Mohyla miru - Friedensmahnmal bei Slavkov / Austerlitz

Mohyla miru

Das wohl bekannteste Denkmal, das an die Schlacht von Austerlitz erinnert, ist das Friedensmahnmal, das bei der Gemeinde Prace steht, acht Kilometer von Slavkov / Austerlitz entfernt. Neben dem Mahnmal, das im Tschechischen "Mohyla miru" bezeichnet wird, wurde auch ein Museum errichtet. Zum Besuch des Friedensmahnmals laden Sie Martina Schneibergova und Lothar Martin im folgenden "Reiseland Tschechien" ein.

Das Friedensmahnmal "Mohyla miru" wurde auf Initiative des katholischen Priesters Alois Slovak erbaut. Den Vorschlag zur Errichtung eines würdigen Denkmals für die gefallenen Soldaten unterbreitete Slovak schon Anfang der neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts. Aber erst 1910 wurde mit dem Bau begonnen. Der Leiter der Gedenkstätte Josef Vecera dazu:

Mohyla miru
"Pater Slovak war Religionslehrer in Boskovice / Boskowitz. Er kannte sich sehr gut in der Geschichte aus, insbesondere im Geschehen rund um die Schlacht von Austerlitz. Er spazierte oft durch die Gegend, die einst Schauplatz einer blutigen historischen Schlacht war. Deshalb entschied er sich, dort ein Denkmal zu errichten, um aller Gefallenen von Austerlitz zu gedenken."

Der Bau wurde damals zum Teil von Russland, Österreich und auch Frankreich finanziert. Von den sechs vom Prager Professor Josef Fanta vorgelegten Entwürfen wurde schließlich der Entwurf mit dem Titel "Mohyla miru" - wortwörtlich übersetzt "Grabhügel des Friedens" - verwirklicht. Architekt Fanta war kein Unbekannter, nach einem Entwurf von ihm wurde beispielsweise das Gebäude des Prager Hauptbahnhofs erbaut. Josef Vecera über das Denkmal:

Mohyla míru
"Es wurde im Jugendstil erbaut. Das Denkmal ist 26 Meter hoch und stellt eine Dominante in der Landschaft dar. Es befindet sich in der Mitte des einstigen Schlachtfelds. An den Ecken stehen vier Statuen der Schildträger, die die drei beteiligten Armeen symbolisieren - die russische, die österreichische und die französische. Die vierte Statue stellt einen mährischen Schildträger dar, weil sich die Schlacht auf mährischem Gebiet abspielte. Am interessantesten ist an diesem Bau die unglaubliche Akustik des Innenraums, in dem sich eine Kapelle befindet. Wenn zwei sich diagonal gegenüber in den Ecken stehende Menschen etwas flüstern, hören sie sich sehr gut. Diese akustische Besonderheit wurde durch Zufall entdeckt."

Die Schlacht, die im Museum unweit des Denkmals dokumentiert ist, hat in der Region zahlreiche Spuren hinterlassen. Die Schrecken der Kämpfe werden in der Volkspoesie und in Volksliedern geschildert. Es werden aber auch noch ganz konkrete Spuren der Schlacht gefunden, wie Josef Vecera bestätigt:

"Wenn die Bauern das Feld pflügen, stoßen sie auch heute noch auf Gegenstände, die von der Ausrüstung der drei Armeen stammen. Es passiert ebenso, dass Menschen bei Wanderungen Kugeln finden, die aus der napoleonischen Zeit stammen. Sie bringen diese Funde oft zu uns ins Museum und wir kümmern uns dann um eine fachliche Beschreibung beziehungsweise die Renovierung der Gegenstände. Es ist auch schon passiert, dass beim Bau eines Familienhauses Massen- oder Lazarettgräber entdeckt wurden. Ein solches Grab wurde vor etwa zehn Jahren gefunden, als bei der Raststätte Rohlenka ein McDonald-Imbiss erbaut wurde."

Was jedoch bislang nicht gefunden wurde und worüber es verschiedene Legenden gibt, ist der so genannte "Schatz von Austerlitz". Man erzählt, dass die russische Armee hier am 2. Dezember 1805 die Kriegskasse vergraben hatte in der Befürchtung, dass die Fässer mit Gold- und Silbermünzen in die Hände der Franzosen geraten könnten. Später wollte man die Kasse angeblich abholen. Dazu ist es jedoch nie gekommen. Vor kurzem ist sogar ein Buch über den legendären Schatz erschienen, sagt der Museumsleiter:

"Die Verfasser befassen sich eingehend mit den Hypothesen, wo sich dieser Schatz befinden könnte. Ich lade also alle Hörerinnen und Hörer zum Spaziergang durch die Umgebung von Slavkov ein, damit sie sich nach dem versteckten Schatz umsehen können, der da angeblich liegen soll."

Das Wort angeblich muss betont werden, denn es ist nach wie vor unklar, ob es diesen Schatz überhaupt gegeben hat. Einige Teilnehmer der Historikerkonferenz, die vor kurzem zum Thema "Die Schlacht von Austerlitz" in Prag stattfand, haben auf die Frage nach dem Schatz eher skeptisch reagiert.

Anlässlich des 200. Jahrestags der Schlacht von Austerlitz wurde im Museum, das unweit des Friedensdenkmals errichtet wurde, eine neue multimediale Ausstellung eröffnet, die dem Besucher ein emotionales Erlebnis vermitteln kann. Jaromir Hanak, der das Libretto der Ausstellung verfasste, beschreibt die Idee, die allem zugrunde lag:

Schlacht von Austerlitz
"Ein historisches Ereignis wie die Schlacht von Austerlitz, das seine politische Folgen hatte und die Militärgeschichte beeinflusste, enthält auch Geschichten von einzelnen Menschen, die darin verwickelt waren. Viele von ihnen wurden verletzt, viele kehrten nicht mehr nach Hause zurück. Die ursächliche Idee der Ausstellung ist daher die Geschichte des Menschen in der Schlacht. Diejenigen, die sich eher für den Ablauf der Kämpfe interessieren, können diese Informationen im faktographischen Teil der Ausstellung finden."

Die neue Ausstellung hat Jaromir Hanak zufolge zwei Ebenen - die individuelle emotionale Ebene und die klassische Ebene, die über die Fakten informiert. Da das Museum der Region von Brünn, dem das Museum von Mohyla miru angehört, nicht über ausreichend Exponate verfügt, die eine ausführliche Ausstellung über die Ereignisse von 1805 ermöglichen würden, entschieden sich die Museumsmitarbeiter dafür, die klassische Schau mit einer multimedialen Präsentation zu kombinieren. Woher stammen die beeindruckenden Filmaufnahmen?

"Sie stammen aus dem Film ´Krieg und Frieden´, den der russische Regisseur Sergei Bondartschuk nach dem gleichnamigen Roman von Leo Tolstoi gedreht hat. Wir haben das Filmmaterial genutzt, um dem Besucher des Museums die grausame Atmosphäre zu vermitteln, die die Teilnehmer der Schlacht erlebten. Es ist uns zum Glück gelungen, einen entsprechenden Vertrag mit der russischen Seite zu schließen, um einige der Filmaufnahmen benutzen und digital bearbeiten zu dürfen. Das Filmmaterial diente uns auch als Grundlage für die Präsentation."

Über mangelndes Interesse konnten sich die Mitarbeiter des Museums auch vor der Eröffnung der modernen Ausstellung nicht beklagen. Viele der Besucher kommen aus dem Ausland, sagt Museumsleiter Josef Vecera:

"Die meisten ausländischen Touristen kommen aus Frankreich, weil sie sehen wollen, was sich hier abgespielt hat, und weil sie der gefallenen Soldaten gedenken wollen. In der Gruft unter der Kapelle des Denkmals wurden übrigens nicht nur Angehörige der französischen Armee, sondern auch der beiden anderen Armeen bestattet. Viele Besucher kommen aus Deutschland und aus Österreich. Es waren aber ebenso schon Touristen aus Neuseeland, Südafrika und Neu-Guinea da. Oft kommen auch Interessenten aus Russland beziehungsweise aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion zu Besuch."

Sonne von Austerlitz
Bislang versuchte aber dem Museumsleiter zufolge keiner der russischen Touristen nach dem legendenumwobenen Schatz zu fahnden. Die Hobbyhistoriker können sich jedoch in der Region von Austerlitz mit weiteren Legenden vertraut machen, die einen mehr oder weniger wahren Kern haben dürften. Es wird zum Beispiel behauptet, dass in den Dörfern, die zwischen Brno und Slavkov liegen, seit der Schlacht von 1805 viel häufiger französische Familiennamen vorkommen als vorher. Es ist bestätigt, dass sich dort einige Deserteure und Verletzte aus der Armee Napoleons niedergelassen hatten. Viele französische Namen tauchten jedoch bereits vor 1805 dort auf. Denn militärische Truppen sind auch schon früher durch Mähren gezogen. Außerdem hatten sich französischsprachige politische und religiöse Emigranten in Südmähren niedergelassen. In der Gemeinde Tvarozna / Bosenitz und Umgebung findet man heute noch Namen wie Burget, Cikl, Hodan, Irain, Mercineri, Remes und andere mehr.

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