Wohnheim oder WG? Studienanfänger in Tschechien suchen Dach über dem Kopf

Unterkunft für VŠE-Studenten

Im September haben rund 70.000 junge Menschen in Tschechien ihr Studium an einer der Hochschulen im Land aufgenommen. Bevor aber Vorlesungen und Seminare besucht werden können, müssen sich viele auf die Jagd nach einem Wohnheimplatz oder einem WG-Zimmer begeben.

Der 19-jährige Štěpán aus dem Kreis Plzeň / Pilsen ist einer von Tausenden Studenten in Tschechien, die derzeit auf Wohnungssuche sind. Denn er ist frischgebackener Erstsemesterstudent an der Prager Karlsuniversität:

„Wir suchen eine ganz normale Studentenwohnung für drei Leute. Sie kann ruhig klein sein, 50 Quadratmeter würden uns schon reichen. Wir brauchen eigentlich nur zwei Zimmer und eine Küche.“

Doch die Suche nach einer WG-tauglichen Wohnung gestaltet sich schwierig. Denn nicht nur, dass die Mieten in Prag sehr teuer sind. Auch hohe Kautionszahlungen und Maklergebühren werden vor dem Einzug fällig. Vendula aus Kladno beginnt dieser Tage ihr Studium in Brno / Brünn. Und auch ihr hat die Wohnungssuche Kopfschmerzen bereitet. Schlussendlich fand sich jedoch eine Wohnung, für die sie und ihre Freunde umgerechnet nicht mehr als 330 Euro pro Kopf bezahlen.

„Wir wollten etwas finden, wofür jeder von uns maximal 8000 Kronen bezahlt. Am Ende hat das geklappt. Aber es war schon schwierig, denn viele der Immobilien gehören zur gehobenen Preisklasse.“

Foto: Lucie Suchánková Hochmanová,  Tschechischer Rundfunk

Prag und Brünn sind die größten Studentenstädte, doch auch anderswo in Tschechien stehen die angehenden Hochschüler vor dem gleichen Problem. So sind die Mietpreise fast überall im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent gestiegen. Dies geht aus einer Erhebung des Portals Bezrealitky.cz hervor. Demnach kostet eine Zweizimmerwohnung mit 70 Quadratmetern in Pilsen derzeit 16.500 Kronen (675 Euro), in Brünn 21.000 Kronen (860 Euro) und in Prag satte 27.000 Kronen (1100 Euro). František Brož, der Sprecher von Bezrealitky.cz, geht davon aus, dass sich der Trend zur Wohngemeinschaft künftig fortsetzen wird. „Zudem dürfte sich das Wohnen eher vor die Grenzen der Stadt verlagern. Denn je weiter die Fahrzeit ins Zentrum ist, desto niedriger sind die Mieten“, so der Experte.

Studentenwohnheim | Illustrationsfoto: Marek Stožický,  Radio Prague International

Als Alternative zur WG entscheiden sich viele Tschechen für das Anmieten eines Wohnheimzimmers. Dieses teilt man sich zwar oft mit einer oder mehreren fremden Personen. Die Unterbringung ist im Schnitt aber nur halb so teuer wie in den privaten WGs. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Wohnheimmieten gar nicht oder lediglich um die Inflation angestiegen. Allerdings sind die Zimmer begehrt, und die Kapazität reicht bei weitem nicht aus. Bei der Palacký-Universität in Olomouc / Olmütz etwa sind 5000 Anträge auf einen Wohnheimplatz eingegangen, lediglich 85 Prozent konnte man entsprechen.

Studentenwohnheime im Studentenwohnheim Olomouc 17. listopadu UPOL | Foto: Palacký-Universität

„Wir haben derzeit praktisch keine freien Plätze. Der Großteil der Zimmer ist vollbelegt, nur in Einzelfällen sind noch Betten frei“, sagte Uni-Sprecher Egon Havrlant im August dem Tschechischen Rundfunk.

Die Prager Karlsuniversität als größte Hochschule im Land verfügt über 11.000 Betten in Wohnheimen. Auch dort war im August kein Platz mehr frei. Dennoch besteht Hoffnung für alle, die noch auf der Suche sind…

„Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass viele Interessenten ihre Reservierung später zurückziehen. Die freien Plätze bieten wir dann anderen Interessenten an“, sagt der Sprecher der Hochschule, Jan Bumba.

Studentenwohnheim Hvězda | Foto: Paul-Henri Perrain,  Radio Prague International

Und so hoffen auch Štěpán und seine Freunde, eventuell noch einen Wohnheimplatz zu ergattern – als Plan B:

„Wir würden uns über ein Zimmer freuen, für den Fall, dass es mit der Wohnung nicht klappt. Denn ansonsten bleiben nur noch private Wohnheime, und deren Preise sind oft noch höher als die Miete für eine Wohnung.“

Autoren: Ferdinand Hauser , Tomáš Jeník | Quelle: Český rozhlas
schlüsselwort:
abspielen

Verbunden