Modernisierung tschechischer Bahnstrecken: Technik ersetzt Weichenwärter

Die Zahl der Signalwärter bzw. Weichensteller bei der tschechischen Eisenbahn nimmt ab. Sie werden nach und nach durch Computer ersetzt (Archivfoto)

Der Beruf des Weichenwärters ist ein Auslaufmodell. Auf der Zugstrecke zwischen Prag und Kladno etwa werden sie bald komplett von Computern abgelöst.

Da, wo Schienen sich teilen, kommt der Weichenwärter zum Einsatz. Vor allem in Bahnhöfen richtet er die Gleise so aus, dass ein Zug den vorgesehenen Weg findet. Das macht Ota schon seit rund 30 Jahren...

„Ich bin ein analoger Mensch in einer digitalen Welt. Darum ist dies für mich immer noch ein goldenes Handwerk.“

Ota bedient den Weichenhebel am Bahnhof Prag-Veleslavín. Dafür nimmt er den Anfahrtsweg aus dem heimatlichen Olomouc / Olmütz auf sich. Das sind 250 Kilometer Entfernung. Und über die Bedeutung seiner Arbeit hat Ota keine Zweifel:

Foto: Lenka Žižková,  Radio Prague International

„Ich sichere die Bahnstrecken ab. Indem ich die Signale einstelle, können die Züge passieren. Man könnte sagen, dass es wie bei einem dressierten Affen ist. Aber die Arbeit ist interessant. Nur leider ist es bald damit vorbei.“

Derzeit beschäftigen die Tschechischen Bahnen (ČD) 973 Weichenwärter. Vor vier Jahren waren es noch 1146. Mit der Modernisierung des Streckennetzes übernehmen die neuen Technologien immer mehr Aufgaben – und eben auch die Weichenstellung. Die Maschinen seien jedoch kein perfekter Ersatz für die Menschen, findet Ota:

„Wenn etwas ausfällt, können wir noch von Hand eingreifen, damit nichts passiert und die Züge weiterkommen. Wenn aber ein Computer streikt, dann bleibt er dunkel, und nichts fährt mehr.“

30 Weichenwärter brauchen neuen Job

Dem Fahrdienstleiter in Veleslavín stehen immer zwei Weichenwärter zur Seite – jeweils einer an jeder offenen Seite des Bahnhofs. Daniel Mencl ist Lektor bei der Eisenbahnverwaltung (SZ) und erläutert:

„Der Dienstleiter gibt die Order zur Vorbereitung einer Zugfahrt aus. Er bestimmt, woher und wohin welcher Zug auf welches Gleis fährt, und gibt dies an das Stellwerk durch. Auf dieser Grundlage können die Weichenwärter das Manöver regulieren, und der Zug kann losfahren – entweder in Richtung Dejvice oder Ruzyně.“

Für diese Tätigkeit werden laut Mencl aber nach der anstehenden Modernisierung keine Menschen mehr nötig sein...

„Einige der hiesigen Weichenwärter werden dann an anderen Bahnhöfen eingesetzt. Wir wollen nicht, dass ihnen gekündigt wird, denn jede Hand und jeder Erfahrungswert sind hilfreich. Und die jüngeren Mitarbeiter sind für Qualifikationskurse als Fahrdienstleiter vorgesehen.“

Foto: René Volfík,  Tschechischer Rundfunk

Auf der gesamten Strecke zwischen dem Masaryk-Bahnhof in Prag und dem knapp 30 Kilometer entfernten Kladno sind heute 30 Weichenwärter im Einsatz. Derzeit wird neben dem bisherigen Gleis noch ein zweites angelegt, und in naher Zukunft sollen hier vollelektrisierte Züge verkehren. Der Umbau sieht auch eine neue Zwischenstation am Václav-Havel-Flughafen vor. Der Pressesprecher der Eisenbahnverwaltung, David Kabele, schildert den aktuellen Stand:

„Bereits abgeschlossen sind die Holzfällerarbeiten. Derzeit laufen die Baggereinsätze und die Anlegung von Zufahrtsstraßen. Zudem wurde schon damit begonnen, provisorische Bahnübergänge einzurichten und das künftige Gleisbett vorzubereiten. Alles läuft nach vorgegebenem Zeitplan.“

Der Abschluss des Modernisierungsprojektes ist für das Jahr 2032 vorgesehen.

Autoren: Daniela Honigmann , Josef Beneda | Quelle: Český rozhlas
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