In München geht´s los: Film und Loos

Jan Hřebejks ‚Die Unschuld’

Das Tschechische Zentrum in München lädt bereits zum zwölften Mal im Rahmen der Tschechischen Filmwoche ins Kino ein. Vom 11. bis 15. Juli wird eine aktuelle Auswahl an Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilmen gezeigt. Neu im Programm ist die Closing Party im Club Substanz und der Filmbrunch im Bavarese. Radio Prag spricht mit der Leiterin des Zentrums, Zuzana Jürgens, über das Programm im Juli.

Ausstellung „Tradition Loos – Ein Blick auf Beispiele in Tschechien“ (Foto: Archiv des Tschechischen Zentrums München)
Sommerferien gibt es nicht nur an Schulen, sondern auch an Theatern, Konzerthäusern und – in den Tschechischen Zentren. Deswegen blicken wir heute zum letzten Mal vor der Sommerpause ins Programm des Tschechischen Zentrums in München. Im Juli ist dort allerdings noch einiges los. Am Dienstag wurde eine Ausstellung eröffnet, die noch bis Ende des Monats läuft. Ihr Titel lautet „Tradition Loos – Ein Blick auf Beispiele in Tschechien“. Die Ausstellung stellt den Architekten Adolf Loos in einem bisschen anderen Licht dar als gewöhnlich, nämlich nicht als Pionier der modernen Architektur. Frau Jürgens, stimmt das?



„Dass wir in dieser Ausstellung einen etwas anderen Blick auf Adolf Loos werfen, das stimmt. Es ist ein Ausstellungsprojekt, das die Kuratorin Helena Doudová vorbereitet hat. Sie ist Kulturmanagerin der Robert-Bosch-Stiftung und arbeitet am Architekturmuseum der Technischen Universität München. Sie hat sich mit diesem Thema auseinandergesetzt und auch einige Beweise dafür zusammengetragen, dass Loos sich nicht nur an der Moderne ausgerichtet hat, sondern dass es bei ihm auch Verbindungen zur architektonischen Tradition gibt. Die Ausstellung zeigt nicht nur seine Pläne und Entwürfe, sondern auch einige Modelle. Es ist nicht nur ein interessanter und neuer Blick auf sein Werk, sondern gleichzeitig erinnern wir auch daran, dass es in den letzten Jahren neue Funde zu Adolf Loos gab - zum Beispiel Innenräume, die in Pilsen entdeckt wurden.“

Rostislav Švácha (Foto: Karolína Jirkalová)
Gehen seine traditionsbezogenen Entwürfe mit den modernen Projekten Hand in Hand? Oder hat er zunächst traditionelle Bauten entworfen und erst später sich der Moderne und dem Funktionalismus zugewandt?

„Das ist eine interessante Frage, aber ich fürchte, Sie müssten sie der Kuratorin Helena Doudová stellen. Wie gesagt, es ist ihr Thema, mit dem sie sich auseinandergesetzt hatte, und so weit möchte ich eigentlich nicht gehen. Ich muss allerdings auch sagen, dass einiges zu Adolf Loos im Rahmen des Symposiums besprochen wurde, das vor der Vernissage der Ausstellung am 3. Juli stattfand. Da waren Rostislav Švácha und Ákos Moravánszky zu Gast, also zwei hervorragende Architekturhistoriker.“

Die Ausstellung „Tradition Loos – Ein Blick auf Beispiele in Tschechien“ zeigt also im Tschechischen Zentrum anhand von Plänen, Fotografien und Modellen die Bauten von Adolf Loos in Tschechien. Das Tschechische Zentrum in München lädt im Juli aber auch ins Kino ein…

‚Czech Made Man’ von Tomáš Řehořek
„In der Tat. Wir veranstalten bereits zum zwölften Mal die Tschechische Filmwoche in München. Sie findet in der Regel im Sommer statt, im Juni oder Juli. Dieses Jahr beginnen wir am 11. Juli im Neuen Arena-Kino, das allerdings seit diesem Jahr Arena-Filmtheater heißt. Wir freuen uns sehr über ein breites Programm und in diesem Jahr auch über einige Neuigkeiten. Wir eröffnen mit dem Film ‚Czech Made Man’ von Tomáš Řehořek. Dieser Regisseur, Jahrgang 1986, gehört zu der jüngsten Generation der Filmemacher in Tschechien. Von ihm stammt auch der Abschlussfilm ‚Piko’. Dies ist ein gespielter Dokumentarfilm über die Entstehungsgeschichte der tschechischen Droge Pervitin. Das ist derzeit auch interessant, weil insbesondere in den Grenzgebieten die Probleme mit Drogen, Drogenschmuggel und Drogensucht insgesamt sehr gestiegen sind. In dem Film kann man sich darüber informieren, wie das alles begonnen hat.“

Jan Hřebejks ‚Die Unschuld’
Die Tschechische Filmwoche hat bereits eine gewisse Tradition. Wie werden die Filme ausgewählt, die ins Programm aufgenommen werden? Ist es vor allem eine Schau der tschechischen Filme des vergangenen Jahres?

„Genau. Es geht um die aktuellen tschechischen Filme der letzten zwei Jahre. Wir treffen die Auswahl in Zusammenarbeit mit dem Filmfestival Finále in Pilsen, wo jedes Jahr im April die neueste Filmproduktionen aus Tschechien präsentiert werden. Und was ich wichtig finde: Wir als Tschechisches Zentrum machen das nicht alleine, sondern haben Partner auch hier vor Ort, nämlich die Münchner Volkshochschule und seit diesem Jahr auch den Verein ‚Ahoj Nachbarn’. Für mich ist es sehr wichtig, bei der Programmzusammenstellung den Blick sozusagen von außen zu haben. Es zeigt sich jedes Jahr, dass das tschechische Kino trotz aller Vielfalt doch gewisse gemeinsame Themen hat. Für dieses Jahr oder für die letzten zwei Jahre sind es die Familie, die privaten Beziehungen und die sozialen Strukturen in der Familie. Das zeigt sich auch in unserem Programm. Das gilt für Jan Hřebejks ‚Die Unschuld’, ein Drama über eine fast intime Familiengeschichte, aber auch für eine Dokumentation von Jana Počtová mit dem Titel ‚Generation Singles’ über Leute zwischen Dreißig und Vierzig, die sich entschieden haben, alleine zu leben. Und auch ‚Das Haus’ von Zuzana Liová, ein hoch gelobter Film au dem vergangenen Jahr, ist so eine intime Familiengeschichte.“

Jana Počtová
Die Filmwoche bringt nicht nur neue Filme, sondern auch, wie Sie gesagt haben, einige Neuigkeiten, was die Veranstaltungen angeht…

„Es gibt zwei Neuigkeiten. Die Filmwoche geht bis Sonntag, den 15. Juli, und am Samstag veranstalten wir eine Party im Münchner Club ‚Substanz’ mit dem DJ Filip Černý und mit tschechischer Musik. Und am 15. Juli gibt es einen Film-Brunch im Restaurant Bavarese mit einem Gespräch mit Andreas Ströhl. Er war langjähriger Leiter des Münchner Filmfests, arbeitet beim Goethe-Institut und war einige Jahre auch am Goethe-Institut in Prag tätig. Daher ist er auch ein großer Kenner des tschechischen Kinos. Und die tschechische Filmszene wird durch die Regisseurin Jana Počtová vertreten sein. Ich bin sehr gespannt, wie diese beiden neuen Veranstaltungen beim Publikum ankommen, ich hoffe natürlich gut.“