Nachrichten Samstag, 26. September, 1998

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Willkommen bei Radio Prag, heute mit dem Regionaljournal und dem Prag-Spaziergang. Zu Beginn die Nachrichten mit Andrea Kopelentova.

Havel-USA-Russland

Wie der tschechische Präsident Vaclav Havel am Samstag gegenüber dem Tschechischen Rundfunk erklärte, habe er bei seinem USA-Besuch den Eindruck gewonnen, dort herrsche eine unverständliche Angst vor dem russischen Atomareal. Dabei sei dieses - so Havel - veraltert. Angebracht sei dagegen - so Havel weiter - die Angst vor sich selbst und erst dann vor Russland. Er habe während seines Besuches wiederholt versichern müssen , dass es sich bei der russischen Krise um den gleichen Transformationsprozess wie bei den anderen postkommunistischen Staaten handle mit dem Unterschied, dass das, was hier 15 Monate, dort 15 Jahre dauere. In Bezug auf die Nato-Osterweiterung habe ihm Jelcin einmal privat anvertraut, dass er gegen eine solche nicht sei, wobei später öffentlich das Gegenteil behauptet wurde. Westlichen Finanzhilfen Russland gegenüber äusserte sich Havel skeptisch.

Premier Zeman für enge Zusammenarbeit mit Nationalbank

Der tschechische Premier Milos Zeman sähe laut Tageszeitung Lidove noviny (Samstag) in der Tschechischen Nationalbank am liebsten Banker, die für eine Senkung der Zinssätze plädieren. Eines der Kriterien für die Wahl in den Aufsichtsrat im kommenden Jahr soll seiner Ansicht nach die Einstellung zur derzeitigen sozialdemokratischen Regierung darstellen. Zeman verspricht sich laut LN von der personellen Neubesetzung mehr Einfluss auf die Währungspolitik der institutionell unabhängigen Nationalbank, der Expremier Tosovsky vorsteht.

ODS will in den Herbstwahlen gegen alle siegen

Die stärkste Oppositionspartei ODS hat heute ihr Programm für die Senats- und Kommunalwahlen verabschiedet, das gegen die Sozialdemokraten und die restlichen Oppositionsparteien mobilisieren soll. Ausserdem wurde beschlossen, gegen den von den Sozialdemokraten geplanten Haushaltentwurf 98 mit einem Defizit von rund 30 Milliarden Kronen zu stimmen.

Tschechisch-deutsche, tschechisch-österreichische Beziehungen

"Die Zeit der Gesten in den tschechisch-deutschen Beziehungen ist vorbei" und "diese dürfen nicht mit den tschechisch- sudetendeutschen gleichgesetzt werden" - so Pavel Tigrid von der tschechischen Präsidialkanzlei am Freitag gegenüber der ctk, die parallel auf das kürzliche Prag-Treffen des österreichischen Präsidenten Thomas Klestil mit Havel verwies. Havel hatte in Reaktion auf Forderungen österreichischer Sudetendeutscher die Bereitschaft zu einer Versöhnungsgeste signalisiert, angesichts des bilateralen Vertrags von 1974 klargestellt, dass diese nur eine moralische sein könne und mit Experten konsultiert werden müsse. Ein solcher ist nach Ansicht des Politologen Rudolf Kucera Pavel Tigrid. Kucera zufolge wäre eine solche Versöhnungsgeste zudem eine Angelegenheit der tschechischen Regierung und des Parlaments.

Angekündigte kommunistische Demonstrationen in Prag

Eine für Freitag angemeldete Demonstration der kommunistischen Jugendorganisation gegen Faschismus und das Münchener Abkommen von 1938 sowie für Solidarität mit dem Volk im Iran und den Irak vor der deutschen Botschaft in Prag und dem Gebäude des Radiosenders Freies Europa fand wider Erwarten nicht statt.

Tschechien-Ungarn-Polen für Serbien-Kosovo-Einsatz der Nato

Ihre Zustimmung zu dem Nato-Entschluss vom Donnerstag bezüglich eines eventuellen Lufteinsatz überm Kosovo und Serbien erklärten am Freitag in Warschau die Vorsitzenden der Parlamentsausschüsse für Auswärtiges und Verteidigung aus Tschechien, Ungarn und Polen. In einer Zehn-Punkte-Erklärung unterzeichneten die Vertreter aller drei Länder im polnischen Sejm ausserdem die Prinzipien ihrer zukünftigen Zusammenarbeit in den Bereichen des Nato-Beitritts, der Militärindustrie und Kooperation der Armeen.

EU-Tschechien-Agrarpolitik

Eine für die Anpassung der Landwirtschaftspolitik im Rahmen der EU-Integration zuständige tschechische Delegation kehrte am Freitag von Verhandlungen aus Brüssel zurück. In Ergebnis bilateraler Verhandlungen, die sich vor allem dem REchtsrahmen des GEtreidesektors widmeten, erklärte der tschechische Delegationsleiter Suchman, dass die Schaffung einer verzweigten Agentur für den Getreideverkauf sowie Kenntnisse für die Verwaltungs- und Verteilungsprozesse aus Brüssel erforderlich seien, bzw. ein Informationszentrum für das Ressort und ähnliches wolle man auf den Beitritt vorbereitet sein.

EU-Tschechien

Zu Beginn kommender Woche besucht EU-Kommissar Karl van Miert, zuständig für Angelegenheiten des Wirtschafswettbewerbs, Prag. Vorgesehen sind Verhandlungen mit Regierungsvertretern und Parlamentariern. Vorausgegangen war ein Polen-Besuch, bei dem er die polnische Subventionspolitik kritisiert hatte. Das tschechische Kabinett soll kommenden Mittwoch einen Neuentwurf des von der EU-kritisierten Lotteriegesetzes behandeln.

EU-Tschechien-Roma

Ausserdem werden Vertreter des Europa-Rats im nordböhmischen Usti nad Labe erwartet, die dort den Fall der durch die internationale Presse gegangenen Teilungsmauer zwischen Roma und Nichtroma eines Stadtviertels begutachten wollen. Bei dem Besuch handelt es sich um einen Programmteil des 6. Treffens der EU-Expertengruppe für Roma-Angelegenheiten, das gemeinsam mit der tschechischen Regierung organisiert wurde.

Tschechien-Ungarn-Polen-EU

Die Chefunterhändler für die EU-Integration Tschechiens, Ungarns und Polens werden sich zum Zwecke der Koordinierung ihres Vorgehens kommende Woche in Polen treffen.

Benefizveranstaltung zugunsten von Behinderten

Eine Benefizauktion des tschechischen Präsidentenpaares erbrachte für deren Stiftung Vision fast eine Million Kronen, die körperlich Behinderten zugute kommen sollen.

Sport

Das tschechische Tennisteam der Männer konnte sich gegen das südafrikanische behaupten und qualifizierte sich für die Teilnahme am Davis-Cup im nächsten Jahr.

Soweit die Nachrichten. Viel Spass mit dem folgenden Wochenendprogramm!