Nationaltheater: Entlassung des Direktors wirft Fragen auf

Ondřej Černý (Foto: ČTK)

Vergangene Woche Freitag entließ Tschechiens Kulturministerin Alena Hanáková den Direktor des Nationaltheaters, Ondřej Černý. Der unerwartete Schritt rief Proteste hervor, vor allem weil die Ministerin in einem Interview seltsam unvorbereitet wirkte und wenig stichhaltige Argumente vorbringen konnte. Am Dienstag legte sie dann auf einer Pressekonferenz die Gründe für ihren Schritt offen – die Kritik aber bleibt.

Ondřej Černý (Foto: ČTK)
„Frau Ministerin, ich frage sie: was hat Ondřej Černý falsch gemacht. Eine einfache Frage.“

Aber Kulturministerin Alena Hanáková konnte am vergangenen Freitagabend einfach keine klare Antwort auf die hartnäckigen Fragen der Fernsehmoderatorin finden. Immer wieder sprach sie von Prozessen, die nicht richtig gelaufen seien und von einer Transformation, die nicht so schnell durchgeführt werde, wie es gewünscht gewesen sei.

Bei dieser Transformation geht es um die Vereinigung der beiden großen Bühnen der Hauptstadt, der Staatsoper mit dem Nationaltheater. Das Projekt, angeschoben von Hanákovás Vorgänger Jiří Besser, ist umstritten. Und anscheinend hängt damit auch die Abberufung von Direktor Černý zusammen. Sagen wollte dies aber nicht einmal der Betroffene selbst. Černý´s Worte gaben vielmehr Raum für Spekulationen:

Alena Hanáková (Foto: ČTK)
„Es ist offensichtlich, dass die Gründe für meine Abberufung, die die Ministerin den ganzen Tag wiederholt, nicht die wahren Gründe sind und sie selbst nicht die Initiatorin meiner Abberufung ist.“

Diese Behauptung wurde von einem Artikel auf einer Internetplattform gestützt, in dem Finanzminister Kalousek in den Mittelpunkt der Affäre gerückt wurde. Er sei der Strippenzieher hinter den Kulissen. Nahrung erhielt diese Spekulation durch die Ernennung eines vorübergehenden Direktors für das Nationaltheater. Die Wahl der Ministerin fiel auf ihren Stellvertreter für Wirtschaftsfragen, Martin Sankot. Und der gilt als ein Vertrauter des Finanzministers.

Martin Sankot (Foto: ČTK)
Gleichzeitig rief der Schritt aber Empörung in der Öffentlichkeit hervor: Eine Initiative rief mittels einer Petition die Ministerin zum Rücktritt auf, zahlreiche offene Briefe von Kulturschaffenden stießen in dasselbe Horn. Von einem dreisten Fall politischer Einflussnahme der Politik auf die Kultur war die Rede. Der Leiter des Ballett-Ensembles, Petr Zuska, verkündete sogar die Bereitschaft, in den Streik zu treten.

Die Kulturministerin selbst verweigerte jede weitere Stellungnahme, sie wolle erst mit der Führung des Nationaltheaters verhandeln. Am Dienstag trat sie dann vor die Mikrofone und begründete ihre Entscheidung mit einer Überprüfung der Abläufe im Theater durch ein Wirtschaftsprüfungsunternehmen.

Petr Zuska (Foto: ČTK)
„Die Ergebnisse dieser Überprüfung haben gezeigt, dass das Theater weder in ökonomisch noch organisatorisch guter Verfassung ist, dass der Direktor die Institution nicht unter Kontrolle hat, sie faktisch nicht führt und dass man unter diesen Bedingungen keine ökonomische Effektivität wie künstlerische Entwicklung erwarten kann. Die Analyse weist zudem darauf hin, dass der Direktor weder vom künstlerischen Personal noch von den anderen Angestellten als Autorität wahrgenommen wurde.“



Nationaltheater (Foto: CzechTourism)
Starker Tobak also. Die Ministerin hob noch hervor, dass es nicht sie gewesen sei, die diese Analyse in Auftrag gegeben habe, sondern ihr Vorgänger. Die Kritiker wollten sich mit der Begründung aber nicht zufrieden geben. Die Streikbereitschaft der einzelnen künstlerischen Ensembles steht weiter im Raum und die Petition zur Abberufung der Ministerin haben bereits mehr als 2000 Menschen unterzeichnet.