Neue Kneipe schenkt in Prag bayerisches Bier aus

Foto: Hannah Illing

In Prag hat vor einigen Monaten eine neue Kneipe aufgemacht: Das „Dno Pytle“ in der Straße Kateřinská, die zwischen der Metrostation I. P. Pavlova und dem Karlsplatz / Karlovo náměstí liegt. Die Besitzer der Schenke sind keine gewöhnlichen tschechischen Wirte. Sie haben ein spezielles Faible für bayerisches Bier.

Foto: Hannah Illing
Stimmengewirr und klirrende Gläser dringen aus der Kneipentür in die dunkle Prager Nacht. Im „Dno Pytle“ herrscht reger Betrieb. Die Gäste sitzen an niedrigen Holztischen, vor sich haben sie große Gläser mit schäumendem Bier. Ein weiß-blaues Metallschild an der Eingangstür stellt gleich klar, wo man sich hier befindet: „Freistaat Bayern“. Drinnen an der Wand hängt eine große weiß-blaue Flagge, der Kellner trägt Lederhose und es herrscht Rauchverbot. Wie in Bayern eben.

„Alles hier ist aus Bayern. Die Würste kommen aus Bayern, der Senf ist aus Bayern und normalerweise kommt sogar das Brot für die Würste aus Bayern.“

Jan Zajac und Dušan Makovský (Foto: Hannah Illing)
Das sagt Jan Zajac, einer der Besitzer der Kneipe. Im Mai diesen Jahres hat er „Dno Pytle“ zusammen mit einem Freund eröffnet. Beide kommen aus der IT-Branche und waren früher mit ihrer eigenen Firma selbstständig. Doch irgendwann, so erzählt es Zajac, waren sie genervt von Kunden, die nicht zahlten. Also stiegen sie auf Bier um.

Was das Brauereigewerbe angeht ist Zajac Experte, er hat chinesisches Bier probiert, genauso wie amerikanisches. Mittlerweile braut er auch privat. Nachdem er jahrelang Erfahrung gesammelt hat, hat er eines festgestellt: Das bayerische Bier ist das Beste.

„Die berühmteste Biersorte, das Pils, wurde im 19. Jahrhundert von einem Bayern erfunden. Bayerische Braukunst ist viel besser und älter als tschechische Braukunst. Natürlich ist das tschechische Bier wunderbar. Aber in Tschechien ist ganz egal, was man trinkt, dort zählt vor allem wie viel man trinkt. In Bayern dagegen ist die Qualität des Bieres viel wichtiger als die Quantität.“

Foto: Hannah Illing
Diese Losung gilt auch für die Bierkarte im „Dno Pytle“. In die Auswahl schaffen es nur Biere, die aus ausgewählten bayrischen oder tschechischen Familienbrauereien stammen. Jan Zajac kauft einige davon persönlich in Bayern ein. Jede Woche fährt er für einen Tag in den Freistaat, jedes Mal besucht er eine andere Brauerei. Mit 12 bis 15 Fässern in seinem Auto kommt er dann nach Prag zurück. In seiner Schenke zapft er selbst an. Das frische Bier verkauft er zu tschechischen Preisen. Sein Weg führt ihn häufig nach Bamberg in Oberfranken, das bekannt für sein Rauchbier ist. Bei den etablierten Brauereien dort kauft Zajac aber nicht ein.

„Die sind zwar alle sehr gut, aber sie sind zu groß und mehr für Touristen. Die kleinen Brauereien im Landkreis Bamberg brauen nur für ihr Dorf. Ihr Bier ist meiner Meinung nach viel besser.“

Jan Hodic (Foto: Hannah Illing)
Das Konzept von „Dno Pytle“ ist aufgegangen. Die zwei Gasträume sind immer gut besucht. Auch wenn sich ab und zu ein Deutscher in die Kneipe verirrt, sind die meisten der Gäste Tschechen. Sie kommen aus einem naheliegenden Grund:

„Der Geschmack des Bieres. Total. Nachdem ich angefangen habe, diese Biersorten zu trinken, kann ich zum Beispiel kein Pilsner mehr trinken. Als ich nur Pilsner kannte, dachte ich, dass Pilsner die beste Biersorte in der Welt ist. Aber diese originellen Biersorten sind besser.“

Das sagt Jan Hodic, der „Dno Pytle“ mindestens einmal im Monat aufsucht. Der Name der Kneipe hat übrigens eine besondere Bedeutung. „Dno Pytle“ heißt auf Deutsch übersetzt „Beutelsend“. So heißt Bilbo Beutlins Wohnhöhle im Fantasy-Klassiker „Herr der Ringe“. Besitzer Jan Zajac:

Foto: Hannah Illing
„Wir lieben Tolkiens Bücher. Weil die Hobbits sehr viel Bier trinken, fanden wir, dass dieser Name gut für unsere Kneipe passt.“

In Tolkiens Buch überdauert Beutelsend viele Hobbit-Generationen. Wenn alles gut geht, werden auch Jan Zajac und sein Kollege noch lange in ihrer Prager Hobbithöhle bleiben. Wer weiß, vielleicht wird Zajac eines Tages dort sogar sein selbstgebrautes Bier verkaufen.