NATO-Russland-Rate

Summit, Foto:CTK

Die Woche geht langsam zu Ende - Zeit für uns wie immer an dieser Stelle, im Spiegel der Medien noch einmal auf einige ihrer wichtigsten Ereignisse zurückzublicken. Im Mittelpunkt dieser Sendung steht die am Dienstag in Rom besiegelte engere Zusammenarbeit zwischen der Nordatlantischen Allianz und Russland im Rahmen des NATO-Russland-Rates - ein Ereignis, dem die Kommentatoren der hiesigen Tageszeitungen in der zurückliegenden Woche besondere Aufmerksamkeit widmeten.

Summit, Foto:CTK
Dass die NATO und Russland künftig enger zusammenarbeiten wollen und dafür am Dienstag in Rom ein neues Gremium ins Leben gerufen haben - den NATO-Russland-Rat - wurde von Staatspräsident Vaclav Havel klar begrüßt. Aufmerksamen Beobachtern wird jedoch nicht entgangen sein, dass Havel sich noch im letzten Jahr äußerst skeptisch gegenüber einer zu starken Annäherung der beiden Seiten geäußert hatte.

Was bedeutet die Gründung des NATO-Russland-Rates für die Tschechische Republik als ehemaligen Warschauer-Pakt-Staat? Dies fragten wir zunächst den stellvertretenden Chefredakteur der wirtschaftsorientierten Zeitung Hospodarske noviny, Joachim Weidemann:

Soweit Joachim Weidemann von Hospodarske noviny. Der Chefkommentator der Zeitung Lidove noviny, Petr Fischer, sieht in der Schaffung des neuen Gremiums eine klare Weichenstellung:

"Die Gründung des NATO-Russland-Rates bedeutet im Grunde den Beitritt Russlands zu NATO. Es ist zwar erst ein halber Schritt, aber immerhin. Das ist eine große Herausforderung für die gesamte Europäische Union, mehr an ihrer gemeinsamen Sicherheitsstrategie zu arbeiten. Die Tschechische Union strebt den EU-Beitritt an, also sollte auch sie sich daran beteiligen."

Neben dieser politischen Konsequenz, die sich für ihn aus der Annäherung zwischen Russland und der NATO ergibt, unterstreicht Petr Fischer die psychologische Bedeutung dieses neuen Bündnisses:

"Psychologisch ist das sicherlich für viele Menschen unangenehm, denn das Russland-Bild ist hierzulande immer noch sehr negativ. Viele denken, dass Russland nie unser Freund sein und uns immer auf irgendeine Weise bedrohen wird. Ich denke, sogar Präsident Havel wäre in Wirklichkeit froh, wenn Russland soweit wie möglich von der NATO entfernt bliebe."

Der Journalist Jan Urban, den wir abschließend zu diesem Thema zu Wort kommen lassen wollen, hat bereits vor der Wende von 1989 mit dem Rundfunksender Radio Free Europe/ Radio Liberty zusammengearbeitet, der ja weltweit zum Symbol für freie Meinungsäußerung über die Blockgrenzen hinweg geworden ist. Kommt es ihm nicht irgendwie absurd vor, dass sich plötzlich das Land, dessen Unterdrückungsmaßnahmen man jahrzehntelang durch das freie Wort getrotzt hat - Russland - nun der NATO annähert?

"Ich meine, das ist im Gegenteil gar nicht absurd. Für Russland, das sich immer noch als Supermacht begreift, ist das wohl ein wenig schmerzhaft. Aber unsere Rundfunkstation sendet beispielsweise bereits ohne Probleme in den Nordkaukasus, was noch vor einem Jahr undenkbar war. Daher denke ich, dass diese ständige Diskussion mit Russland der beste Weg ist."