Musterung in der k. u. k. Monarchie: Museumsnacht in Králíky

Foto: Martina Schneibergová

Die Nacht der Museen fand am vergangenen Samstag nicht nur in der tschechischen Hauptstadt statt. Auch in der ostböhmischen Stadt Králíky / Grulich waren die Museen bis in die späten Nachtstunden geöffnet. Die Museumsnacht stand dort im Zeichen des bevorstehenden 100. Jahrestags des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs.

Bunker K-S 14 (Foto: Martina Schneibergová)
Das ostböhmische Králíky hat etwa 4.500 Einwohner. In dem historischen Städtchen befinden sich jedoch überproportional viele Museen und Gedenkstätten. Hauptmagnet der Museumsnacht war der am Stadtrand stehende Bunker K-S 14. Er ist Bestandteil der Grenzbefestigung, die in den 1930er Jahren als Militäranlage gegen Nazi-Deutschland dienen sollte. Dank einer Bürgerinitiative wurde vor etwa zehn Jahren im Bunker ein Museum eingerichtet. Auf dem Gelände vor dem Museum wimmelte es am Samstag bereits am Nachmittag von Besuchern und das Programm, inklusive der Musik, stand im Zeichen der k. u. k. Monarchie und des 100. Jahrestags des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs.

Foto: Martina Schneibergová
Die Besucher des Areals konnten am Eingang Kerzen für das Thronfolgerpaar anzünden, das beim Attentat von Sarajevo ermordet wurde. Unter dem Motto „Wie unser Urgroßvater gemustert wurde“ konnte man in einem Zelt erleben, wie die Soldaten zum Krieg eingezogen wurden. Der Chef der Musterungskommission trug eine Uniform und diktierte dem Beamten die Angaben:

„Gemeinde Grulich, politischer Bezirk Senftenberg, tauglich, der nächste …“

Auf einer Landkarte und in einem ausgestellten Verzeichnis konnten die Besucher dann schauen, bei welchem Regiment der Urgroßvater gelandet war. Der Hauptinitiator der Aktion war Richard Sicha:

Richard Sicha (Mitte). Foto: Martina Schneibergová
„Derartige Musterungen spielten sich in dieser Region wirklich ab. Für den reibungslosen Verlauf war zum Teil auch die Zivilverwaltung verantwortlich. In der Musterungskommission saß neben den Offizieren und dem Arzt auch der Bürgermeister. Die Männer von hier wurden damals zum Infanterieregiment nach Litoměřice / Leitmeritz geschickt.“

Richard Sicha zufolge sind sehr viele der hiesigen deutschsprachigen Bewohner im Ersten Weltkrieg gefallen.

„Es gab hier einst ein Denkmal für die Gefallenen, es liegt jedoch hinter dem Rathaus in der Erde verschüttet. Eine kleine Replik des Denkmals befindet sich im Garten hinter dem Stadtmuseum. Bislang hat die Stadt noch nicht entschieden, wann beziehungsweise ob das Original ausgegraben wird. Es wäre eine anspruchsvolle Aufgabe für die Restauratoren, das Denkmal in Stand zu setzen, denn nach einer so langen Zeit unter der Erde droht dem Stein der Zerfall. Auf dem Gedenkstein stehen die Namen der Gefallenen und die Verluste waren hier sehr groß.“

Klosterareal auf dem Muttergottesberg bei Králíky (Foto: Martina Schneibergová)
Bei der Nacht der Museen war auch die Gedenkstätte für verfolgte Geistliche geöffnet. Diese war vor zwei Jahren im Klosterareal auf dem Muttergottesberg bei Králíky auf Initiative von Richard Sicha eingerichtet worden. Zudem war das Stadtmuseum zugänglich, die Dauerausstellung konnte man am Samstagabend beim Kerzenlicht besichtigen.

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