Nachrichten Donnerstag, 09. März, 2000

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Amerikanischer Nachrichtendienst will FBI-Büro in Prag errichten

Das amerikanische FBI will noch in diesem Jahr ein Büro in Prag eröffnen. Entsprechende Gespräche habe US-Außenministerin Madeleine Albright während ihres dreitägigen Besuchs in Tschechien geführt, meldete die Nachrichtenagentur CTK am Mittwoch. Das Büro soll zur Bekämpfung der russischen Mafia beitragen, die in der Vergangenheit Stütz- und Rückzugspunkte in mittel- und osteuropäischen Ländern aufgebaut hat. Berichten zu Folge will das FBI bereits im März auch ein Büro in Budapest eröffnen.

Tschechische Gewerkschaftervereinigung sieht Warnstreik als Erfolg an

Als erfolgreich stufte die Assoziation der Selbständigen Gewerkschaften am Mittwoch den von ihr organisierten und am selben Tage in Tschechien durchgeführten Warnstreik ein. Bereits in den frühen Vormittagsstunden hatten rund 200 tschechische Landwirte mit einer Straßen-Blockade die wichtigste Verkehrsader in der Hauptstadt Prag für eine halbe Stunde lahmgelegt, während in den Mittagsstunden nicht weniger als 200 Personenzüge für durchschnittlich acht Minuten ihre Fahrt unterbrachen. Dem Vorsitzenden der Vereinigung, Bohumír Dufek, zufolge richtete sich der Streik gegen die grassierenden sozialen Probleme im Lande, und zwar vornehmlich gegen die wachsende Arbeitslosigkeit, die in vielen Betrieben mehrfach ausgebliebenen Lohnzahlungen und die vom Staat beabsichtigte Renten- und Sozialreform. Dem Streik der insgesamt sieben tschechischen Gewerkschaften hatten sich auch die Flugdispatcher angeschlossen, doch in der Mehrheit war er unter den Gewerkschaftern auf Unverständnis und Abneigung gestoßen bzw. in Unkenntnis gar nicht durchgeführt worden. Weitere Einzelheiten zum Warnstreik der Gewerkschafter hören Sie in unserem anschließenden Tagesecho.

Arbeitslosigkeit ging leicht zurück - Inflation stieg weiter an

Die in Tschechien registrierte Arbeitslosenrate ist Ende Februar gegenüber dem Vormonat leicht zurückgegangen. So wurden zum 29. Februar etwas mehr als 506.000 Arbeitslose registriert, was einer Arbeitslosenrate von 9,7 Prozent entspricht, während es Ende Januar noch über 508.000 Arbeitslose bzw. 9,8 Prozent waren. Das teilte das tschechische Ministerium für Arbeit und Sozialwesen am Mittwoch gegenüber der Nachrichtenagentur CTK mit.

Demgegnüber stieg - wie das Tschechische Statistische Amt informierte - die Inflationsrate im Februar dieses Jahres auf 3,7 Prozent im Vergleich zum selben Monat des Vorjahres an. Das bedeutet einen Zuwachs von 0,3 Prozent zum Januar 2000, als noch eine Inflationsrate von 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr registriert wurde.

Industrieunternehmen mehrheitlich zufrieden mit wirtschaftlicher Situation

Überwiegend als zufriedenstellend schätzen die tschechischen Industrieunternehmen ihre derzeitige wirtschaftliche Situation ein. Insgesamt 57 Prozent von ihnen bewerteten im Februar ihre wirtschaftliche Situation als zufriedenstellend, 35 Prozent bezeichneten sie als gut und nur acht Prozent als schlecht. Das geht aus einer im Februar vom Tschechischen Statistischen Amt durchgeführten Umfrage hervor, an der sich knapp 1000 Industrieunternehmen beteiligten, die mehr als die Hälfte des Umsatzes der tschechischen Industriebetriebe repräsentieren.

Assoziation der europäischen Senate gegründet

Die Vorsitzende des tschechischen Senats Libuse Benesová und ihr französischer Amtskollege Christian Poncelet sind Mitbegründer der Assoziation der europäischen Senate. Die erste Sitzung der Assoziation wird nächste Woche in Frankreich stattfinden. Der französische Senatschef Christian Poncelet weilt derzeit zu einem Arbeitsbesuch in Prag. Mit seiner Amtskollegin Libuse Benesová kam er dabei am Mittwoch überein, dass die tschechisch-französischen Beziehungen hervorragend, überdurchschnittlich und unkonventionell seien. Trotzdem könne die Zusammenarbeit im Wirtschaftsbereich verbessert werden, meinten beide Politiker.

Erklärende Tafel für "antisemitischen Text" auf Prager Karlsbrücke enthüllt

Die Stadtverwaltung von Prag hat am Mittwoch eine der bekanntesten Figuren der Karlsbrücke mit einer erklärenden Tafel ergänzt. US-amerikanische Juden hatten sich im September 1999 über den "antisemitischen Beitext" der Kreuzigungsgruppe aus dem Jahr 1696 beschwert. Darin wird in drastischen Worten an den Juden Elias Backoffen erinnert, der seinerzeit wegen Gotteslästerung zur Renovierung der Figuren verurteilt worden war.

Der Prager Bürgermeister Jan Kasl hatte der Tafel zugestimmt, auf der der Hintergrund des beanstandeten Textes erläutert wird. Für die jetzt angebrachte Tafel hatte sich auch US-Außenministerin Madeleine Albright ausgesprochen. Das Anbringen des erklärenden Textes auf der Karlsbrücke sei ein bemerkenswerter Akt der Toleranz, zitierten Rundfunkstationen in Prag am Mittwoch aus einem Grußwort der gebürtigen Tschechin.

Zollfahnder entdeckten Zwischenlager der Balkan-Drogen-Mafia

Spezialisten der tschechischen Zollfahndung haben am Mittwoch ein großes Zwischenlager der Balkan-Drogen-Mafia bei der mährischen Stadt Olomouc/Olmütz aufgespürt. Die mehrere Monate andauernde Fahndung mündete dabei in dem Fund von abgepackten Stoffen zur Herstellung von Aufputschmitteln, bei deren Verkauf die Drogenhändler auf dem Schwarzmarkt einen Preis von 40 Millionen Kronen (rund 2,2 Millionen Mark) erzielt hätten, sagte der Sprecher der Olmützer Zollorgane Jirí Barták gegenüber der Nachrichtenagentur CTK.

Tschechischer Rundfunk führt zum 20. Male Blutspendenaktion durch

Bereits zum 20. Male hat der Tschechische Rundfunk am Mittwoch seine Blutspendenaktion "Daruj krev s Ceským rozhlasem" durchgeführt. Erstmals hatte er seine Aktion vor fast genau fünf Jahren, am 9. März 1995, durchgeführt. Innerhalb dieser zurückliegenden fünf Jahre haben mehr als 15.000 Leute ihr Blut bei dieser Aktion gespendet.

Und hier die aktuelle Wettervorhersage:

Am Donnerstag zieht eine Schlechtwetterfront über die Tschechische Republik. Tagsüber wird es vorwiegend bewölkt bis bedeckt sein, örtlich ist mit Regen oder Schauern zu rechnen. Die Tageshöchsttemperaturen erreichen Werte bis zu 12 Grad Celsius.

Die weiteren Aussichten: Am Freitag und Samstag bleibt es unbeständig und regnerisch. Es wird überwiegend bewölkt sein, örtlich ist mit Regen oder Schauern zu rechnen. Die Nachttemperaturen gehen auf 5 bis 1 Grad zurück, die Tageshöchstwerte liegen am Freitag zwischen 5 und 9 Grad und am Samstag zwischen 7 und 11 Grad Celsius.