Nach Brandanschlag auf Rüstungskonzern: Debatte um Sicherheitsvorkehrungen in Tschechien
In Pardubice kam es am Freitag zu einem Brandanschlag auf dem Gelände eines tschechischen Rüstungskonzerns. Die Firma stellt unter anderem Drohnen für die Ukraine her. Während die Polizei auf Hochtouren ermittelt, hat der Vorfall auch eine Diskussion über die Sicherheit entsprechender Betriebe in Tschechien hervorgerufen.
Das Feuer brach am Freitag nach 4 Uhr morgens in den Gebäuden des Rüstungskonzerns LPP Holding in Pardubice aus. Betroffen waren ein Bürokomplex und ein Bau mit Komponenten für optoelektronische Geräte. Verletzt wurde niemand, der Sachschaden liegt einer Firmensprecherin zufolge bei mehreren Hundert Millionen Kronen. Wie Polizeipräsident Martin Vondrášek am Freitag sagte, gehe man von vier möglichen Tathergängen aus, bei allen bestehe der Verdacht auf Brandstiftung. Die Oberstaatsanwaltschaft stufte den Fall als mutmaßlichen Terroranschlag ein.
Wegen des Brandes kam am Freitag zunächst der Krisenstab des Innenministeriums zusammen, anschließend tagte der staatliche Sicherheitsrat (BRS). Innenminister Lubomír Metnar (Partei Ano) sagte hinsichtlich einer möglichen Anhebung der Terrorwarnstufe im Land:
„Nach Auswertung der nachrichtendienstlichen Informationen sind wir zu dem Schluss gekommen, die Stufe B beizubehalten. Diese gilt bereits seit geraumer Zeit, schon bevor es im Nahen Osten zum derzeitigen Konflikt kam. Aktuell liegen keine Informationen vor, die eine unmittelbare Sicherheitsbedrohung nahelegen.“
Kurz nachdem am Freitag die ersten Meldungen über den Brand eingetroffen waren, veröffentlichte das Nachrichtenportal Aktuálně.cz ein Bekennerschreiben. Es stammt von einer einer Gruppierung, die sich „The Earthquake Faction“ nennt und auch ein Video veröffentlicht hat, das die Tat zeigen soll. Mit dem Legen des Feuers wolle man den „israelischen Genozid in Gaza“ verhindern, hieß es. Hintergrund: Die LPP Holding hatte Ende 2023 angekündigt, innerhalb von zwei Jahren eine gemeinsame Fertigungsstätte mit der israelischen Firma Elbit Systems in Tschechien zu bauen. Dort sollten Drohnen für das Militär entwickelt und produziert werden.
„Die LPP Holding hat die Zusammenarbeit mit Elbit Systems schließlich aber nie aufgenommen. Es kam zu keiner Produktion israelischer Drohnen in unserem Werk“, sagte nun LPP-Konzernsprecherin Martina Tauberová. Stattdessen stellt der Betrieb übereinstimmenden Berichten zufolge unter anderem Drohnen für das ukrainische Militär her.
Während die Polizei und die Nachrichtendienste weiter auf Hochtouren nach den Tätern fahnden, hat der Vorfall auch eine Debatte über die Sicherheit von Rüstungsbetrieben in Tschechien losgetreten. Denn Premier Andrej Babiš (Partei Ano), der als Reaktion auf die Lage seine Reise nach Budapest abgebrochen hat, sagte am Freitagabend nach der Sitzung des Sicherheitsrates:
„Die Produzenten von militärischem Material und anderen Waffentechnologien, alle tschechischen Firmen, die in diesem Bereich in unserem Land tätig sind, sollten ihre Grundstücke absichern. Das war bei der betroffenen Firma nicht der Fall. Es gab dort zwar einen Nachtwächter, ein Einbrechen war aber sehr leicht.“
Die LPP Holding wies die Vorwürfe am Wochenende zurück. Das Areal sei standardmäßig und gesetzeskonform gesichert gewesen, hieß es. Mehrere Firmen, die militärisches Material herstellen, gaben mittlerweile aber bekannt, die Sicherheitsvorkehrungen an ihren Werken als Reaktion auf den Vorfall in Pardubice erhöht zu haben. Zu diesen Unternehmen zählen etwa der Flugzeugproduzent Aero Vodochody oder der Sprengstoffhersteller Explosia.







