Nachrichten Sonntag, 17. September, 2000

r_2100x1400_radio_praha.png

Österreichische Atomkraftgegner wollen mit Präsident Havel und Premier Zeman sprechen

Österreichische ökologische Bürgerinitiativen, die regelmäßig kurzfristige Blockaden der österreichisch-tschechischen Grenzübergänge organisieren, um gegen das AKW Temelin zu protestieren, verlangen, die Inbetriebnahme des ersten Reaktors des AKWs hinauszuschieben und Gespräche mit dem tschechischen Premier Milos Zeman und mit Präsident Vaclav Havel aufzunehmen. Wenn ihre Forderungen erfüllt werden, sind die Umweltfreunde bereit, auf weitere Blockaden vorläufig zu verzichten. Österreichische Atomkraftgegner haben am Freitag wieder für zwei Stunden die Grenzübergänge nach Tschechien blockiert.

Zeman will mit österreichischen Atomkraftgegnern nicht verhandeln

Der tschechische Premier Milos Zeman hat auf einer Pressekonferenz am Samstag im südmährischen Znojmo/Znaim erklärt, er werde mit den Vertretern österreichischer ökologischer Initiativen über das Atomkraftwerk Temelin nicht verhandeln. Zeman fügte hinzu, österreichische Umweltaktivisten seien für ihn keine Gesprächspartner.

Havel: IWF-Tagung stellt für Tschechien eine Anerkennung und Herausforderung dar

Die Tatsache, dass Prag die erste Stadt in einem postkommunistischen Land ist, die Gastgeber der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank sein wird, stellt nach Meinung von Präsident Vaclav Havel eine außerordentlich hohe Anerkennung für die Tschechische Republik dar. Die Tschechische Republik knüpft damit auf die besten Traditionen aus der Zeit an, als sie sich an der Errichtung dieser Finanzinstitutionen beteiligte. Dies erklärte Vaclav Havel im Gespräch für die Samstagsausgabe der Tageszeitung Mlada fronta Dnes. Er erklärte weiter, dass es sich gleichzeitig um eine große Verpflichtung und Herausforderung handelt. "Auch wir sollten die Verantwortung für die Welt, für ihre weitere Entwicklung und dafür übernehmen, in welchem Zustand wir sie den nächsten Generationen hinterlassen werden," meinte der Präsident. Er unterstrich die Notwendigkeit des gegenseitigen Dialogs und der Suche nach Antworten auf verschiedene Fragen - wie z.B. die Not, soziale Gerechtigkeit oder die nachhaltige Entwicklung.

Gegner der Globalisierung bereiten sich in einem Camp auf Demos vor

Die Gegner der Globalisierung, die sich in einem mittelböhmischen Dorf auf Protestaktionen gegen die Politik des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank vorbereiten, haben am Samstag ihr Camp für Journalisten geöffnet. In dem Camp lernen junge Menschen aus Tschechien sowie aus dem Ausland u.a. in Situationen reagieren, die mit Protestaktionen zusammenhängen. Darüber informierte der Sprecher der Initiative gegen ökonomische Globalisierung Viktor Piorecky die Nachrichtenagentur ctk.

In der Karlsbader Region musste man am Freitag mit längeren Wartezeiten rechnen

Bis zu drei Stunden mussten am Freitag Nachmittag die Autofahrer bei der Anreise aus Deutschland nach Tschechien auf den Grenzübergängen in der Region von Karlovy Vary/Karlsbad warten. Der Grund der längeren Wartezeiten waren verschärfte Kontrollen im Zusammenhang mit den erwarteten Protestaktionen gegen den Internationalen Währungsfonds und die Weltbank. Die Zöllner kontrollieren sorgfältiger als sonst Waren, deren Einfuhr in die Tschechische Republik verboten ist oder die nur in beschränkter Menge eingeführt werden dürfen.

Mitglieder der serbischen Oppositionsbewegung "Otpor" demonstrierten in Prag

Prag ist am Samstag eine der vielen Städte in der ganzen Welt geworden, wo die Mitglieder der serbischen Oppositionsbewegung Otpor auf die Straße gingen, um einen demokratischen Verlauf der bevorstehenden Präsidentschaftswahlen in Jugoslawien zu unterstützen. Ungefähr 20 Angehörige der Jugendbewegung, die einen demokratisch gewählten Staatspräsidenten und nicht den autoritären Slobodan Milosevic haben möchte, begaben sich von dem Kreuzherrenplatz am Fuße der Karlsbrücke zur jugoslawischen Botschaft. Der Sinn der Protestaktion war es, die jugoslawische Öffentlichkeit zu unterstützen, damit sie an den Wahlen teilnimmt, und auch auf die Tatsache hinzuweisen, dass die im Ausland lebenden Jugoslawen keine Möglichkeit haben, an den Wahlen teilzunehmen.