausgaben steigt und Mietwohnungen relativ schnell immer teurer werden, das ist ein Langzeittrend. Diesen registrieren auch die Ämter. Darum kommt eine Diskussion auf, an der sich ebenfalls die aktuelle Regierung beteiligt, nämlich zum Thema Genossenschaftswohnen. Oder auch Mietwohnungen im Besitz der Gemeinden werden immer interessanter.“

Autor: Daniela Honigmann | Quelle: Český rozhlas
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