Melancholie und Leidenschaft: Das Debütalbum „My Home“ von Tomáš Kačo

Tomáš Kačo

Klassik, Jazz und traditionelle Roma-Musik – all das wird dargeboten von einem einzigen Künstler. Der Pianist Tomáš Kačo hat sich mit fünf Jahren selbst das Klavierspielen beigebracht und seitdem einen sehr persönlichen Stil entwickelt. Vom heimischen Nový Jičín / Neu Titschein aus zog es ihn bald nach Amerika. Seine Roma-Wurzeln sind trotz der internationalen Einflüsse aber immer noch deutlich erkennbar.

Tomáš Kačo | Foto: Dušan Vágai,  Tschechischer Rundfunk

Bis heute behauptet Tomáš Kačo, dass die Interpretation von Musikstücken nie seine starke Seite gewesen wäre. Ganz offensichtlich hat er sich dank seines musikalischen Talentes und seiner Ausdrucksstärke aber schnell an der Konkurrenz vorbeigespielt. Kačos eigene Bescheidenheit kann leicht widerlegt werden durch einen Blick auf seinen Bildungsweg: Dieser begann am Konservatorium in Ostrava / Ostrau, führte weiter an die Musikakademie in Prag und fand seinen Höhepunkt am angesehenen Berklee College of Music im amerikanischen Boston. Kačo blieb daraufhin in den USA und arbeitet dort weiter an seiner eindrucksvollen Karriere.

Tomáš Kačo | Foto: Jan Kaliba,  Tschechischer Rundfunk

Tomáš Kačo tritt bei weitem nicht nur als Solopianist auf. Er komponiert und arrangiert zudem Musik für Chöre und Orchester und widmet sich außerdem der Filmmusik. Amerikanische Kritiker loben seine Fähigkeiten, traditionelle Melodien neu zu bearbeiten. Oft wird er als „The opener“, also „der Öffner“ bezeichnet. Sein bisher größter Erfolg war ein Konzert in der Carnegie Hall im Februar 2018. Unter dem Titel „Gypsy Soul“ (zu Deutsch: Zigeuner-Soul) spielte er eigene Kompositionen ebenso wie Interpretationen von Stücken von Johann Sebastian Bach und Frédéric Chopin. In der Mischung aus Jazz und Klassik, aus Roma- und auch tschechischen Einflüssen sollte „jeder Zuhörer in der Musik seine eigene Geschichte finden“.

Tomáš Kačo | Foto:  Archiv von Tomáš Kačo

Das Talent Kačos weiß man auch in seiner Heimat zu schätzen. So wurde er ausgewählt, das feierliche Auftaktkonzert zu spielen, wenn Tschechien am 1. Juli die EU-Ratspräsidentschaft übernimmt. Zu diesem Anlass wird der Pianist seine Komposition „Stronger Than Yesterday“ als Weltpremiere aufführen.

Wir wollen aber heute Stücke aus Kačos Debütalbum „My Home“ aus dem Jahr 2018 spielen. Daran waren gleich mehrere Gastmusiker beteiligt, allen voran der mehrfache Grammy-Preisträger John Patitucci am Bass. Zu hören sind zudem der Prager Kühn-Kinderchor und Kačos jüngere Schwester Veronika. Die Produktion übernahm der tschechische Musiker Ondřej Gregor Brzobohatý.

Tomáš Kačo | Foto: Tschechisches Fernsehen

Im Liederverzeichnis finden sich eine Jazz-Improvisation der Volksweise „Široký, hluboký“ (zu Deutsch: Weit und tief), eine Variation von Chopins Nocturne in Es-Dur, die melancholische Ballade „My Home“ oder das Roma-Stück „Kamahas Pes“ – das Lieblingslied von Kačos Großmutter, das ihn an seine Kindheit erinnert.