Nach dem EU-Beitritt keine Essigwurst und Olmützer Quargel mehr?

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Jede Klopapierrolle muss ein Meter vor ihrem Ende eine sichtbar angebrachte Warnung haben - dies legt eine EU-Richtlinie fest. Stimmt das - ja oder nein? Wissen Sie, wohin wir uns begeben? fragen die Autoren des Werbespots und verweisen auf eine gratis EU-Info-Hotline. Worüber sich Tschechen dabei im Februar informiert haben, erfahren Sie von Dagmar Keberlova.

Das Plakat mit der Klopapierrolle, mit dem Bürger in verschiedenen tschechischen Städten im vergangenen Monat konfrontiert waren, war absichtlich eher provokativ ausgerichtet. Der Grund dafür war der Koordinatorin Ota Vlckova von der Bürgervereinigung Spiralis zufolge die Tatsache, dass Tschechen oft die Europäische Union als eine Institution wahrnehmen, die ihnen etwas verbieten will, beispielsweise die typische Essigwurst und Olmützer Quargeln von der Speisekarte streichen will. Das Plakat sowie verschiedene Werbespots in mehreren Radiosendern sollten einfach bei dem Bürger Interesse an dem EU-Beitritt Tschechiens wecken, ohne anzudeuten, ob dieser gut oder schlecht sei. Wie viele Menschen der Klopapierwarnung geglaubt haben, sagte uns Petr Pirochta direkt von der EU-Info-Hotline:

"Von den Menschen, die mit uns kommuniziert haben, fragten viele, ob der Plakattext der Wahrheit entspreche. Ungefähr jeder Fünfte, der bei uns angerufen hat, glaubte, dass es so eine Bestimmung in der EU tatsächlich gibt."

Pirochta zufolge glauben dies in den meisten Fällen Menschen, die eher EU-skeptisch sind und wenig Informationen über die EU haben. Doch bei ca.3/4 der insgesamt über 2000 Anrufe im Februar, in dem die Kampagne lief, kam es nicht einmal zu einem Gespräch, da die Menschen nur neugierig waren, ob die Telefonnummer wirklich besetzt ist. Aber auch spezifische Fragen waren laut Pirochta keine Ausnahme. So fragte z. B. ein Tischler, was sich für ihn nach dem EU-Beitritt Tschechiens ändern werde, wenn er seine Ware nach Deutschland exportiert. Mich hat interessiert, ob die Operatoren vielleicht auch im Rahmen dieser Kampagne eine Frage bekamen, die sie nicht beantworten konnten:

"Dies ist uns relativ oft passiert, dass wir die richtige Antwort nicht gewusst haben. Darauf waren wir aber vorbereitet und haben dann auf offizielle Beratungs- und Informationsstellen hingewiesen."

Dies war auch einer der Ziele der gerade zu Ende gehenden Aktion, den Druck der Öffentlichkeit auf die Informationsstellen zu steigern und sie somit zur größeren Effizienz zu zwingen, denn bis heute leisten diese laut Pirochta weniger gute Arbeit. Gute Arbeit wäre aber gerade für einen erfolgreichen EU-Beitritt Tschechiens unbedingt notwendig, da bereits mehrmals bewiesen wurde, dass mangelnde Informiertheit der Bürger und wenig Interesse nach wie vor ein gravierendes Problem bleiben.